Mittwoch, 27. Januar 2010

Magazine: V.

Manchmal will man lieber gucken als lesen, oder lieber kurze Artikel als lange Romane konsumieren. In diesen Fällen suche ich einen gut sortierten Kiosk auf und erwerbe einen Block Wegwerfpapier (denn genau das tue ich mit gelesenen Heften).

Die aktuelle Ausgabe des V Magazines jedoch verdient nicht die Mülltonne, sondern einen Ehrenplatz auf dem coffeetable seines Betrachters. Ohnehin ein sehr überzeugendes Fashion Magazin, widmet V die SIZE ISSUE der Vielfalt, will heißen: den unterschiedlichen Daseinsformen des weiblichen Körpers. In den letzten Monaten wurde das (Unter-)gewicht professioneller Models in diversen Medien immer wieder kontrovers diskutiert. Und die deutsche Frauenzeitschrift "Brigitte" startete Anfang des Jahres gar ihre Ohne-Models-Aktion, bestückt also ihre Fotostrecken mit Laienmodellen.

Das V Magazine setzt das Thema "Dicke Models" allerdings am besten von allen um, was den Anspruch betrifft (Brigitte ist ja nun kein Modemagazin). In der SIZE ISSUE finden großartige Frauen, tolle Fotografen und hochklassige Mode zusammen. Mich hat das Ergebnis nachhaltig begeistert. Und Euch?

Hier ein kleiner Einblick. Mehr Bilder auf der V Website.



 
 
 


Carrie Vaughn: Midnight Hour Series.




Es ist weiß Gott nichts Neues: Die Axt ist stetig auf der Suche nach unterhaltsamer, gut erzählter Fantasy-Lektüre, mit deren Hilfe sie in der Bahn stinkende, aufdringliche oder übermäßig dumme Mitreisende ausblenden kann.

Neben den Sookie Stackhouse-Geschichten, die ja mittlerweile als Fernsehserie "True Blood" einem breiten Publikum geläufig sein dürften (Trailer siehe unten), habe ich Euch auch Charlie Huston und seinen wunderbar rotzigen Helden Joe Pitt ans Herz gelegt.

Nun darf man auch bei Carrie Vaughn zumindest bezüglich der Covergestaltung kein ästhetischer Hardliner sein, aber lasst uns darüber bitte hinwegsehen. Denn die mittlerweile fünfbändige Midnight Hour-Serie um die junge Radiomoderatorin und Werwölfin Kitty Norville ist prächtige Unterhaltung mit Witz, ordentlich Action und sympathischen Figuren.

Im ersten Band ist Kitty noch nicht richtig angekommen in ihrem Leben als Pelzträgerin – sie hadert immer wieder mit ihrer Wolfsnatur. Noch dazu wurde sie durch einen hinterhältigen Überfall mit der Lykanthropie infiziert und hat dieses Trauma nicht ganz verarbeitet, zumal ihre Position im Werwolfrudel keine besonders entspannte ist: die gute Kitty rangiert ganz unten und muss jedem dauernd in den Derrière kriechen.

Ihre Stelle beim Radio ist so mit das Wichtigste in Kitty's verstörtem Leben. Aber als sich ihre Sendung "Midnight Hour" zum landesweiten Überraschungshit mausert, gefällt das dem Rudelchef Carl gar nicht, denn der ist ein gestörter Psycho und will Kitty möglichst abhängig und unterwürfig sehen. Doch die Sendung ist Kitty wichtig genug, dass sie sich zum ersten Mal in ihrem Werwolfleben gegen die Übermacht des Rudels zu wehren versucht. Das gibt, man ahnt es, bösen Ärger.

Die Geschichte der Werwölfin, die sich von den Mächten emanzipiert, die ihr Leben zu kontrollieren suchen, bleibt auch nach fünf Bänden spannend. Kitty entwickelt sich als Mensch und Wolf stetig weiter, ohne ihre leicht naive Verpeiltheit zu verlieren. Außerdem gefällt es mir sehr, dass sich die Heldin als normale junge Frau in Jeans und Chucks mit normalen Sorgen statt als knallharte Waffennärrin in Lederklamotten gibt. Eine gewisse zeitgeistige Coolness ist den Büchern zu eigen: weil Kitty beim Radio arbeitet, gibt es auf der ersten Seite immer eine Tracklist aus ihrer Sendung.

