Donnerstag, 31. Mai 2012

Lyrik zum Anfassen, Teil 10.


Vielleicht ist es auch gar nicht Teil 10, aber das beunruhigt uns jetzt nicht weiter. Es gibt jedenfalls Hoffnung für die talentlosen Lyriker unter uns, zum Beispiel mich. Denn bei Rosine findet man eine sehr schöne und pragmatische Anleitung zum Gedichteschreiben.

Ich präsentiere einen kurzen Auszug aus ihrem Erstlingswerk "Verstauen Sie ein T-Shirt in einem Maxirock":


Geben Sie eine Erklärung ab
in einer übergroßen Strickjacke und in beunruhigten Jeans oder
gleiten Sie wenigstens auf einer romantischen Ausschnittbluse, die eine Erklärung abgibt.
 
 
Wenn das mal nicht fabelhaft ist! Mich faszinieren auch seit jeher diese kryptischen Gebrauchsanweisungen, die irgendwelchen obskuren Importprodukten beiliegen und dem Käufer Ratschläge erteilen wie "Lassen Sie 538-Stahlschlunze großzügig ausruhen und befehlen Sie während dessen Schalter B Ihre Zuneigung." Sowas erledigt heutzutage vermutlich der Google Translator. Aber ich habe ohnehin die Vermutung, dass Maschinen insgeheim die schönere Lyrik produzieren.
 
 

Samstag, 26. Mai 2012

Verhängnisvolle Affären.

Auf Bookfessions gestehen buchsüchtige Menschen ihre mehr oder weniger kleinen Macken. Vieles kommt mir verdächtig bekannt vor. Ich selbst muss zugeben: ich habe für eine Buchbloggerin einen unguten Hang zu Serien. Das ist natürlich Gift für meine Blogstatistik. Wer will schon acht Beiträge hintereinander über Harry Hole lesen? Oder jeden Sookie Stackhouse-Band einzeln aufgedröselt? Aber ich kann's nicht ändern – gefällt mir eine Serie, MUSS ich alle Bände hintereinander weglesen, sonst fühle ich mich schlecht. Mit der Zeit fühlen sich die Hauptfiguren an wie Freunde.

Und: Wie lauten Eure Bookfessions?










Donnerstag, 17. Mai 2012

George R.R. Martin: A Game of Thrones.

Das Internet sagt, George R.R. Martin werde von Fans schlicht GRRM genannt. Dann mache ich das jetzt auch. Denn ich bin ein Fan.

Und das kam so: Der Gatte stellte mir die ersten vier Bände des Zyklus Ein Lied von Eis und Feuer auf den Tisch, mit den Worten „Das gefällt Dir bestimmt.“ Ich verschob die hübsche Sammelbox vom Tisch ins Regal und ignorierte sie dort ein gutes halbes Jahr lang. Denn es handelte sich um die englische Ausgabe. Geständnis: Weil ich gerne zügig lese, vermeide ich meist das englische Original – was soll’s, es dürfte jedem klar sein, dass sich dies hier nicht als Mutterschiff intellektuellen Anspruchs versteht.

Wenig später zeigte mir der begeisterte Gatte einen Trailer der HBO-Serie „Game of Thrones“ – da gab ich seiner Penetranz zähneknirschend nach und kaufte uns kurzerhand die komplette erste Staffel. Und fand sie brillant. Ganz autoritär musste ich mich zwingen, nicht alle Folgen am Stück anzuschauen, sondern mir den Genuss brav einzuteilen, um länger davon zehren zu können. So gut fand ich die Serie. Tja, und nach der letzten Folge ereilte mich dann der Entzug, den jeder kennt, der Serien in Buch- oder Filmform liebt. Man weiß ja bereits, die Geschichte geht weiter; man will um alles in der Welt wissen, wie sie weitergeht; man kann es quasi kaum ertragen, von der Geschichte getrennt zu sein.

Und auf einmal erschien mir die englische Pappbox mit den vier Bänden darin unheimlich attraktiv.

