Mittwoch, 23. November 2011

Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben.

Es ist Winter, weshalb ich mich traditionell in meiner Krimi-Phase befinde. Nachdem Harry Hole ja erstmal nach Bangkok ausgewandert ist, brauchte ich eine Ersatzbegleitung für die vielen dunklen Abende (Gesundheitstipp: Ein Buch ist hierbei gesünder als eine Flasche Schnaps). Auf Nele Neuhaus‘ Roman Schneewittchen muss sterben bin ich allerdings aus purem Geiz gestoßen: er war als eBook im Angebot. Handlung klang gut, also zack, runtergeladen. Geht ja heute so scheißeschnell mit dem Geldausgeben.

Wer jetzt glaubt, er bekäme im Anschluss eine schöne Rezension besagten Kriminalromans, hat sich glatt getäuscht. Ich habe Schneewittchen nur als Aufhänger missbraucht, ha! Mittlerweile habe ich mir nämlich noch drei weitere Teile der Neuhaus’schen Reihe gegönnt. Es handelt sich hier um ein regionales Krimikonzept – die sind ja mittlerweile recht verbreitet – und spielt um Frankfurt herum, also im Taunus.

Es ermitteln Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in den Hauptrollen: sie die Ex-Frau eines genialen Rechtsmediziners, er ein blaublütiger Hauptkommissar mit Schlips und Kragen. Da tummeln sich überhaupt allerlei Adlige in den vier Romanen, die ich bisher gelesen habe. Keine Ahnung, ob das bloß Glamour vermitteln soll, oder ob um Frankfurt tatsächlich so viele Von_und_Zu_s wohnen. Reiche kommen bei Nele Neuhaus jedenfalls schlecht weg und werden gerne auch ermordet. Gefällt mir.

Spannend waren die vier Fälle auch, aaaaber: nach ungefähr dem zweiten Taunuskrimi kennt man seine Pappenheimer. Wer also liebend gerne bis zum Schluss rätselt, um dann doch vom Autor in die Irre geführt zu werden, wird vielleicht enttäuscht sein. Auch diejenigen unter uns, die es extrem böse und menschenverachtend mögen, werden mit Pia und Bodenstein nicht glücklich. Wer aber wird denn mit denen glücklich?

Ich zum Beispiel. Ich lasse mich nämlich gerne auch unterhalten, ohne dauernd vor Grusel oder Anspruch im Viereck zu springen. Mich beruhigen Charaktere, die sympathisch und relativ unkaputt sind. Bisschen heile Welt mit einer Menge Leichen und ein paar bürgerlichen Abgründen. Ich mag  die regionale Färbung und die bunt gezeichneten Figuren. Der Winter ist ja ohnehin düster, was soll ich da mit deprimierender Unterhaltung? (Exkurs: wenn Unterhaltung deprimiert, ist sie dann noch Unterhaltung, oder irgendetwas anderes?)

Die Axt jedenfalls freut sich über ihre neuen Begleiter. Sie harmonieren fabelhaft mit Keksen, Tee und Wollsocken. Nach Weihnachten ziehe ich dann wieder mit den literarischen Schnapsfritten dieser Welt um die Häuser.



(Benno, diesen Artikel habe ich nur geschrieben, damit Du nicht dauernd Karl Dall Didi Hallervorden in Tomas Tranströmers Potrait erblicken musst.)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

es war der didi nich der dall...

lizzz hat gesagt…

Ach ja, natürlich. Das ändere ich gleich mal. Und ich weiß sogar, warum der Didi: es ist die Mundpartie, stimmts? Die haben echt ein identisches Lächeln.

Wie komme ich denn auf Karl Dall...wahrscheinlich, weil der so ne immerwährende Hassfigur für mich ist.