Dienstag, 5. Januar 2010

Margaret Atwood: Die Räuberbraut.










„Der Mensch ist des Menschen Wolf“ – und das gilt besonders für Frauen. Diesen Schluss zieht Margaret Atwoods großer böser Roman Die Räuberbraut. Als „zentrale Höllengestalt“ wird die Figur Zenia im Klappentext beschrieben, und so wenig ich für Klappentexte übrig habe, so treffend ist diese Charakterisierung.

Zenia ist das gemeinsame Trauma der Freundinnen Roz, Charis und Tony. Jeder einzelnen der drei Frauen wird Zenia zum Verhängnis, und jedes Mal könnte ihre Attacke bösartiger und perfider nicht sein, denn sie greift zielsicher genau dort an, wo es meisten weh tut. Dabei beweist Zenia ein spektakuläres Talent für psychologische Kriegsführung, Lügnerei und das Herumpulen in den tiefsten Wunden ihrer Opfer. Und alles bei maximaler Angstfreiheit und maximaler Risikobereitschaft. DAS ist wirklich mal eine Figur, der man im wahren Leben auf gar keinen Fall begegnen, geschweige denn im Zentrum ihrer zweifelhaften Aufmerksamkeit stehen möchte (ungefähr so wenig wie im Blickfeld von Saurons Auge , um mal wieder Tolkien zu bemühen).

Zenias Opfer zu sein, überbrückt die gesellschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen Roz, Charis und Tony und schweißt sie als Mini-Selbsthilfegruppe umso fester zusammen. Atwood erzählt die Kriegsgeschichte jeder Einzelnen und immer sieht der Leser das Unglück weit vor der Protagonistin kommen. Umso quälender ist es, dass man Romanfiguren nun einmal nicht warnen kann, sondern dabei zusehen muss, wie Zenia ihnen Männer, Geld und Selbstbewusstsein entreißt (wenn die Frau wenigstens ein hässlicher Besen wäre, aber nein, diese Genugtuung gönnt die Autorin uns natürlich nicht, denn Zenia ist eine stilisierte, überhöhte Kunstfigur, die all das verkörpert, was manch eine sich in ihren düstersten Träumen wünscht. Ihr fehlt eine Eigenschaft, die insbesondere Frauen davon abhält, sich zu nehmen was sie möchten: Skrupel.)

Zenia wütet wie eine Seuche durch die Lebensläufe ihrer Opfer, hinterlässt verbrannte Erde und verstreute Eingeweide und denkt gar nicht daran, sich mit Schuldgefühlen zu belasten, die ja gemeinhin eher weiblich assoziiert sind. Das gnadenlos Böse macht Spaß – und nimmt thrillerhafte Züge an, als die drei Freundinnen beschließen, Zenia endlich den Garaus zu machen.

Die Stellung der Frau in der Gesellschaft und das Verhältnis von Frauen untereinander gehören zu Margaret Atwoods favorisierten Themenbereichen. Dabei zeugen ihre Beobachtungen von größter Aufmerksamkeit und Genauigkeit. Ein wunderbares Beispiel ist das leider allzu wahre Dilemma, das diese Leseprobe beschreibt (gefunden via ):

Es ist kompliziert, ein weiblicher Boss zu sein. Frauen sehen einen nicht an und denken Boss. Sie sehen einen an und denken Frau, wie in: Nur eine Frau, genau wie ich, und was bildet sie sich eigentlich ein? Ihre kleinen Sextricks funktionieren nicht bei dir, deine eigenen kleinen Tricks funktionieren nicht bei ihnen; große blaue Augen sind kein Vorteil. Wenn du ihre Geburtstage vergisst, bist du der letzte Dreck, wenn du sie kritisierst, heulen sie, und sie tun es nicht einmal auf der Toilette, wie sie es bei einem Mann machen würden, sondern vor deinen Augen, wo du sie sehen kannst, sie erzählen dir ihre unglückseligen Geschichten und erwarten Verständnis, aber versuch nur ein einziges Mal, eine Tasse Kaffee von ihnen zu bekommen. Leck deine Briefmarken gefälligst selbst, Lady. Sie bringen dir den Kaffee, das schon, aber er ist kalt, und dazu hassen sie dich auf immer und ewig. 




Nun ja. Praktischerweise hat die Axt nur männliche Mitarbeiter. {sarkasmus off}


Kommentare:

lizzz hat gesagt…

Komisch, immer wenn es um "solche" Bücher geht, kommentiert keine Sau. Zu seriös? Zu anstrengend? Würde gerne wissen, woran das liegt...

Anonym hat gesagt…

Ich LIEBE dieses Buch! :)