Mittwoch, 19. Oktober 2011

Petra Hammesfahr: Die Sünderin.



Bis vor zwei Sekunden war ich ja der festen Überzeugung, ich hätte „Erinnerung an einen Mörder“ hier schon vorgestellt. Oder wenigstens „Ein fast perfekter Plan“. Habe ich aber offenbar nicht, und deshalb möchte ich Euch den dritten Hammesfahr’schen Roman, den ich mir just ins Gehirn geleert habe, umso wärmer ans Herz legen.

Petra Hammesfahr muss eine ganz schön nette Frau sein, denn sie lässt ja die ganzen gemeinen Sachen an ihren eigenen Figuren aus. Da bleibt bestimmt nicht mehr viel Fiesheit für das reale Leben übrig. Auch im vorliegenden Roman Die Sünderin scheint der jungen Mutter und Ehefrau Cora nicht unbedingt die Sonne aus der Rückseite. Wir begegnen Cora in einer Situation, in der sie keine andere Möglichkeit sieht, als sich das Leben zu nehmen. Also plant sie, ganz pragmatisch-patente Ehefrau, mit Mann und Kind einen netten Selbstmordausflug zum See, um sich auf dessen Grund zu versenken. Am Endes des Tages lebt Cora noch, dafür ist jemand anders tot, nämlich der junge Mann, den sie aus heiterem Himmel erstochen hat.

Während Cora behauptet, den Toten noch nie vorher gesehen zu haben, schwant dem ermittelnden Kommissar Böses. Beweisen lässt sich jedoch erst einmal gar nichts, denn Cora schlingert in den Verhören auf dem schmalen Pfad zwischen Realität, Phantasie und Irrsinn. Stück für Stück arbeitet sich der hartnäckige Polizist durch die Lebensgeschichte der unwahrscheinlichen Mörderin. Und offenbart eine alptraumhafte Biografie zwischen religiösem Wahn und spießbürgerlichem Muff.

Ja gut, das ist jetzt nicht viel informativer als ein schnöder Klappentext, aber ich kann wirklich nicht viel mehr verraten, ohne zuviel zu verraten. Ich sag nur: jesusfreakige Mutter, Alice im Wunderland wird in einem Blecheimer verbrannt, und ein blau angelaufenes Kind ist gar nicht so bemitleidenswert. Klingt das gut oder was.

Es wurde sicher schon oft festgestellt, dass Petra Hammesfahr eine sehr präzise Erzählerin ist. Das stimmt auch. Alle Romane, die ich von ihr gelesen habe, zeichnen sich durch eine große Sprödigkeit und Distanz aus. Das liest sich lange nicht so humorlos und anstrengend, wie man vielleicht fürchten möge. Gar nicht, denn Frau Hammesfahr hat einen guten Sinn für Humor und boshafte Ironie, und einen ganz klaren, treffsicheren Stil sowieso.

Die Sünderin ist spannend bis zum Schluss und gut verträglich mit einem oder zehn Schluck Rotwein. Das perfekte Buch für regnerische Herbstabende.

Kommentare:

Kokoperli hat gesagt…

Hallo Liz,

Sie sind wieder da - das ist wunderbar! Bei Frau Hammersfahr bin ich mir noch nicht sicher, aber Jo Nesboe ( ich krieg das dänische ö nicht hin )werde ich ganz sicher versuchen...

Ich warte gespannt auf weitere Einträge ( schreibt Ihnen eine Bloggerin, die auch nur alle Jubeljahre was postet, sich aber immer Besserung vornimmt).

Freundliche mitlesende Grüße

Kokoperli aka Claudia

lizzz hat gesagt…

Schön, dass Sie auch wieder da sind, Claudia. Ich freu mich so, dass es hier zwischenzeitlich nicht ganz verwaist ist.

Sarah-Maria hat gesagt…

Oh, das Buch klingt gut....ich war zwar eigentlich auf der Suche nach einer Rezenssion eines anderen Buches, aber wie der Zufall so will.... ;)

Lieben Gruß!

lizzz hat gesagt…

Na dann hoffe ich, dass es Dir gefällt! Viel Spaß beim Lesen :-)

Beatrix Petrikowski hat gesagt…

Es ist schon über zehn Jahre her, dass sich diesen Roman gelesen habe und trotzdem weiß ich noch, dass er mir gut gefallen hat. Er war spannend wie alles, was ich von dieser Autorin kenne.