Freitag, 28. September 2012

Karen Duve: Anständig essen.


Paul McCartney glaubt: Wenn ein Schlachthof gläserne Wände hätte, würde niemand mehr Fleisch essen wollen. Nach der Lektüre von Anständig essen glaube ich: Er hat recht. Denn wenn ein Schlachthof gläserne Wände hätte, könnte niemand mehr sagen, er hätte nicht gewusst, was da drin passiert. Niemand könnte mehr abstreiten, dass ein Schwein oder ein Rind die gleiche Todesangst und die gleiche Qual empfindet, wie ein Mensch sie an diesem Ort empfinden würde. Niemand könnte sich mehr mit dem diffusen Gedanken einlullen, das Tier sei im Grunde eine instinktgesteuerte Maschine ohne komplexere Empfindungen.

Nun ist es ja so, dass wir all diese hässlichen Wahrheiten eigentlich schon wissen. Informationen waren nie so zugänglich wie heute. Und schon vor zwanzig Jahren zeigten die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehreportagen über die Grausamkeiten der Massentierhaltung. Wird wieder ein Skandal aufgedeckt, der im Grunde keiner ist, weil höllische Zustände in der industriellen Tierhaltung eher Standard sind, dann sind natürlich alle ganz betroffen: Schlimm, schlimm, diese geschundenen Hühner mit den verkrüppelten Füßen und abgeschnittenen Schnäbeln. Schlimm, diese vor Angst und Schmerz halb wahnsinnigen Schweine, die sich auf besudelten Spaltenböden gegenseitig die Ringelschwänze abbeißen – wenn man sie ihnen nicht schon vorher abgeschnitten hat. Ja, alles ganz schlimm. Für einen Moment.

Die ehemalige Grillhähnchenpfanne-für-2,99-Euro-Käuferin Karen Duve wollte mit Anständig essen im Selbstversuch herausfinden, wie es denn möglich ist, sich ethisch korrekt zu ernähren. Aus diesem Grund wurde sie jeweils einige Monate lang zur Bio-Käuferin, Vegetarierin, Veganerin und schließlich zur Frutarierin – um am Ende eine Entscheidung zu treffen. Die ich natürlich nicht hier und jetzt verrate. Wir begleiten Frau Duve bei ihren Experimenten, die in einer Art Tagebuchform aufbereitet und spannend zu lesen sind. Unterfüttert wird das ganze Projekt mit umfangreichen Recherchen zu den Hintergründen der jeweiligen Ernährungsform und zum Thema Tierethik, Ernährung und (Massen-)Tierhaltung allgemein.

Karen Duve schreibt wie immer plakativ, bildgewaltig, drastisch, mit trockenem Humor. Anständig essen ist dabei ein sehr persönliches Buch – die Autorin hält die eigenen Emotionen, Erfahrungen und Reaktionen nicht heraus. Das tut der Sache gut, denn so werden aus der Informationsflut, mit der wir uns hier auseinandersetzen, zugängliche Szenarien, die mich sehr berührt haben. Ich kann mir auch irgendwie nicht vorstellen, dass dieses Buch jemanden nicht sehr berührt. Derjenige müsste wohl über ein Ausmaß an Ignoranz verfügen, das ich mir nicht ausmalen mag.

Sensibleren Gemütern kann ich sagen, dass es seitenweise fast unerträglich war, der nüchternen Realität der profitorientierten Tierverwertung ins Auge zu sehen. Da gehen Bilder an im Kopf, die für mich manchmal kaum auszuhalten waren. Als ich die Beschreibung des Shuttle-Box Experiments mit Hunden gelesen hatte, musste ich das Buch für einen Abend weglegen. Da war es mir einfach zuviel. Kurz zweifelte ich, ob ich das kann – mir die volle Packung Wirklichkeit geben.

Ja, ich kann. Oder besser gesagt: Ich muss. Auch wenn ich’s lieber nicht möchte. Auch wenn ich so eine schreckliche Mimose bin. Auch wenn ich deswegen Rotz und Wasser heule. Ich musste dieses Buch fertig lesen, und ich werde auch noch weitere Bücher zu diesem Thema lesen, denn ich habe das dringliche Gefühl, dass ich es all diesen namenlosen Geschöpfen schuldig bin, die Wahrheit zu kennen. Wir alle sind ihnen das schuldig. Es ist schlichtweg das Mindeste, was wir tun können. 


