Donnerstag, 3. Februar 2011

Michael Robotham: Dein Wille geschehe.


Das mit dem Seelenbrechen scheint bei Krimiautoren hoch im Kurs zu stehen. Ist ja auch eine faszinierende Sache: Mord aus der Ferne und ohne schmutzige Hilfsmittel wie Messer, Kanonen oder auch, jawohl, Äxte. Das Mordopfer gibt sich von selbst den Rest, wie angenehm für den Mörder.

So ist das auch bei Michael Robotham. Joe McLoughlin, Kriminalpsychologe, wird zu einer Selbstmordsituation gerufen: Eine nackte Frau in roten Pumps steht auf einer Brücke, sie telefoniert mit einem Handy. Joe zieht die ganze Psychologennummer durch – aber die Frau scheint isoliert von der Welt, nicht ansprechbar. Sie springt. 

Kurz darauf findet man ihre Geschäftsparterin tot im Park – auch sie hat vor ihrem Tod telefoniert. Joe ruft seinen alten Bullenkumpel Ruiz aus dem Ruhestand zurück, denn dem ermittelnden Polizeiteam will es erstmal nicht in den Kopf, dass da ein Frauenmörder unterwegs ist. Blöd nur, dass der Psychologe durch seine Ermittlungstätigkeit selbst ins Fadenkreuz des Sadisten gerät.

Dein Wille geschehe ist vor allem: ein sehr, sehr spannendes Buch. Man möchte es nicht mehr zuklappen und verpasst dabei diverse Bahn- oder Busstationen. Sprachlich geht Michael Robotham um einiges feinfühliger vor als Sebastian Fitzek, dessen sympathisch polternde Plots wir hier besprachen.

Dein Wille geschehe präsentiert sich im Vergleich vielschichtiger, detailreicher und eleganter als der Fitzek’sche Seelenbrecher, schrammt allerdings stellenweise haarscharf am Pathos vorbei – aber zugegeben, ich bin da wirklich übermpfindlich. Jedenfalls: Das schmälert den Lesespaß nicht, denn die oben gepriesene Spannung reißt kleine Mankos (Manki? Manken?) ganz locker wieder raus. Zum Cover schüttele ich nur wortlos den Kopf.

Ein wunderbares Buch für verregnete Wochenenden, wenn man gerade aus dem stürmischen Park kommt und sich einen Tee mit Scotchgeschmack aufsetzt. Das englische Landhaus wäre die perfekte Kulisse, aber wer hat das schon.

Kommentare:

Mia hat gesagt…

Habe es mit drei verschiedenen Texten versucht und gleiche in jedem Text einem anderen Stil:
- Sibylle Berg
- Hermann Hesse
- Charlotte Roche

Mit Hermann Hesse kann ich wirklich gut leben, was allerdings die Roche da soll...

Liebe Grüße

lizzz hat gesagt…

Och, Sibylle Berg ist ja auch akzeptabel. Aber die Schalotte, nee.

Leg Dich einfach auf Hesse fest und fertig :-)

Kristian Lutze hat gesagt…

Hallo lizzz,

wenn`s in einem tollen Krimi zwischendurch mal zu pathetisch wird, gleich den übersetzer zu verdächtigen, finde ich nicht nett und fair. Könnte ja auch sein, dass die konstatierte Eleganz was mit der Übersetzung zu tun hat...
Will mich aber nicht mit fremden Federn schmücken, Robotham schreibt für einen Krimiautor wirklich sehr elegant. Und ich als sein Übersetzer versuche, dem so gut wie möglich gerecht zu werden.

Empfehle gerne die älteren und den ganz neuen Robotham
LG
Kristian Lutze

lizzz hat gesagt…

Lieber Kristian,

da hast Du recht, das ist natürlich nicht nett. War vermutlich so ein komischer Verallgemeinerungsreflex, das hätte mir selbst auffallen müssen.

Deshalb fällt es mir gar nicht schwer, mich für meine "Verdächtigungen" zu entschuldigen, vor allem, weil Du so freundlich darauf reagiert hast. Tatsächlich habe ich den Robotham sehr gerne gelesen – und das liegt nicht zuletzt an der erwähnten Eleganz, an der Du natürlich Deinen Anteil hast.

Einigen wir uns also darauf, dass der M.R. alle übermäßig pathetischen Stellen selbst zu verantworten hat!

Und dass das nicht mein letzter von Dir übersetzter Robotham war :-)

Übersetzt Du sonst noch wen, den Du empfehlen kannst? Immer her damit!

Alles Liebe
liz

lizzz hat gesagt…

So, nun habe ich den Artikel auch editiert, das war mir jetzt ein Anliegen.

Kristian Lutze hat gesagt…

Liebe Liz,

das finde ich nun wiederum sehr nett, sich zu entschuldigen und gleich den Text zu korrigieren. So viel Höflichkeit ist im Netz ja nicht die Regel.
Und natürlich sind Übersetzer und ich auch nicht unfehlbar, aber ich glaube, ich bin ähnlich Pathos-empfindlich wie du.

Der neueste Robotham erscheint in den nächsten Wochen unter dem deutschen Titel "Todeswunsch" (original = "Bleed for Me"), der sich einem nicht auf Anhieb erschließt. Damit hat - um dieses grassierende Missverständnis hier mal auszuräumen - der Übersetzer in aller Regel nichts zu tun. Das Buch ist trotzdem auf gutem Robotham-Niveau, Ich-erzählender (Anti-)Held ist wieder Joe, unterstützt von seinem Kumpel Ruiz.

Als weitere Empfehlungen keine super aktuellen Titel aus meiner Produktion, sondern schon ein wenig abgehangen:

Robert Wilson: Der Blinde von Sevilla (Vor allem dieser erste von vier Bänden um den Inspector Jefe Javier Falcón ist herausragend. Auch eine Reise in psychische Abgründe, sehr spannend vor der Kulisse der Semana Santa in Sevilla. Holt historisch weit aus und spielt virtuos mit dem Motivkomplex Sehen - erkennen - durchschauen. Das erste Opfer wird durch die Entfernung der Augenlider gezwungen, sich etwas anzuschauden, das für ihn offenbar so schrecklich ist, dass er sich lieber zu Tode windet...)

Martin Cruz-Smith: Die schwarze Rose
(Historischer Krimi aus einem schmutzigen Kohle-Kaff im Norden Englands des 19. Jahrhundert, in dem das Leben der Bergarbeiter dem dort gestrandeten Afrika-Forscher Blair nicht weniger fremd erscheint als das der afrikanischen Stämme, die er besucht hat. Gleichzeitig Gesellschaftstableau und eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich kenne.)

So, das soll jetzt aber reichen.

Nochmals schönen Dank für die Korrektur
und liebe Grüße
Kristian

Menzizid hat gesagt…

Das Buch liegt hier auch um gelesen zu werden, vielleicht ist ein stürmischer Apritag auch das richtige dafür?!

Danke für Deine Verlinkung, die ich gerade zufällig sah. Deinen Blog kannte ich noch gar nicht und werde mich nun freudig durch ihn hindurchlesen.

Anonym hat gesagt…

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