Donnerstag, 7. Januar 2010

Nicolas Fargues: Die Rolle meines Lebens.






Die Rolle meines Lebens hat mir Zeit geklaut. Das ist ärgerlich. Und weil ich mir nicht noch mehr wertvolle Minuten klauen lassen will, spare ich mir jetzt dieselben und zitiere den Klappentext, anstatt selbst zusammen zu fassen:

„Antoine ist Schauspieler und auf der Suche nach der Rolle seines Lebens. Seinen ersten Filmerfolg hat er bereits hinter sich, doch der fordert seinen Preis im Privatleben. Seine spanische Freundin Elvira verlässt ihn. An Erfolge gleichermaßen gewöhnt wie an Rückschläge, hadert Antoine mit seiner Herkunft. Die Mutter ist Französin, der Vater stammt aus der Karibik. Antoine bleibt Außenseiter, böse blickt er auf die feine Pariser Gesellschaft. Er provoziert Frauen und Freunde und kämpft gegen die moralischen Vorstellungen seines Vaters, gibt das Enfant terrible - bis er bei einem Vorsprechtermin einer berühmten Schauspielerin begegnet und mit ihr eine Liebesgeschichte beginnt. In einem engagierten Roman über Starkult und den Traum vom großen und kleinen Glück beschreibt Fargues das Lebensgefühl seiner Generation, treffend und schonungslos.“

So steht es da und stimmt nicht. Lebensgefühl meiner Generation? Treffend und schonungslos? Nein, lieber Monsieur Fargues, das kommt nicht hin. Die Hauptfigur Antoine ist ein intelligenter Narzisst schwersten Kalibers, aber das macht ihn noch lange nicht faszinierend. Ich habe den Verdacht, dass die Figur extrem überhöht angelegt sein soll, eine Karikatur auf die Egozentrik des Medienbetriebes – aber die Satire gelingt nicht. Profilneurotiker wie Antoine gibt es im wahren Leben zuhauf, so außergewöhnlich ist der Typ mitnichten; deshalb scheint mir das Buch eher Charakterstudie als bitterböser Kommentar zu sein. Wenn ich mir die Geschäftsführer großer Werbeagenturen so betrachte...bittere Realität.

Antoine hält leider Gottes seitenlange Monologe, die in gewisser Hinsicht die Stärke des Buches verkörpern – die endlose Selbstreflektion, das permanente Kreisen um die eigene Person. Das ist gut und richtig beobachtet von Nicolas Fargues, aber nicht unterhaltsam umgesetzt. Da Antoine nun einmal Schauspieler ist, dreht sich ein großer Teil seiner Überlegungen um das Thema Film: kann für Cineasten interessant sein. Alle anderen fangen nach kürzester Zeit an, Seiten zu überblättern, weil sie sich in Antoines Denkprozess langweilen. Ich persönlich kam mir vor, als würde mich mal wieder ein aufgeblasener Kollege an der Kaffeemaschine vollquatschen, während ich immer nur gequält nicken darf.

Nun ist nicht alles kacke, was nicht glänzt, und deshalb darf ein Aspekt nicht unerwähnt bleiben: meiner unmaßgeblichen Meinung nach setzt sich Fargues intensiv und sensibel mit dem Thema Rassismus auseinander (Antoine stammt aus einer Einwandererfamilie und ist in keiner Welt wirklich zuhause). Kompliment hierfür. Und ein weiteres Kompliment an den Rowohlt Verlag, der offensichtlich gerade kapiert, dass die Gestaltung eines Buches für die meisten Käufer schon die halbe Miete ist. Soweit ich weiß, haben die seit einer Weile einen Art Director am Start, der sich erfolgreich um schöne Cover bemüht. Finde ich super, Rowohlt.

Alles in allem ist ein Roman, in dem relativ junge Leute auch mal Sex haben oder Drogen nehmen und gleichzeitig im Medienbetrieb arbeiten, nicht automatisch bahnbrechend und schonungslos. Vom „Lebensgefühl einer Generation“ ganz zu schweigen. Ich verstehe nicht, warum manche Kritiker immer gleich mit solchen abgelutschten Etiketten um sich werfen müssen, wenn sie Stichworte wie Narzissmus, Kokain, Paris, Schauspieler lesen. Aber ich verstehe ja vieles nicht.

Kommentare:

Ulrike hat gesagt…

Sex, Drogen... klingt schon extrem...Werde aber trotzdem den Roman lesen. Danke für den Buchtipp, mal schauen...:)

lizzz hat gesagt…

Och naja, so extrem fand ich das Buch nun nicht. Sex und Drogen haben mich auch gar nicht gestört, eher die endlosen Monologe des Protagonisten.