Dienstag, 25. Januar 2011

Sebastian Fitzek: Splitter & Der Seelenbrecher.

Eins vorneweg: wer auf brillante Stilisten und fein nuancierte Tonlagen steht, wird mit Sebastian Fitzek nicht sehr glücklich. Seine Schreibe erinnert mich irgendwie an einen gut gelaunten Labrador, der krachend durchs Geäst rumpelt. Das soll heißen, der Mann lässt es an handfester Dynamik wahrlich nicht mangeln. Dass die sprachliche Eleganz der rasanten Handlung gelegentlich zum Opfer fällt, stört eingefleischte Fitzek-Fans dabei überhaupt nicht.

Mich störte es überraschenderweise auch nicht, und dabei bin ich ja sonst eher von der wortverliebten Fraktion. Aber ich muss zugeben, Fitzeks Psychothriller haben was. Ich finde es nachgerade sympathisch, wie enthusiastisch die Protagonisten durch die Handlung poltern, ohne sich oder gar dem Leser ein Päuschen zu gönnen. Ob diese Handlung denn an jeder Stelle plausibel oder realistisch ist, fragt man sich bei dem Tempo erst gar nicht. Und das finde ich gar nicht schlecht: ist doch schön, wenn ein Buch sich mal gar nicht ziert, sondern im Gegenteil den Leser einfach mitschleift.  

Angenommen, man liegt leicht vergrippt und voller Selbstmitleid zuhause herum, dann möchte man eh keine tausend Ebenen und komplizierte Zeitreisen und Firlefanz. Oder wenn man in einem ICE voll singender Rentnerreisegruppen sitzt. Oder auf der Couch mit Schokolade und Rotwein (ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber wenn ich mich beim Lesen anzwitschern will, greife ich nicht zu Thomas Mann).

Splitter behandelt das dankbare Thema „Was wäre, wenn wir unsere schlimmsten Erinnerungen löschen könnten?“ und kreuzt es frohgemut mit moderner Neurobiologie. Auch Der Seelenbrecher befasst sich – kaum überraschend – mit der Verletzlichkeit des menschlichen Seelenlebens: Ein geheimnisvoller Irrer entführt nette junge Frauen. Als sie nach einigen Tagen wieder auftauchen, sind sie zwar noch am Leben, aber psychisch vollkommen zerstört. Klingt das nach einem unterhaltsamen Abend oder was? Die Enden beider Bücher sind übrigens gleichermaßen wahnwitzig. Wundert jetzt sicher keinen.  

Im Axt’schen Bücherregal werden vermutlich noch ein oder zwei weitere Fitzeks einziehen und damit die Dawn Songs dieser Welt ein wenig erden. Ich mag ja bekanntermaßen alle Bücher, die Spaß machen. Habt Ihr Sebastian Fitzek schon gelesen? Welchen Thriller könnt Ihr mir besonders empfehlen?

Kommentare:

TrousersShoesandSkirts hat gesagt…

Oh ja, ich hab den Seelenbrecher und Amoklauf gelesen, wobei ich Seelenbrecher um einiges besser fand. Die Therapie hab ich mir vor kurzem in eBay geordert, ich bin gespannt :)

Julia hat gesagt…

Bisher kenne ich auch nur den Seelenbrecher und fand den (mit Abstrichen bei der Logik) auch ganz gut. Ich glaube, den habe ich tatsächlich an einem Tag durchgelesen - viel mehr waren es jedenfalls nicht.
Seelenbrecher scheint wohl lt. der herrschenden Meinung einer der besseren von Fitzek zu sein - mal sehen, welchen ich mir als nächstes zulege...

Leonita hat gesagt…

Neben "Splitter" habe ich bereits "Amokspiel" und "Die Therapie" gelesen - beide auch recht kurzweilig und zum Anzwitschern durchaus geeignet!

Anna hat gesagt…

Wie toll, dich wieder zu lesen:) Von Fitzek habe ich alles gelesen bzw. gehört. Das letzte kommt super an, wenn man einen Kinderwagen mit schlafendem Säugling durch die Winterlandschaft Berlins schiebt, das sage ich dir:P Mir haben eigentlich alle gut gefallen, auch "Der Augensammler", den ich übrigens in einer anderen Kulisse gehört habe. Stimme allem, was du geschrieben hast zu. Toll finde ich bei Fitzek, dass er manche Figuren in den Roman wieder (als Nebenpersonen) auftauchen lässt - das macht alles noch wahnsinniger.

lizzz hat gesagt…

Ihr Lieben,
danke für Eure Tipps. Ich hab mir jetzt mal "Die Therapie" bestellt. Dieses ganze Psycho-Zeug, was sich Fitzek da immer ausdenkt, ist so unterhaltsam!

Julia, ich habe den Seelenbrecher auch an einem Tag gelesen. Das sind wirklich perfekte Bücher, wenn man grad nix zu tun hat und bei schlechtem Wetter daheim herumgammelt. Sehr kurzweilig.

Mentizid hat gesagt…

Ich teile Deine Meinung, die ich aber nie in dieser schönen Hundeanlehnung hätte formulieren können :)
Lese Fitzek gern, weil er unterhält. Nachhaltig tun die Texte mir aber keinerlei Veränderung an...

lizzz hat gesagt…

...und ich hätte nie so schön formulieren können, dass mir ein "Text keinerlei Veränderung antut".

Toll ist das!

Mentizid hat gesagt…

Hihi.. das ist eben das Fernsehen unter den Büchern und nicht das Kino! (so, und nun auf zu älteren Einträgen).