Ich muss also zugeben: Ich habe den ersten Band als Methadon für meine Entzugserscheinungen missbraucht. Nur deshalb habe ich ihn aufgeschlagen. Um mich hundert Seiten später dafür zu schämen, denn das haben die Romane wahrhaftig nicht verdient. Die Sprache ist überraschend gut zu bewältigen. Gelegentlich schlage ich einen Begriff nach, aber das stört den Lesefluss nur unerheblich. Ich bin jetzt im ersten Drittel des zweiten Bandes und heilfroh, dass ich noch so viele Seiten vor mir habe. So viele Seiten, die ich in der Geschichte verbringen kann. Ich ganz allein. Mein Schaaaatz.

Viele von Euch werden Ein Lied von Eis und Feuer in Buchform schon kennen, oder aber den ersten Band als Serie, oder beides. Ausufernde Klappentextereien spare ich mir daher, zumal eine sinnvolle Inhaltsangabe ohnehin sehr viel mehr Text in Anspruch nähme, als mir und Euch lieb wäre. Die Handlung von Game of Thrones ist in einer Welt angesiedelt, die in ihrem Charakter dem recht düster anmutenden europäischen Mittelalter ähnelt. Sieben Königreiche umfasst der Kontinent Westeros, der von König Robert Baratheon regiert wird. Als Baratheon stirbt, erheben gleich mehrere Anwärter den Anspruch auf den Thron – ein raffiniertes und grausames politisches Ränkespiel beginnt.

Aus wechselnden Subjektiven breitet sich die raue Geschichte vor uns aus. Das schafft eine intensive Nähe zu den Figuren und sorgt nicht zuletzt dafür, dass der Leser sich schnell im Geflecht der vielen Parteien zurechtfindet. Die stimmige, mittelalterlich-magische Welt von Westeros wurde mit großer Sorgfalt und einem Blick für originelle Details erschaffen. Ein schönes Beispiel: die Rolle der Jahreszeiten. In Westeros kann ein Sommer durchaus Jahre, ein Winter sogar Jahrzehnte dauern. Entsprechend gefürchtet sind die Winter im Königreich. So lässt GRRM der unerbittlichen Natur eine ganz eigene, fast mystische Bedeutung zukommen, die als mehr oder weniger subtile Bedrohung ständig präsent ist.

Die Melange aus diesem beeindruckenden Weltentwurf, den absolut überzeugenden Figuren und der spannenden Story hat mich unverzüglich gefesselt. Während ich dies hier schreibe, möchte ich eigentlich viel lieber weiterlesen. Mehr Empfehlung geht wohl nicht.


Mittwoch, 16. Mai 2012

Die Axt schafft sich ab.

Offenbar hat mein Unterbewusstsein beschlossen, meine Inkarnation als Axt in einem trägen, dafür schmerzlosen Prozess  zu eliminieren. Beim Blick ins Archiv da rechts stellt der Betrachter nämlich Folgendes fest:

Beiträge im Jahr 2009: 96
Beiträge im Jahr 2010: 50
Beiträge im Jahr 2011: 18

Folge ich konsequent der Statistik, muss ich in diesem Jahr noch etwa zwei Beiträge schreiben. 2013 wären es 4-5 Beiträge. 2014 kommt auf 2-3 Beiträge, 2015 nur noch auf einen, und im Jahr 2016 ist die Axt Vergangenheit. Sollte ja wohl zu schaffen sein.

Dienstag, 15. Mai 2012

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem.

Muah. Diese schlimme erste Zeile. In der man den Leser davon überzeugen muss, dass ihm der restliche Artikel leuchtende Augen und einen rosigen Teint bescheren wird. Ich kann sowas nicht! Ich kann nur pragmatisch über ein Buch sprechen: ob es mir nun gemundet hat oder nicht, und wenn nicht, warum nicht, und wenn doch, warum. Dafür sind wir ja wohl auch alle hier. So.

Die Tribute von Panem. Hat mir gefallen. Das hätten wir schon mal. Wenn nicht, ja wenn eben nicht … dazu komme ich gleich. Suzanne Collins stammt eigentlich aus dem Drehbuchfach – davon profitiert das Erzähltempo sehr. Drehbuchautoren, die Romane schreiben, machen das oft sehr spannungsreich und kreativ (Game of Thrones! Yay!) und bringen fesselnde Geschichten auf den Tisch, die ich in einem Mordstempo einatme. Die Tribute von Panem ist so ein Fall, wobei wir zugleich beim ersten und für mich dicksten Wehmutstropfen wären. Diesen dystopische Gesellschaftsentwurf, in dem ein zukünftiges totalitäres Regime Kinder dazu zwingt, sich in sogenannten Spielen bis zum Tod zu bekämpfen, den gibt es schon. Zum Beispiel funktioniert der Film "Battle Royale" (Japan, 2000) nach genau diesem Muster. Ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll – der Filmstoff ist so identisch mit dem ersten Band der Trilogie, dass ich ihn kaum noch als bloße "Inspiration" bezeichnen möchte. Als ich auf Wikipedia nachgeschlagen habe, begegnete mir dieser Kritikpunkt dort ebenfalls. Wahrscheinlich habe ich das alles mal wieder als Letzte gecheckt. Seufz.

