Samstag, 21. April 2012

Nele Neuhaus: Unter Haien.

Also nee, Freunde, so leid es mir tut. Dit wird nüscht mit mir und dem Buch von der Neuhaus. Wo mir die rustikalen Taunuskrimis zum großen Teil hervorragend mundeten, hinterließ Unter Haien einen ganz schön seltsamen Geschmack in meinem Hirn. Dieser Krimi ist eigentlich das Neuhaus'sche Debüt, erschien aber irgendwie erst danach  – versteh ich nicht, aber was soll es.

Die Geschichte kreist um die wahnsinnig erfolgreiche, wahnsinnig hübsche und wahnsinnig clevere Investmentbankerin Alex. Die Deutsche ist nach New York ausgewandert und dort ein rising star der Wall Street. Blöderweise ist die gute Alex bei aller Cleverness ein bißchen bescheuert und lässt sich mit einem ultrabösen Mafiaboss ein. Dass der gute Sergio gehörig Mist am Hacken hat, stellt sich dann relativ zügig heraus, aber es wohnt sich halt so nett seinem Luxusapartment. Dass er sie spontan mal vergewaltigt, als sie mal nicht mit ihm schlafen will – geschenkt.

Ab da zieht sich das Buch dann zweihundert Seiten lang ganz enorm hin. Wie ein sehr alter Kaugummi. Ständig fragte ich mich, wieso nicht endlich mal einer was kapiert. Unglaublich merkbefreit sind die meisten Figuren. Alex darf in der Zwischenzeit neue tolle Freunde in der High Society finden, den Präsidenten beeindrucken, Ausflüge in die Hamptons machen, wechselnde Liebhaber bedienen und ganz nebenbei 80 Stunden pro Woche arbeiten (anscheinend spielt der Roman in einem einzigartigen Raum-Zeit-Kontinuum).

Während die Bösen tatsächlich sehr böse sind, sind die Guten umso guter. Edle reiche Freunde, idealistische Journalisten, warmherzige Wirtinnen, you name it. Bürgermeister Nick Kostidis, Sergios Erzfeind mit der reinen Weste, fungiert als strahlender Leitstern der Gerechtigkeit. Selbstverständlich ist auch er von Alex fasziniert. So fasziniert, dass er einen tödlichen Anschlag auf seine Frau und seinen Sohn überraschend gut wegsteckt. Überhaupt läuft zwischen der hartnäckig naiven Alex und dem Hardliner-Kostidis eine unerträgliche Schmalznummer ab, die zahlreiche unfreiwillig komische Momente offenbart. Ehrlich, ich werde es niemals nie verstehen, wieso man die obligatorische Liebesszene nicht einfach diskret hinter geschlossener Tür inszeniert. Die Beschreibung des Geschlechtsakts ist eine Gratwanderung, die oft genug schlimmes Fremdschämpotential produziert.

Gegen Ende wird es dann nochmal kurz spannend: Erleichtertes Aufatmen meinerseits. Alex muss zwar noch eine Portion Prügel einstecken und soll zusätzlich per Massenvergewaltigung (!) zum Reden gebracht werden, aber sowas verkraftet sie zum Glück ja ganz gut.

Einige Figuren durchlaufen dann noch eine erstaunliche charakterliche Wandelung. Andere bleiben  wie vom Erdboden verschluckt. Viele sind einfach zwischenzeitlich ermordet worden. Und ich bleibe ratlos zurück.