Insgesamt ist "Midnight Hour" eine runde und gelungene Sache. Random House stellt hier mehrere Leseproben zur Verfügung, sind jeweils etwa 30 Seiten.



Freitag, 22. Januar 2010

Veranstaltungstipp am Wochenende.





Wer Mode liebt, Literatur aber nicht minder, dem sei diese Einladung des Berlin Verlags ans Herz gelegt, die kürzlich in meinem Postfach lag. Ich habe übrigens ein großes Herz für die Kombination Style/Lesen. Bin selbst leider nicht in der Stadt, aber alle Interessierten können hier mehr erfahren.

Edit: Ich hoffe, jemand war dort, denn es muss eine super Veranstaltung gewesen sein. Der Bericht bei Les Mads hält auch ein Videointerview bereit. *klick*

Bastelstunde Waldorf Art.



Preisfrage: Welches Tier wurde hier gebastelt?


Die Bastelstunde wird zu meiner freudigen Überraschung ja regelmäßig besucht. Da letztens auch eine Kurzgeschichte dabei war, die bei Euch gut ankam, würde ich die Bastelstunde gerne erweitern. Und rufe  dazu auf, alle kreativen Schriftstücke einzusenden, die Ihr gerne hier sehen möchtet.

Kurzgeschichten, Gedichte, Glossen, Kommentare zur nordkoreanischen Literaturszene im Wandel der Zeit, originell formulierte Kochrezepte, und natürlich nach wie vor auch Rezensionen. Nicht nur Bücher, auch Magazine können gerne besprochen werden. Schließlich sind wir hier nicht in einer Behörde und können das Thema Lesen genau so interpretieren, wie es uns gerade passt.

Einzige Bedingung: der Beitrag sollte irgendwie unterhaltsam sein. Nein, konkreter kann ich das nicht erklären. Ich freu mich über jede Einsendung. Habt Spaß!

Von kleinen Triumphen und Filmen zu Büchern.

Vor einiger Zeit war ich in der Astronautenbar zu Gast und servierte dort eine Polemik zum Thema "Das Buch zum Film". Das ist der Aufkleber, den ich am meisten hasse auf der Welt. Denn er klebt auf wehrlosen Büchern und tut so, als ob ein gestandenes Buch nicht mehr sei als ein Anhängsel des Cinemas.

Und jetzt kommt's: gestern in einer Buchhandlung unterwegs, erblickte ich etwas. Einen Aufkleber, der darauf hinwies, dass das betreffende Werk nun verfilmt worden sei. Und es stand darauf:

JETZT IM KINO!

Ha! Es geht doch! Der ist um Lichtjahre besser und gerechter als der andere! Ich möchte mir jetzt gerne einreden, dass ich mit meinem flammenden Wettern über Das-Buch-zum-Film einen Verlag dazu angeregt habe, das Aufkleberproblem zu überdenken. Doch, das möchte ich mir jetzt einreden. Schließlich ist Wochenende.



Ach ja, dies ist der Artikel, auf den ich hier Bezug nehme:


Als ich neulich in der Buchhandlung meines Vertrauens herumlungerte und an nichts Böses dachte, zumindest an nichts allzu Böses, fiel er mir urplötzlich ins Auge, auf einem meiner All-Time-Top-Ten-Bücher klebend: Der Aufkleber, den ich am meisten hasse von allen Aufklebern dieser Welt.

DAS BUCH ZUM FILM.

Nein, nein, nein, zur Hölle! Man nenne mich meinetwegen übermäßig empfindsam, aber diese beiläufige Dekonstruktion des schriftstellerischen Schaffens lässt mich nicht kalt. Wir erinnern uns: Das Buch war zuerst da. Das Buch hat die eigentliche Arbeit gemacht. Das Buch ist wie der Nerd, der für die cool kids die Hausaufgaben macht und zum Dank auch noch sein Pausenbrot drauflegen muss. Gefeiert wird stattdessen die blonde Klassensprecherin mit den dicken Hupen und dem abgeschriebenen Gedankengut. Das reicht jetzt mit der Analogie. Man weiß, worauf ich hinaus will.

