Dienstag, 9. Februar 2010

Bastelstunde bei der Axt, Teil 7.



Ahhh, ich liebe ja verärgerte Rezensionen. Diese hier stammt von Almut, die ihre Ungehaltenheit über Wilhelm Genazinos Roman "Die Liebesblödigkeit" freundlicherweise mit uns teilt. Ganz heißen Dank dafür!

Warum es dieser Roman wohl auf die Bestsellerlisten gebracht hat?! Vermutlich reizt vor allem die Thematik die Fantasie, vor allem die der Männer in vergleichbarem Alter, aber in anderen Lebensumständen...

Genazinos Roman handelt von einem 52-jährigen Mann, der sein Leben zwischen zwei Frauen lebt - aber nicht mit ihnen. Eine der beiden ist Sekretärin und verkörpert für ihn die Ordnung und Zuverlässigkeit, die andere ist Pianistin und steht für Kreativität und Spontanität. Er verbringt seine Tage und Nächte mal mit dieser und mal mit jener, natürlich weiß keine von der anderen, und natürlich funktioniert das nur, weil er seine eigene Wohnung von beiden freihält.

Der Beruf des Protagonisten: Apokalyptiker. Mit Seminaren verdient er seinen Lebensunterhalt, aber für sein drohendes Alter sieht er Gefahr in jeder Hinsicht - körperliche Gebrechen mehren sich (aber natürlich geht der Mann nicht zum Arzt, lediglich auf Drängen einer seiner Frauen und nur, weil er von vorn herein weiß, dass er die Anweisungen des Arztes ja doch missachten wird), der Sex wird schwierig und unbefriedigender, und die Krönung seiner apokalyptischen Vorstellungen ist, dass sich beide Frauen dereinst an seinem Krankenbett treffen könnten, womit sein ganzes Lebenskonstrukt in Gefahr geriete. Aus diesem Grunde glaubt er, sich nun entscheiden zu sollen, eine der beiden Frauen zu erwählen und gar mit ihr zusammen zu ziehen. (Außer Acht bleibt dabei, was die Frauen selbst von dieser Regelung hielten, wie auch überhaupt die Gefühle der beiden kaum je Erwähnung finden.)
Im Roman tummeln sich skurrile, fast durchweg unsympathische Zeitgenossen, die, wie der Erzähler selbst, überall Negatives wahrnehmen.

Sexszenen werden erzählt, unappetitlich, technisch, gefühllos, völlig unerotisch, einfach peinlich auf Grund dieser Gefühllosigkeit. Überhaupt ist von der immer wieder erwähnten Liebe durchaus nichts zu bemerken, da gibt es nur ein nüchternes Abwägen der Vorzüge beider Frauen, und am Ende klärt sich alles, aber eigentlich nichts.

Von Seite zu Seite ging mir dieser alternde Macho auf die Nerven, mit seinem ständigen Blick auf die zunehmenden Zipperlein, gegen die nichts unternommen wird trotz der allgegenwärtigen Angst davor, mit seiner negativen Sicht auf die Welt, mit seiner trostlosen »Liebe«, die nur an sich selbst denkt, mit dem lange vorhersagbaren Ausgang der Geschichte. Ziemlich blöd, diese Liebesblödigkeit ohne Liebe... Ein Glück, dass nicht alle Männer so sind wie dieser Antiheld, es wäre sonst nicht auszuhalten mit ihnen!

Kommentare:

Nehalenia hat gesagt…

Ich stimme der Rezensentin voll und ganz zu!

Ronald hat gesagt…

Hast Du das Buch trotzdem zu Ende gelesen?

Almut hat gesagt…

Wer, ich oder Nehalenia? Ich habe.

lizzz hat gesagt…

Ich les auch meistens Bücher zu Ende, die mich ärgern. Und dann bin ich so verärgert, dass ich so viel Lebenszeit darauf verwenden musste, dass ich pampige Rezensionen schreibe. Die mir dann wiederum viel Spaß machen. Ja, das ist irgendwie schrullig, ich weiß.