Wenn ich mir überlege, wie viel Kohle die gesamte Trilogie ihrer Autorin eingefahren hat, finde ich das etwas bitter. Genau genommen kotzt es mich sogar ziemlich an, dass Mrs Collins mit den kaum verschleierten Ideen anderer Künstler einen derartigen medialen Erfolg verzeichnet. Ganz ehrlich: hätte ich das vorher gewusst, dann wäre die Panem-Trilogie nicht auf meinem Lesetisch gelandet. Sowas kann ich aus Prinzip nicht ab. Komm mir jetzt bloß keiner mit einem bekloppten "Mash-Up ist Zeitgeist"-Einwand. Mash-Up my ass. Hier ist es mir wirklich zuviel.

Gut. Nun besteht der ganze Kram nicht nur aus dem ersten Band, und ich will versuchen, das Plagiatsgeschrei mal einen Moment beiseite zu lassen. Tun wir so, als wüssten wir alle von nichts: dann ist die Panem-Trilogie ein sehr spannendes, interessantes und kreatives Konzept. Ja, es gibt eine Lovestory, und nein, sie ist zum Glück nicht unerträglich kitschig. Liegt vielleicht auch an den vielen Toten.

Gestorben wird hemmungslos. Auch und gerade die Guten müssen dran glauben. Collins übt keine Gnade, was ich wiederum lobenswert finde. Die Figuren sind nicht selten gebrochen und verletzt – und alles andere wäre wohl auch erstaunlich, denn die Bewohner Panems leben nicht gerade in Saus und Braus. Entstanden aus den Trümmern der einstigen USA, bildet Panem ein Land der Überlebenden, unterteilt in 12 Distrikte und regiert vom sogenannten Kapitol. Die Menschen leiden Hunger, alles ist rationiert und kontrolliert. Unüberwindliche Zäune umgeben die Distrike, weder existiert Reisefreiheit noch ein Zugang zu unabhängiger Information. Als Strafe für lange zurückliegende Aufstände werden aus jedem Distrikt jedes Jahr zwei Kinder ausgelost: die sogenannten Tribute. Sie müssen in der Arena der jährlichen "Hungerspiele" gegeneinander antreten. Der letzte Überlebende gewinnt.

Kurioserweise komme ich damit erst jetzt zu den beiden Hauptfiguren, dem Mädchen Katniss und dem Jungen Peeta aus Distrikt 12. Ich reiße hier nur ganz kurz an: Sie werden als Tribute in die Arena des Kapitols geschickt, um mit den anderen bis zum Tod zu kämpfen. Tja, und bald stellt sich heraus, dass sich zwischen den beiden Jugendlichen, den unmöglichen Umständen zum Trotz, etwas entwickelt. Unversehens kommen Katniss und Peeta den Plänen des Kapitols in die Quere. Kann natürlich unmöglich gutgehen – der Kampf gegen das Kapitol beginnt.

Ein Aspekt, der mir beim Panem-Konzept gefällt, ist die fehlende "historische" Erläuterungsebene. Es wird eben nicht weitschweifig erklärt, aus welchen Gründen und auf welche Weise das frühere (unser heutiges) Nordamerika zugrunde ging. Die Geschichte spielt in ihrem eigenen Hier und Jetzt, die Vergangenheit bleibt nebulös und der Rest der Welt kommt gar nicht erst vor. Das schafft einen schön kompakten Rahmen, der das rasante Tempo erlaubt. Unterm Strich eine Story nach meinem Geschmack und mit Sicherheit eine gute Wahl für Fans filmisch erzählter Fantasy-Romane. Nervte da nicht die leidige Abschreibegeschichte, gäbe es von mir eine klare Empfehlung!