Links zum Thema

www.vebu.de
www.stiftung-fuer-tierschutz.de
www.aerzte-gegen-tierversuche.de
www.neuland-fleisch.de
www.peta.de
www.vierpfoten.de

Dienstag, 11. September 2012

Festival der phantastischen Literatur zur Frankfurter Buchmesse


Es hört hier ja gar nicht mehr auf mit special interest, aber das muss noch raus: Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse findet ne tolle, unabhängig organisierte Science Fiction & Fantasy Convention statt, die sicher für einige interessant sein dürfte. Wenn ich nicht in Berlin festgetackert wäre mit meinen leidigen Verpflichtungen, wäre ich sehr wahrscheinlich selbst dort.

Ich kopiere Euch, stinkfaul wie ich bin, die Pressemeldung mit näheren Informationen hier rein:

Frankfurt/Dreieich. Zum 27. Mal treffen sich Fans von Science Fiction & Fantasy auf dem Buchmesse Convent (BuCon), Deutschlands führender Independent-Convention für phantastische Literatur. Dieses von der Messe unabhängige Festival des phantastischen Genres findet am 13. Oktober 2012 und damit wie gewohnt parallel zur Frankfurter Buchmesse statt. Prominente Gäste sind Markus Heitz, Tom Finn, Bernhard Hennen, Bernd Perplies, Christoph Hardebusch und viele andere Top-Autoren der deutschsprachigen Phantastik-Szene. Erstmals zu Gast sind der Erfolgsautor Kai Meyer, sowie der Darmstädter Autor Artur Rümmler, der in seinem Roman "2040" einen dystopisch angehauchten Blick auf die Zukunft der Region Südhessen wirft.

Veranstalter ist eine erfahrene Gruppe langjähriger, in der Phantastik-Szene aktiver Fans in Kooperation mit dem Science Fiction Treff Darmstadt, bundesweit bekannt durch die außerordentlich erfolgreichen "Darmstadt SpaceDays" sowie dem Jugendclub WIRIC im Bürgerverein Buchschlag e.V. und den Bürgerhäusern Dreieich.

Auf vier mehrstündigen Programmschienen mit Lesungen, Präsentationen und Diskussionsrunden bieten die Veranstalter für jeden etwas. Autogramm- und Signierwünsche werden gerne (und vor allem kostenlos) erfüllt.

Im unteren Foyer setzt eine Kunstausstellung optische Akzente. Aussteller sind der Marburger Künstler und Autor Mark Staats, sowie der Darmstädter Grafiker Ingo Lohse.

Es wird demonstriert, das utopisch-phantastische Literatur nicht zwangsläufig trivial sein muss. Bereits George Orwell, H.G. Wells und Jules Verne boten in ihren Werken Visionen und Vorraussagen, die heute zur alltäglichen Realität gehören. Und werke, wie das Fantasy-Epos "Der Herr der Ringe" des englischen Professors J.R.R. Tolkien zählen heute zur Weltliteratur. Natürlich darf aber auch der unterhaltende Spannungsroman nicht fehlen. Die Veranstalter zeigen, dass trotz "Star Wars", "Stargate" und "Star Trek" das phantastische Buch nicht tot ist, sondern durch den Einsatz moderner Technik, sowie der Möglichkeiten des Internets gerade heute wieder eine ungeahnte Renaissance erlebt. In Deutschland kann Science Fiction und gerade Fantasy ein durchaus eigenständiges, vom anglo-amerikanischen Raum unabhängiges Profil vorweisen. Der Buchmesse Convent präsentiert die gesamte Bandbreite, vom Groschenroman bis zum bibliophilen Werk. Fan-Sein bedeutet nicht sturer Konsum, sondern kritische Auseinandersetzung mit dem Autor und seinem Werk. Wohl nirgendwo anders ist die bundesdeutsche Science Fiction- & Fantasy-Autoren & -Leserszene so lebendig, als auf dieser messeunabhängigen Traditionsveranstaltung, zu der wieder über 380 Besucher, Autoren und Verleger aus dem gesamten deutschsprachigen Raum erwartet werden. Kostümierte Besuchermassen wird man auf dieser literarisch orientierten Veranstaltung allerdings vergeblich suchen.

