Mittwoch, 30. Juni 2010

Tag 10, 11 & 12



Niemand, der mich kennt, wird sonderlich überrascht sein, dass ich gerne, sagen wir mal, kreativ mit langwierigen Aufgaben wie dem "31 Tage"-Projekt umgehe. Deshalb freut es mich über die Maßen, dass ich hier gleich drei Tage in einem Post zusammenfassen kann (okay, wirklich vorwärts komme ich mit dieser Maßnahme auch nicht).

Tag 10 – Ein Buch von deinem Lieblingsautoren/deiner Lieblingsautorin
Tag 11 – Ein Buch, das du mal geliebt hast, aber jetzt hasst
Tag 12 – Ein Buch, das du von Freunden/Bekannten/… empfohlen bekommen hast

Ich werfe also Tag 10 mit Tag 12 in einen Topf, füge hinzu, dass ich keinen Lieblingsautoren habe, sondern eine ganze Handvoll, danke meiner lieben Doro für den wunderbaren Buchtipp, rühre kräftig um und heraus kommt: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt von Haruki Murakami.

Und...Überaschung! Dazu habe ich doch glatt schonmal einen Artikel geschrieben. So ein Zufall aber auch. Weil das aber Posting schon älter ist und es dementsprechend nicht jeder kennen oder suchen mag, steht es jetzt noch einmal genau hier:

Nicht zum ersten Mal wünsche ich mir einen gestandenen ZEIT-Kritiker hierher. Der könnte mich dann abwinkend ins Café schicken und einen Text aus dem Handgelenk schütteln, während ich Minzfrappé trinke. Der ZEIT-Kritiker fände problemlos die richtigen Worte und Gedanken, die einem, ja, einem Meisterwerk wie diesem gerecht würden, und er hätte genug Routine, um eine einschüchternde und beruhigende Professionalität auszustrahlen.

Leider kann mir so jemanden nicht leisten, und deshalb sitze ich seit zwei Wochen (okay, mit Unterbrechungen) vor diesem Bildschirm und verzweifele an der Schönheit des Buches von Haruki Murakami. Allein der Titel ist in seiner Sperrigkeit einfach fantastisch: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt. Das musste ich einfach lesen, kein Zweifel.

Und als ich es dann gelesen hatte, da wusste ich, dass es mir auf gar keinen Fall möglich sein wird, das zu beschreiben, was ich beim Lesen gefühlt habe. Dafür fehlt mir zweifellos das Werkzeug. Trotzdem will ich versuchen, wenigstens ein kleines Stück davon weiterzugeben – denn es könnte ja durchaus sein, dass dieses Buch für jemanden da draußen ein so großes Geschenk wird wie für mich, und diese Möglichkeit darf nicht ignoriert werden.

Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt spielt in zwei parallelen Handlungssträngen, zwischen denen kapitelweise hin- und hergewechselt wird. Hard-boiled Wonderland scheint ein Tokio der (fernen?) Gegenwart zu sein: Ein Datenkrieg ist ausgebrochen. Das so genannte System versucht, diese Daten zu verschlüsseln, die so genannte Firma versucht sie zu hacken. Der namenlose Protagonist ist dafür zuständig, diese Daten in seinem eigenen Gehirn so zu „waschen“, dass sie nicht mehr gestohlen werden können – das ist sein ganz alltäglicher Job, damit verdient er sein Geld. Das Ende der Welt ist hingegen eine seltsame, zeit- und seelenlose Parallelwelt ohne Gefühle, ohne Drama, ohne Wünsche, umgeben von einer unüberwindlichen und allwissenden Mauer.

Murakami lässt die beiden Erzählstränge langsam und mit Bedacht aufeinander zu laufen, Faden für Faden wird zwischen den Welten geknüpft, bis zum gemeinsamen Finale. Ein komplexes Gewebe ist dieses Buch, ohne jemals sperrig zu sein. Eine perfekte Komposition von Form und Inhalt, herausragend klug und sensibel erzählt, lakonisch und witzig und voller wunderschöner Gedanken. Mal waren es kleine Beobachtungen, die mich berührt haben, mal waren es große Ideen – Murakami kann zweifellos beides.

Mehr gibt es nicht zu sagen.


Ach ja, wer sich jetzt fragt, was denn nun mit Tag 11 ist: Den ignoriere ich. Es gibt keine Bücher, die ich mal geliebt habe, aber jetzt hasse. Das sind doch keine Ex-Freunde, Mensch! So ne Scheißfrage.

Tag 9: Mein erstes Buch.



Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Da gibt es nichts, und wirklich gar nichts, hinzuzufügen. Ist schließlich so'n Über-Klassiker der Kinderliteratur. Aber eine kleine Anekdote hab ich, falls es wen interessiert. Die Axt hat mit diesem Buch das Lesen gelernt: als der Großvater des ständigen Vorlesens müde wurde, beharrte die kleinkindtrotzige Axt darauf, das dann eben selbst zu können. Um nicht länger von den vernachlässigenswerten Befindlichkeiten des gebeutelten Großvaters abhängig zu sein! Dem armen Mann blieb also nichts anderes übrig, als dem ungeduldigen Balg beizubringen, wie das mit dem Lesen so geht. Zum Glück war er von Beruf – man ahnt es – Deutschlehrer.

Seitdem ist ein Buch mein ständiger Begleiter. Und mein allererstes Exemplar von Jim Knopf besitze ich bis heute, sogar der Einband ist noch dran. Dafür, dass es bald 30 Jahre auf dem Buchrücken hat, ist es in verhältnismäßig besserem Zustand als ich.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Tag 8: Ein Buch, das mich an einen Ort erinnert.



Wenn ich die Kriterien ein wenig erweitere, gibt es höchstens ein Buch, das mich an sowas ähnliches wie einen Ort erinnert: an die ICE-Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Eine Zeitlang bin ich die oft gefahren, und dieses Reisegefühl verbinde ich akustisch ganz eindeutig mit Massive Attack (Mezzanine) und literarisch eher vage mit Ein Fall für Kay Scarpetta von Patricia Cornwell. Die Scarpetta-Reihe erfreut sich ja weltweit einer riesigen Fangemeinde, und auch ich habe einige Bände gelesen. Dieser hier blieb mir im Gedächtnis, weil er wirklich spannend ist. Nullkommnix war die Zugfahrt vorbei.

Wie immer geht es bei Kay Scarpetta um Mord (sie ist halt Pathologin), gerne auch inklusive Serienkiller und seltenen psychischen Störungen. Hier hat es mal wieder jemand auf Frauen abgesehen, die er in ihren eigenen Häusern überwältigt und brutal tötet. An sich kein Brüller von Storyline, aber die Cornwell hat ihre Hausaufgaben gemacht und erzählt atmosphärisch dicht mit glaubhaften Figuren. Mädels mit viel Einbildungskraft werden sich nach der Lektüre allein zuhause eventuell nicht ganz so wohlfühlen.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Tag 7: Ein Buch, das mich an jemanden erinnert.



Leck mich am Arsch, ist das anstrengend. Dieses permanente Nachdenken über Bücher macht mich ganz ungehalten. Sagt mal, wollt Ihr überhaupt, dass ich diese Aktion bis zum Ende durchziehe? Oder ist die langweilig für Euch? Macht ja keinen Sinn, wenn ich mir hier das Hirn zerbreche, und am Ende liest das kein Mensch. Also bitte an dieser Stelle Meinung sagen, ja? Danke.

So, zum Thema: Ein Buch, das mich an jemanden erinnert, ist In the cut von Susanna Moore. Damals war ich unheimlich verliebt, und was gibt es Schöneres, als diesen wunderbaren Zustand mit einem Roman über einen sadistischen Serienkiller zu unterfüttern?

Die Protagonistin lebt allein in New York, ist Lehrerin für Linguistik und, sagen wir, sexuell aufgeschlossen. In einer Bar beobachtet sie heimlich ein Intermezzo zwischen einer rothaarigen Schönheit und einem Typen, dessen Gesicht aber verborgen bleibt. Nicht viel später wird der Kopf der Schönen in der Nachbarschaft der Lehrerin gefunden und sie von einem ziemlich coolen Detective befragt, mit dem sie eine Affäre beginnt. Dumm ist nur: die Anzeichen mehren sich, dass der Polizist der Killer sein könnte. Doch unsere schräge Lehrerin ist schon viel zu tief drin im Verwirrspiel – und der Kreis der Bedrohung wird langsam immer enger.

In the Cut, zu deutsch Aufschneider betitelt, ist ein harter, präzise geschrieber Thriller mit undurchsichtigen und nicht unbedingt sympathischen Figuren. Allerdings liegt in dieser Härte aufgrund Moores ungewöhnlichem Schreibstil auch eine gewisse raue Poesie. Die Absichten und Motivationen der Protagonisten werden nicht immer erläutert oder verstehbar gemacht, was insgesamt zu einem sehr stimmigen und leicht verstörenden Gesamtbild beiträgt. Ich mochte den Roman gerne genug, um ihn drei Mal zu lesen.


Vor einigen Jahren wurde er mit einer erstaunlich unspießigen Meg Ryan verfilmt (allerdings war ich überhaupt nicht einverstanden mit dem abgewandelten weichgespülten Finale), hier ein Ausschnitt:

Montag, 14. Juni 2010

Tag 6: Ein Buch, das ich nur ein Mal lesen kann...