Jedenfalls ist besagter Aufkleber dann der ultimative Arschtritt. Denn er suggeriert dies: Inspiriert von einem epischen Regiekunstwerk hat sich ein sonst bestenfalls durchschnittlicher Autor hingesetzt und extra ein Buch dazu geschrieben! Endlich, das Buch zum Film! Natürlich wird es die Qualität des Films nie erreichen, aber dennoch…

Der Aufkleber ist darüber hinaus ein Symbol für den zeitgeistigen Wunsch nach schneller Konsumierbarkeit. Wozu mühsam einen Wälzer mit 1.000 Seiten lesen, wenn man den Stoff in 90-120 Minuten bewältigen kann, und das auch noch passiv, ganz ohne die eigene Vorstellungskraft zu strapazieren.

Jaja, schon gut, in manchen (Einzel-)Fällen ist’s besser so: die endlosen Naturbeschreibungen und ewigen Wanderungen der „Herr der Ringe“-Protagonisten haben mir in ihrer Penetranz auch nicht unbedingt Freudenschaum vor den Mund treten lassen.

Aber. Es ist eine scheußliche, entwürdigende Sache, wenn Dein Lieblingsbuch aller Zeiten zu einem bestenfalls mittelmäßigen Film verwurstet wird. Und Du gehst, von selbstzerstörerischer Neugier getrieben, ins Kino und hast auf einmal das Gefühl: die haben einen Teil Deiner Gedankenwelt gekidnappt, durch den Wolf gedreht, entstellt und der Öffentlichkeit zum Fraß vorgeworfen. Ach woher, ich bin doch nicht hysterisch.

Danach gehst Du verstört in die nächste Buchhandlung, auf der Suche nach Trost, nach einem neuen lebensverändernden Block Papier. Und da wartet er schon auf Dich, um Dich auszulachen in Deiner Demütigung. Der AUFKLEBER.

Die Welt ist grausam.

Verlässt die Bühne voller Schmerz,
Eure Axt.

Dienstag, 19. Januar 2010

Bastelstunde bei der Axt, Teil 6




Ich muss ja sagen, ich bin positiv fassungslos, dass Ihr Euch die Mühe macht, mir regelmäßig Gastartikel ins Postfach zu legen. Das ist wirklich ausgesprochen nett!

Der heutige Beitrag stammt von rialobell und beschäftigt sich mit dem Roman "Torture the Artist" von Joey Goebel. Bühne frei:

Dieses Buch liegt mir sehr am Herzen. Joey Goebel berührt mich mit seiner Romanfigur Vincent so sehr, dass ich ihn nach dem Lesen des Buches richtig vermisst habe.

