Freitag, 22. Januar 2010

Von kleinen Triumphen und Filmen zu Büchern.

Vor einiger Zeit war ich in der Astronautenbar zu Gast und servierte dort eine Polemik zum Thema "Das Buch zum Film". Das ist der Aufkleber, den ich am meisten hasse auf der Welt. Denn er klebt auf wehrlosen Büchern und tut so, als ob ein gestandenes Buch nicht mehr sei als ein Anhängsel des Cinemas.

Und jetzt kommt's: gestern in einer Buchhandlung unterwegs, erblickte ich etwas. Einen Aufkleber, der darauf hinwies, dass das betreffende Werk nun verfilmt worden sei. Und es stand darauf:

JETZT IM KINO!

Ha! Es geht doch! Der ist um Lichtjahre besser und gerechter als der andere! Ich möchte mir jetzt gerne einreden, dass ich mit meinem flammenden Wettern über Das-Buch-zum-Film einen Verlag dazu angeregt habe, das Aufkleberproblem zu überdenken. Doch, das möchte ich mir jetzt einreden. Schließlich ist Wochenende.



Ach ja, dies ist der Artikel, auf den ich hier Bezug nehme:


Als ich neulich in der Buchhandlung meines Vertrauens herumlungerte und an nichts Böses dachte, zumindest an nichts allzu Böses, fiel er mir urplötzlich ins Auge, auf einem meiner All-Time-Top-Ten-Bücher klebend: Der Aufkleber, den ich am meisten hasse von allen Aufklebern dieser Welt.

DAS BUCH ZUM FILM.

Nein, nein, nein, zur Hölle! Man nenne mich meinetwegen übermäßig empfindsam, aber diese beiläufige Dekonstruktion des schriftstellerischen Schaffens lässt mich nicht kalt. Wir erinnern uns: Das Buch war zuerst da. Das Buch hat die eigentliche Arbeit gemacht. Das Buch ist wie der Nerd, der für die cool kids die Hausaufgaben macht und zum Dank auch noch sein Pausenbrot drauflegen muss. Gefeiert wird stattdessen die blonde Klassensprecherin mit den dicken Hupen und dem abgeschriebenen Gedankengut. Das reicht jetzt mit der Analogie. Man weiß, worauf ich hinaus will.

Jedenfalls ist besagter Aufkleber dann der ultimative Arschtritt. Denn er suggeriert dies: Inspiriert von einem epischen Regiekunstwerk hat sich ein sonst bestenfalls durchschnittlicher Autor hingesetzt und extra ein Buch dazu geschrieben! Endlich, das Buch zum Film! Natürlich wird es die Qualität des Films nie erreichen, aber dennoch…

Der Aufkleber ist darüber hinaus ein Symbol für den zeitgeistigen Wunsch nach schneller Konsumierbarkeit. Wozu mühsam einen Wälzer mit 1.000 Seiten lesen, wenn man den Stoff in 90-120 Minuten bewältigen kann, und das auch noch passiv, ganz ohne die eigene Vorstellungskraft zu strapazieren.

Jaja, schon gut, in manchen (Einzel-)Fällen ist’s besser so: die endlosen Naturbeschreibungen und ewigen Wanderungen der „Herr der Ringe“-Protagonisten haben mir in ihrer Penetranz auch nicht unbedingt Freudenschaum vor den Mund treten lassen.

Aber. Es ist eine scheußliche, entwürdigende Sache, wenn Dein Lieblingsbuch aller Zeiten zu einem bestenfalls mittelmäßigen Film verwurstet wird. Und Du gehst, von selbstzerstörerischer Neugier getrieben, ins Kino und hast auf einmal das Gefühl: die haben einen Teil Deiner Gedankenwelt gekidnappt, durch den Wolf gedreht, entstellt und der Öffentlichkeit zum Fraß vorgeworfen. Ach woher, ich bin doch nicht hysterisch.

Danach gehst Du verstört in die nächste Buchhandlung, auf der Suche nach Trost, nach einem neuen lebensverändernden Block Papier. Und da wartet er schon auf Dich, um Dich auszulachen in Deiner Demütigung. Der AUFKLEBER.

Die Welt ist grausam.

Verlässt die Bühne voller Schmerz,
Eure Axt.

Kommentare:

Heng hat gesagt…

Ja, genau das Problem kenne ich.
Sehr guter Eintrag, interessant geschrieben und vor allem nachvollziehbar. :)

lizzz hat gesagt…

Dankeschön!

elin hat gesagt…

wie heißt denn das besagte buch? filme sind meist nicht so gut wie das buch und wenn ich einen film gesehen habe, ist es leider auch meist so, dass ich die lust verliere, das buch zu lesen, weil ich mich dann nicht mehr richtig auf das buch einlassen kann.

lizzz hat gesagt…

Das mit dem "Jetzt im Kino"-Aufkleber?

Schande über mein Haupt, das weiß ich jetzt glatt nicht mehr.