...egal ob ich es hasse oder nicht.

Also bitte, was sollen denn diese Umkehrfragen. Lieblingsbuch, Hassbuch, oft lesen, selten lesen. Willst Du mit mir gehen, ja nein vielleicht. Na schön, ich antworte und spare mir trotziges Verweigerungsgehabe.

Ich stelle also fest: Ich kann Die Vermessung der Welt von Tag 1 nicht nochmal lesen. Tatsächlich würde ich gerne wissen, ob die wahnsinnig vielen Menschen, die das Buch gekauft haben (Bestseller-Alarm an dieser Stelle), es ebenfalls nur ein einziges Mal gelesen haben. Das würde mich irgendwie trösten.

Ich jedenfalls habe letztlich an diesem Roman geknabbert wie an einer Karotte, die man lediglich in einem Anfall von Gesundheitsbewusstsein in die Lunchbox gelegt hat. Dem Buch ging jede Spannung ab. Und ich brauche Spannung – schöne Sprache hin, hintergründiger Humor her. Entweder die oder eine große Portion zynische Alltagsbeobachtungen.

Tag 5: Ein Buch, das ich immer wieder lesen könnte.



De facto tue ich das regelmäßig. Also, Bücher immer und immer wieder lesen. Ein heißgeliebtes Stück Literatur nochmals zur Hand zu nehmen, ist nämlich ein klein wenig wie nach Hause kommen. Die Protagonisten grüßen Dich wie einen alten Freund, im Satzbau verläufst Du Dich erst gar nicht mehr und Deinem reizüberfluteten Alltag zum Trotz bleibt die hermetisch versiegelte Welt Deines Buches eine tröstliche Konstante, über Jahre hinweg, über Jahrzehnte, für immer.

Ich besitze etliche Bücher, die ich sehr oft gelesen habe, aber eines der abgegriffensten Werke in meinem Bücherhaufen dürfte mit Sicherheit High Fidelity von Nick Hornby sein. Der Humor, die Wahrhaftigkeit und die Wärme, die diesem Buch eigen sind, lassen mich an deprimierteren Tagen zielgerichtet nach dem verschrammelten roten Einband Ausschau halten. Hier gibt es ein ausführlicheres Posting dazu.

Tag 4: Mein Hassbuch.



Nein, dies ist es nicht, das Hassbuch. Das ist nur die Hinleitung. Auf die Gefahr hin, widerlich anmaßend zu klingen: ich hasse gar kein Buch.

Zugegeben, hier und da packt mich mal eine Art fassungslose Verachtung, aber im Grunde genommen waren mir auch dieses Bücher ein perverses Vergnügen, weil meiner Abneigung eine gewisse Leidenschaft innewohnte. Hat ja auch was.

Tag 3: Mein Lieblingsbuch




Ist das jetzt nicht ein Ding? Sollte ich mich tatsächlich aufraffen, einen neuen Artikel zu verfassen? Wie wird der Börsenmarkt auf diese Ankündigung reagieren?

Okay. Gut. Mein Lieblingsbuch. Das ist eine Frage, die mir in meiner Tätigkeit als Axt nicht sooo selten gestellt wird, und immer setzt sie mich dermaßen unter Druck, dass ich den Fragesteller am liebsten dafür ohrfeigen würde, mich in eine so unangenehme Situation gebracht zu haben.

Das liegt nicht daran, dass da ein unheimlich peinlicher Romantikschinken inkl. unheimlich gräßlichem Cover auf der Nummer 1 sitzt, sondern es ist einfach so: ich habe kein Lieblingsbuch. Wirklich nicht. Was Literatur angeht, bin ich skandalös promisk. Ich bevorzuge die Affäre, nicht das Eheversprechen. Strohfeuer statt Langzeitbeziehung. Und so weiter.

Es ist ja nun so, dass unterschiedliche Lebensphasen, Stimmungen, Anlässe oder Uhrzeiten jeweils unterschiedliche Ansprüche an die begleitende Literatur stellen. Oder wer von Euch liest im frischverliebten Hormonrausch begeistert Houellebecq?

Aber weil ich andererseits kein Spielverderber sein will bin, habe ich immerhin eine kleine willkürliche Liste einiger All-Time-Evergreens angefertigt, generöserweise mit Link zur passenden Rezension:


David Foster Wallace: A supposedly fun thing I'll never do again. 

Neil Gaiman: Anansi Boys.  

Haruki Murakami: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt. 

Willy Russell: The Wrong Boy. 

Arto Paasilinna: Der wunderbare Massenselbstmord.