Mittwoch, 6. Januar 2010

Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher.




Walter Moers – das ist doch das kleine Arschloch! Verzeihung, ich meinte: VON DEM ist doch das Kleine Arschloch. So ungefähr habe ich reagiert (ohne das „Verzeihung,“ ich geb’s zu), als mir ein eifriger Angestellter der Bahnhofsbuchhandlung Die Stadt der träumenden Bücher ans Hirn legte. Mehr Skepsis ging nicht. Und ja, ich lande regelmäßig in Bahnhofsbuchhandlungen; ist das nicht wunderbar halbseiden?

Jedenfalls hatte ich die üblichen Vorbehalte. Megabestseller, oh mein Gott. Und: Jugendbuch, ach nee. Aber vor allem – Walter Moers, mal ehrlich. Kann der etwa Bücher schreiben? Die Zeitknappheit war es schließlich, die mich zur Kasse eilen ließ, und die Tatsache, dass Die Stadt der träumenden Bücher charmante Illustrationen enthält. Mein Einkauf wurde vom Gatten nach einem Blick auf das Cover mit hochgezogenen Brauen kommentiert.

Aber kommen wir endlich zur Sache: Die Stadt der träumenden Bücher ist ein toller, wahnsinnig unterhaltsamer und lustiger Roman, der sich innerhalb von zwei faulen Tagen bequem einatmen lässt und Langweile wie schlechtes Wetter zuverlässig vertreibt. Die junge Echse (!) Hildegunst von Mythenmetz stammt von der Lindwurmfeste, einem Ort, an dem sich jeder mit Leib und Seele der Literatur verschrieben hat und danach strebt, selbst ein weltberühmter Schriftsteller zu werden. Zu diesem Zweck wird ein Lindwurm schon im Kindesalter von seinen Eltern mit einem „Dichtpaten“ ausgestattet, der dem Schützling dabei helfen soll, seine schriftstellerischen Fähigkeiten zu entwickeln.

Hildegunstens Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler segnet leider gleich zu Beginn das Zeitliche, hinterlässt ihm aber ein spektakuläres Manuskript eines jungen Dichters, das beim Leser die tollsten Empfindungen auslöst. Den Namen des Autors kannte Danzelot allerdings nicht, und so macht sich Hildegunst auf nach Buchhaim, der legendären Stadt der Bücher, um den geheimnisvollen Künstler ausfindig zu machen.

Wer sich die Bücherstadt Buchhaim nun vorstellt wie das öde Kellermagazin der Staatsbibliothek, liegt voll daneben. Denn in Buchhaim wimmelt es von zwielichtigen Gestalten, gefährlichen Bücherjägern, tödlichen Büchern und dunklen Verschwörungen. Natürlich schafft es der naiv-trottelige Hildegunst nicht, sich von denen fern zu halten, und so geht es für ihn schon bald um Leben und Tod.

Kompliment, Herr Moers. Ihrem Roman mangelt es nun wirklich nicht an hervorragenden Ideen und schrulligen Charakteren, und erst recht nicht an Spannung. Außerdem zeichnen Sie wirklich ansprechend! Ihre komischen Arschloch-und-Hitler-Sachen kann ich so überhaupt nicht leiden, aber mit Die Stadt der träumenden Bücher haben Sie mein Herz gewonnen. Und das sage ich jetzt allen weiter.



Das ist übrigens der junge Hildegunst.

Kommentare:

Almut hat gesagt…

Yeah, jetzt haben wir Dich! – Dann möchte ich Dir noch dringend »Rumo & Die Wunder im Dunkeln« ans Herz legen, das steht zumindest auf meiner Moers-Hitliste an zweiter Stelle nach der »Stadt der träumenden Bücher«. Und dann kommen die »13 1/2 Leben…«

SEHR erstaunlich, dass diese Sachen bisher an Dir vorübergegangen sind… aber vermutlich hätte ich sie auch nicht gelesen, wenn mich die 13 1/2 Leben nicht schon vor dem großen Boom ereilt hätten – angefixt von einer Freundin, deren ganze Familie das Buch nahezu auswendig kannte.

donpozuelo hat gesagt…

Habe ich leider selber noch nicht gelesen, aber eine Freundin von mir ist auch der totale Moers-Fan geworden nach diesem Buch.

Vielleicht sollte ich mir das auch mal aneignen :)

lizzz hat gesagt…

@ Almut: Rumo hab ich grad gekauft. Bin gespannt. Kann aufmunternde Lektüre ganz dringend gebrauchen mit meinem doofen Januarblues.

Almut hat gesagt…

Oh, aufmunternd… eher aufregend :-)

lizzz hat gesagt…

Alles, was irgendwie aufregend ist, kann in meinem derzeitigen Tran nur gut sein!

Wundert Euch alle nicht, wenn hier in nächster Zeit lauter mürrische Beiträge stehen ;)

pinketuerklinke hat gesagt…

"Die Stadt der träumenden Bücher" ist wirklich toll! Mit Rumo habe ich gerade angefangen, aber irgendwie konnte ich mich noch nicht so recht einfinden. Mal sehen...

Dr. Borstel hat gesagt…

Hab mit den 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär angefangen. Hat wenig bis gar nichts mit der gleichnamigen Stoffpuppe aus der Sendung mit der Maus zu tun (die aber trotzdem Kult ist), ist dafür meines Erachtens noch skurriler und fantasievoller als "Die Stadt der träumenden Bücher". Genau genommen geht es Moers ja öfters mal mit seiner Fantasie durch, trotzdem ist er für mich der Einzige, der in Sachen humorvoller Fantasie wenigstens streckenweise an Terry Pratchett herankommt.

monkeyeve hat gesagt…

Ohja, Rumo wollte ich dir gerade auch empfehlen, aber da ist mir wohl jemand zuvor gekommen. :)
Angefangen hat das bei mir mit "Wilde Reise durch die Nacht", auch ein sehr schönes Leseerlebnis: Moers nahm da Illustrationen von Gustave Doré, die düster wie sie sind, eigentlich die Endzeitgeschichte der Bibel bebildern - und schrieb eine Geschichte dazu, die ein wenig an "Peterchens Mondfahrt" erinnert. Sehr schön.

Gleich darauf folgten "13 1/2 Leben..", "Ensel und Krete" und alle anderen Zamonienromane.

Ich hoffe wirklich, das Walter noch lange lebt und nicht vorzeitig wie Douglas Adams den Trip in die Galaxie antritt.

Hach, ich freu mich jedesmal so, wenn jemand Moers für sich entdeckt. :)

lizzz hat gesagt…

Hab jetzt die Hälfte Rumo durch und bin ganz verzaubert. Perfekte Winterlektüre, wenn es draußen ekelhaft kalt und die Welt schrecklich böse zu einem ist.

Clicky Overload hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Clicky Overload hat gesagt…

Für mich eines der phantasievollsten, spannendsten, lustigsten, melancholischsten, abenteuerlichsten, besten Bücher überhaupt.

Mieze hat gesagt…

Moers liebe ich.
Er nimmt mich an die Hand und lässt die Jetzt-Zeit zu und macht, dass man meine Gedanken flöten gehen. Herrlich.
Muss es so nicht sein?
Vergessen und sich fallen lassen.
Deswegen liebe ich Geschichten und Bücher. Immer und immer wieder.

lizzz hat gesagt…

Uneingeschränkte Zustimmung.