Donnerstag, 25. März 2010

Lyrik zum Anfassen, Teil 10.



Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber dieses Gedicht macht mich so unsagbar traurig, dass ich es nur selten lesen kann, obwohl ich es sehr mag. Komisch, damals in der Schule hat es mich kaum berührt.



Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.



Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Kommentare:

katja hat gesagt…

ganz besonders schlimm ist es, wenn man weiß warum es einen traurig macht.

Der Film "Zeit des Erwachens" mit Robert de Niro hat mich vor vielen, vielen Jahren ;) auf dieses Gedicht aufmerksam gemacht.

Christina hat gesagt…

T_T Das hätte ich ja schon fast wieder vergessen... Wie traurig.

b is for beauty hat gesagt…

Oh ja!!! Dieses Gedicht hat mich nicht mehr losgelassen, nachdem ich es vor 10 Jehren in der Schule zum ersten Mal gehört hatte. Ich kann immer noch jedes Wort davon in meinem Kopf hören. Rilke ist ein Held, soviel ist sicher!!!

Eva hat gesagt…

In der Schule hat es mich auch nicht berührt, aber so ist das ja meistens mit Schullektüre.
Ich finde das Gedicht auch sehr traurig, vor allem die Zeile "in der betäubt ein großer Wille steht".

Stefanie hat gesagt…

Hallo, gerade habe ich deinen blog entdeckt.
Willst du mal das anfassen?:


was maxt
jetzt mit der
Axt
Franz
beklaxt
dich nur oder
saxt
was oder
versaxt
dir’s oder
paxt
ein oder
haxt
drauf immer
jaxt
hinterher
fraxt dich
warum du
unterlaxt jetzt
verzaxt ganz

und wenn du’s
nochmal
waxt

3.11.2009


Gruß im Vorbeigehn,
Stefanie

rebhuhn hat gesagt…

hallo, blog entdeckt und über den panther gestolpert. mein lieblingsgedicht. in der schule erst von der lehrerin gehört [das höre ich auch heute noch, gruß an b is for beauty!], dann den anderen vorgelesen, fast nicht weiterlesen können wegen der sch*iß-tränen in den augen.

seitdem immer mal wieder bewußt gelesen, auswendig kann ich's auch seit über 15 jahren. das ist das einzige stück lyrik, das ich neben der brück' am tay wirklich mag...

lizzz hat gesagt…

@ Stefanie: Danke, das ist ja lustig :)


Irgendwie schön, dass es Euch mit dem Panther auch so geht.

zer0 hat gesagt…

ungeschlagen ist und bleibt die Interpretation dieses Gedichts durch Oliver Kahn am Ende der Dokumentation "Oliver Kahn und die Dinge des Lebens"