Donnerstag, 20. Mai 2010

Tag 2: Welches Buch ich als Nächstes lesen will.



Letztens unterhielt ich mich mit einem Menschen darüber, dass man Kurzgeschichtenbände oft nur einigermaßen etablierten Autoren zugesteht. Mir fällt gerade kein zeitgenössischer Schrifsteller ein, der als Debüt eine Sammlung von Kurzgeschichten vorgelegt hat. Ich glaube, das liegt in erster Linie an den Verlagen: Kurzgeschichten verkaufen sich nämlich nicht so toll.

Warum dem so ist, darüber kann ich an dieser Stelle nur spekulieren. Ich schätze, die meisten Menschen bevorzugen einfach Romane – weil man sich in einen solchen tiefer fallen lassen, vermeintlich intensiver in die Handlung eindringen kann. Vielleicht auch das vage Gefühl, dass man von einem Roman "einfach mehr hat". Mehr Buch. Mehr Entspannung. Mehr Vergnügen. So in etwa stelle ich mir das vor.

David Foster Wallace ist (oder traurigerweise: war) bekanntermaßen auch ein Meister der kurzen Form. Ich vergötterte seinen Kreuzfahrt-Essay so sehr, dass ich mich zu einem Liebesbrief hinreißen ließ. Entsprechend hohe Erwartungen habe ich an Kleines Mädchen mit komischen Haaren.

Schalten Sie wieder ein, wenn es heißt: Noch mehr peinliche Liebessschwüre an Mr Wallace.


(Ihr merkt schon: ich versuche, mir selbst ein Schnippchen zu schlagen, indem ich unauffällig mehrere Aufgaben an einem Tag abkaspere. Betrachte man es als lachhaften Versuch, meine Abwesenheit in der nächsten Woche zu kaschieren.)

Kommentare:

Ronald hat gesagt…

Großartige Kurzgeschichten schrieb Philipp K. Dick, jedenfalls wenn man SF mag. Kann ich nur empfehlen.

Conny hat gesagt…

Judith Hermann hat mit "Sommerhaus, später" einen tollen Erzählungsband als Debüt herausgebracht, wenn ich richtig informiert bin. Also, das wäre zumindest ein (weibliches) Gegenbeispiel. Aber auch ich lese grundsätzlich lieber Romane als Erzählungen und ich schätze, mit Deiner Einschätzung, warum das bei vielen Lesern so ist, liegst Du ziemlich richtig.

elin hat gesagt…

Habe gerade "Zehn Wahrheiten" von Miranda July gelesen, das ist auch ein Erstlingswerk und wirklich großartig. Von Maile Meloy "Das Haus am Ende der Welt" und von Peter Ho Davies "Kleine Welt". Bestimmt noch mehr, aber das sind die Kurzgeschichtenbände, die mir gleich einfallen.

lizzz hat gesagt…

"Sommerhaus" ist das Debüt? Das hatte ich jetzt gar nicht aufm Schirm. Ach, es gibt noch sooo viel, was man lesen müsste. Vor allem versorgt Ihr mich ja auch beständig mit so vielen guten Tipps, da kommt Muddi gar nich hinterher *seufz*

Wir müssten wohl mal nen eigenen Artikel für Kurzgeschichten posten, hm? Da könnte man dann alle Eure Empfehlungen mal zusammentragen...

inFemme hat gesagt…

also, ich habe gerade versucht, einen Kurzgeschichtenband von Wallace zu lesen und habs nicht geschafft. Als der liebe Gott die Punkte verteilt hat, schrie dieser Mann garantiert nicht HIER.

Ronald hat gesagt…

Satzzeichen sind überbewertet!

lizzz hat gesagt…

Ach, das mit den fehlenden Punkten ist bei dem nicht grundsätzlich so. Zum Glück.

Ich finde schlau angebrachte Satzzeichen nämlich toll.

Cookie hat gesagt…

Hier noch zwei Kurzgeschichten-Tipps:

T.C. Boyle - Schluss mit cool
Ralf Rothmann - Ein Winter unter Hirschen

Ansonsten kann ich mit Kurzgeschichten auch nicht so viel anfangen...

lizzz hat gesagt…

Oh danke. Wir sollten echt mal eine Liste mit Euren Empfehlungen aufstellen. Vielleicht schreibt jeder ein oder zwei Sätze, was er an seinem Story-Tipp so gut findet?

monkeyeve hat gesagt…

Hast du es inzwischen gelesen? Mir wurde das mal auch vor langer Zeit ans literarische Herz gelegt....dann habe ich es gelesen, hin und hergeschwankt und es schließlich nach der dritten Geschichte zur Seite gelegt - das will was bei mir heißen (nichts gutes, das ist mal klar). Und, oh Wunder, gestern nahm ich es in die Hand (es war ja so angestaubt und immer noch auf derselben Seite aufgeschlagen..) und hab es fertig gelesen. Und nun mag ich ihn auf einmal, den David.