Dienstag, 19. Januar 2010

Bastelstunde bei der Axt, Teil 6




Ich muss ja sagen, ich bin positiv fassungslos, dass Ihr Euch die Mühe macht, mir regelmäßig Gastartikel ins Postfach zu legen. Das ist wirklich ausgesprochen nett!

Der heutige Beitrag stammt von rialobell und beschäftigt sich mit dem Roman "Torture the Artist" von Joey Goebel. Bühne frei:

Dieses Buch liegt mir sehr am Herzen. Joey Goebel berührt mich mit seiner Romanfigur Vincent so sehr, dass ich ihn nach dem Lesen des Buches richtig vermisst habe.

Wahrhaftige Kunst ensteht aus Leid. Die herzzerreißendsten Liebeslieder, die tiefgreifendsten Romane, berührendsten Gedichte … sie befassen sich mit der Verletzlichkeit des Menschen, mit der Fassungslosgkeit, mit der er seinen eigenen Gefühlen gegenüber steht, dem Schmerz, der nur zu oft damit verbunden ist. Das weiß auch Medientycoon Foster Lipowitz, der auf seine letzten Tage noch einmal wirklich Großes produzieren möchte. Er gründet eine Schule für künstlerisch hochbegabte Kinder, mit deren Schaffenskraft er sich ein für alle mal von der seichten Unterhaltung abwenden möchte, die er sein Leben lang kreiert hat, was ihm nun Gewissensbisse verschafft.
Vincent Spinetti ist einer von ihnen. Der zierliche Junge ist vernachlässigt unter prekären Bedingungen aufgewachsen und dennoch ein herausragendes Talent. Der junge Schriftsteller soll nun angemessen gefördert werden, die Künstlerschule besuchen und die Welt mit seinen Werken bereichern.
Wahrhaftige Kunst entsteht aus Leid. Da Lipowitz sich dieser Tatsache bewusst ist, stellt er seinen Schülern einen “dunklen Schutzengel” zur Seite. Menschen wie Harlan sind von nun an damit beschäftigt, den Kindern Manager und “Beschützer” zu sein. Ihre wichtigste Aufgabe jedoch besteht darin, das Leben der Kinder unbemerkt zu sabotieren. Denn ein glücklicher Mensch erschafft keine tiefgreifende Kunst.  So zerstört Harlan nicht nur zwischenmenschliche Bindungen, die Vincent besonders viel bedeuten, er manipuliert sämtliche Bereiche des Lebens seines Schützlings, bis dieser – völlig am Boden – seine besten Werke verfasst.
Harlan erträgt seine eigene Rolle zunehmends weniger, je näher sich die beiden Protagonisten kommen.  Und auch Vincent bricht langsam unter seiner Last zusammen.
Dieser Roman hat mich zu Tränen gerührt. Er warf in mir die Frage auf, ob Kunst und Glück sich überhaupt miteinander vereinen lassen. Ist Leid der Stoff, aus dem große Werke sind? Und wer profitiert vom Schmerz eines Künstlers? Wenn Kunst zu Kommerz wird, welche Rolle spielt dann der Künstler? Der Roman hinterließ mich mit essentiellen Gedanken, aber auch mit Fassungslosigkeit gegenüber der Gefühlskälte und Raffgier, mit der viele Figuren des Romans dem sensiblen Vincent gegenüber treten. Sie wollen von dem profitieren, was sie nicht besitzen und was ihnen, verkörpert durch den zurückhaltenden Jungen, gegenübersteht: Liebe.

Kommentare:

lizzz hat gesagt…

Das Buch klingt übrigens wahnsinnig interessant. Über genau diese Thematik hab ich in letzter Zeit nachgedacht und sogar ne Kurzgeschichte darüber geschrieben.

Ich glaub, das kauf ich mir.

rialobell hat gesagt…

Kann man die Kurzgeschichte denn mal lesen? :)

lizzz hat gesagt…

Oh, da bin ich sehr schüchtern. Vielleicht veröffentliche ich sie mal hier und tu dann so, als wär sie von jemand anders ;)

Ich schreib eigentlich in erster Linie nur für ein sehr reduziertes Publikum: mich selbst. Denn wirkliche schriftstellerische Qualitäten habe ich glaub ich nicht.