Höhepunkt der Convention ist traditionell die Verleihung des "Deutschen Phantastik Preises" (DPP), der in mehreren Kategorien per Internetabstimmung (www.deutscher-phantastik-preis.de) ermittelt wird.

Zum Abschluss der Veranstaltung wird zu einem Konzert mit der Gruppe "Elfenthal" eingeladen, die mit ihrem "Early Music Ensemble" auf ihrer Deutschlandtournee im Bürgerhaus von Dreieich-Sprendlingen gastiert. "Elfenthal" wird von der spanischen Opernsängerin Maite Itoiz und ihrem Mann John Kelly (Ex-Kelly Family) geleitet und präsentiert ihr mittelalterliches Programm: "The Return of the Kings". Anlass ist der 50. Geburtstag des Dreieicher Jugendclubs WIRIC. Das Konzert ist im Eintrittspreis enthalten. Die Laudatio hält der Autor Bernhard Hennen.

Wie jedes Jahr, kommt man bereits am Freitag, den 12.10., ab 20 Uhr zum Einstimmungstreffen zusammen. Den Ort findet man auf der Homepage. Am Samstag, den 13.10., ist ab 10 Uhr Einlass. Der Eintritt beträgt an der Tageskasse 10 Euro, Ermäßigungen sind möglich. Das Ende des Convents ist für 22 Uhr vorgesehen. "Convention Center" ist das Bürgerhaus in Dreieich-Sprendlingen, Fichtestrasse 50.

Begleitet wird die Veranstaltung von einer gut sortierten Phantastik-Börse. Zahlreiche Anbieter tragen mit ihrem Angebot vom antiquarischen Buch bis hin zur DVD zur Vervollständigung mancher Sammlung bei. Ergänzt wird das Angebot durch verschiedene Kleinverlage und Autorenstände.

Informationen, sowie eine ausführliche Programmübersicht findet man im Internet unter der Adresse:

http://www.buchmessecon.info

...oder im Sozialen Netzwerk Facebook unter:

http://www.facebook.com/BuchmesseConvent

Mittwoch, 5. September 2012

Schimpfen mit Shakespeare.

Herzhafte Beleidigungen im öffentlichen Leben sind ja so eine Sache. Einerseits ist es wichtig für die seelische Hygiene, sein Missfallen in deutlichen Worten zum Ausdruck zu bringen. Das erleichtert. Und bietet ein unkompliziertes Ventil für aufgestaute Kreativität.

Dummerweise sind Beleidigungen, sofern sie als solche identifiziert werden, ganz schön strafbar. Dabei muss man nicht einmal so weit gehen, seinen Chef als "grindigen Arsch einer Hartgeldhure" zu bezeichnen. Die sogenannte Ehrverletzung kostet auch schon Geld, im schlimmsten Fall geht man dafür glatt in den Knast. Doch, tatsächlich.

Deshalb empfiehlt es sich, stilvolle und möglichst unverständliche Beleidigungen zu wählen. Im Zweifel beruft man sich auf sein Recht, Shakespeare frei zu zitieren. Das stets hilfreiche Internet hat da mal was vorbereitet: Das Shakespeare Insult Kit. Man nehme jeweils einen Begriff aus jeder der drei Sparten und setze ein "Thou" davor.


Kleine Auswahl stilsicherer Beschimpfungen für den wütenden Literaturfan.

Ich verwette meinen saucy bat-fowling puttock, dass hierzulande kein Mensch in der Lage ist, die ihm an den Kopf geworfene Beleidigung auf einer Polizeiwache zu rezitieren. Ein bisschen ist das so, wie wenn man jemandem im Hochsommer mit einem Eiszapfen ersticht. Mordwaffe? Welche Mordwaffe? Aber ich schweife ab.

Macht's gut, Ihr artless boil-brained flax-wenches!