Donnerstag, 22. April 2010

Helen FitzGerald: Furchtbar lieb.



Ein Buch mit einer Axt auf dem Cover – da könnte man glatt eine gewisse Voreingenommenheit erwarten, vor allem nach dem letzten Eintrag. Aber was soll’s, ich bin bekennender Fan dieses Romans und erlaube mir dreist, die ersten Sätze zu zitieren:

"Manche Menschen finden auf einen Schlag zu sich selbst, wie bei einer Explosion. Ich selbst habe Stück für Stück zu mir selbst gefunden, mehr oder weniger durch eine Reihe von Zufällen. Das erste Stück habe ich in einem Zelt auf dem West Highland Way gefunden. Meine beste Freundin Sarah schlief. Ihr Mann lag neben ihr, und ich schluckte sein Sperma. Ich entdeckte das nächste Stück von mir am Grund einer Klippe, als ich Sarahs toten Körper dort entlangschleifte, während ihr Kopf gegen die Felsen schlug.“

Das sagt uns: zarten Gemütern gefällt Furchtbar lieb aller Wahrscheinlichkeit nach weniger. Krass, sperrig, unbarmherzig und in nicht geringen Teilen echter Splatter, so präsentiert Helen FitzGerald ihre Geschichte um die durchgeknallte Krissie, die sich seelenlos durch die Gegend vögelt und bei einer Ecstasy-Orgie auf Teneriffa ungewollt schwanger wird, und ihre beste Freundin Sarah, eine Vorzeige-Ehefrau, die sich nichts sehnlicher wünscht als ein Kind, deren Eierstöcke ihr aber hartnäckig den Dienst versagen.

Ich spreche das Offensichtliche aus, wenn ich feststelle: das gibt Stress. Krissie ist als Mutter nicht gerade ein Hauptgewinn, Sarah ruiniert ihre Ehe mit gnadenloser Zeugungswut – und der Campingurlaub, der Krissie und dem gebeutelten Ehepaar endlich die verdiente Auszeit verschaffen soll, gerät zum sprichwörtlichen Höllentrip.

Mir gefällt, wie geschickt die Erzählstränge verflochten sind. Vermeintliche Nebenschauplätze unterfüttern mit fortschreitender Handlung die psychologischen Strukturen der Protagonisten, erläutern einzelne Motivationen und führen einigermaßen elegant zum furiosen Finale hin. Man darf das Buch jetzt nicht zu arg sezieren, sonst verdirbt man sich selbst den Spaß. Eher empfehle ich, gnädig über den einen oder anderen küchenpsychologischen Ansatz hinwegzusehen und sich stattdessen der beträchtlichen Spannung hinzugeben, die diese rasante Geschichte aufzubauen vermag. Ich habe Furchtbar lieb an einem einzigen Abend gelesen, weil ich es kaum aus der Hand legen konnte. Das passiert mir eher selten. Und mehr will ich an dieser Stelle auch gar nicht verraten.

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