Wahrhaftige Kunst ensteht aus Leid. Die herzzerreißendsten Liebeslieder, die tiefgreifendsten Romane, berührendsten Gedichte … sie befassen sich mit der Verletzlichkeit des Menschen, mit der Fassungslosgkeit, mit der er seinen eigenen Gefühlen gegenüber steht, dem Schmerz, der nur zu oft damit verbunden ist. Das weiß auch Medientycoon Foster Lipowitz, der auf seine letzten Tage noch einmal wirklich Großes produzieren möchte. Er gründet eine Schule für künstlerisch hochbegabte Kinder, mit deren Schaffenskraft er sich ein für alle mal von der seichten Unterhaltung abwenden möchte, die er sein Leben lang kreiert hat, was ihm nun Gewissensbisse verschafft.
Vincent Spinetti ist einer von ihnen. Der zierliche Junge ist vernachlässigt unter prekären Bedingungen aufgewachsen und dennoch ein herausragendes Talent. Der junge Schriftsteller soll nun angemessen gefördert werden, die Künstlerschule besuchen und die Welt mit seinen Werken bereichern.
Wahrhaftige Kunst entsteht aus Leid. Da Lipowitz sich dieser Tatsache bewusst ist, stellt er seinen Schülern einen “dunklen Schutzengel” zur Seite. Menschen wie Harlan sind von nun an damit beschäftigt, den Kindern Manager und “Beschützer” zu sein. Ihre wichtigste Aufgabe jedoch besteht darin, das Leben der Kinder unbemerkt zu sabotieren. Denn ein glücklicher Mensch erschafft keine tiefgreifende Kunst.  So zerstört Harlan nicht nur zwischenmenschliche Bindungen, die Vincent besonders viel bedeuten, er manipuliert sämtliche Bereiche des Lebens seines Schützlings, bis dieser – völlig am Boden – seine besten Werke verfasst.
Harlan erträgt seine eigene Rolle zunehmends weniger, je näher sich die beiden Protagonisten kommen.  Und auch Vincent bricht langsam unter seiner Last zusammen.
Dieser Roman hat mich zu Tränen gerührt. Er warf in mir die Frage auf, ob Kunst und Glück sich überhaupt miteinander vereinen lassen. Ist Leid der Stoff, aus dem große Werke sind? Und wer profitiert vom Schmerz eines Künstlers? Wenn Kunst zu Kommerz wird, welche Rolle spielt dann der Künstler? Der Roman hinterließ mich mit essentiellen Gedanken, aber auch mit Fassungslosigkeit gegenüber der Gefühlskälte und Raffgier, mit der viele Figuren des Romans dem sensiblen Vincent gegenüber treten. Sie wollen von dem profitieren, was sie nicht besitzen und was ihnen, verkörpert durch den zurückhaltenden Jungen, gegenübersteht: Liebe.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Nicolas Fargues: Die Rolle meines Lebens.






Die Rolle meines Lebens hat mir Zeit geklaut. Das ist ärgerlich. Und weil ich mir nicht noch mehr wertvolle Minuten klauen lassen will, spare ich mir jetzt dieselben und zitiere den Klappentext, anstatt selbst zusammen zu fassen:

„Antoine ist Schauspieler und auf der Suche nach der Rolle seines Lebens. Seinen ersten Filmerfolg hat er bereits hinter sich, doch der fordert seinen Preis im Privatleben. Seine spanische Freundin Elvira verlässt ihn. An Erfolge gleichermaßen gewöhnt wie an Rückschläge, hadert Antoine mit seiner Herkunft. Die Mutter ist Französin, der Vater stammt aus der Karibik. Antoine bleibt Außenseiter, böse blickt er auf die feine Pariser Gesellschaft. Er provoziert Frauen und Freunde und kämpft gegen die moralischen Vorstellungen seines Vaters, gibt das Enfant terrible - bis er bei einem Vorsprechtermin einer berühmten Schauspielerin begegnet und mit ihr eine Liebesgeschichte beginnt. In einem engagierten Roman über Starkult und den Traum vom großen und kleinen Glück beschreibt Fargues das Lebensgefühl seiner Generation, treffend und schonungslos.“

So steht es da und stimmt nicht. Lebensgefühl meiner Generation? Treffend und schonungslos? Nein, lieber Monsieur Fargues, das kommt nicht hin. Die Hauptfigur Antoine ist ein intelligenter Narzisst schwersten Kalibers, aber das macht ihn noch lange nicht faszinierend. Ich habe den Verdacht, dass die Figur extrem überhöht angelegt sein soll, eine Karikatur auf die Egozentrik des Medienbetriebes – aber die Satire gelingt nicht. Profilneurotiker wie Antoine gibt es im wahren Leben zuhauf, so außergewöhnlich ist der Typ mitnichten; deshalb scheint mir das Buch eher Charakterstudie als bitterböser Kommentar zu sein. Wenn ich mir die Geschäftsführer großer Werbeagenturen so betrachte...bittere Realität.

Antoine hält leider Gottes seitenlange Monologe, die in gewisser Hinsicht die Stärke des Buches verkörpern – die endlose Selbstreflektion, das permanente Kreisen um die eigene Person. Das ist gut und richtig beobachtet von Nicolas Fargues, aber nicht unterhaltsam umgesetzt. Da Antoine nun einmal Schauspieler ist, dreht sich ein großer Teil seiner Überlegungen um das Thema Film: kann für Cineasten interessant sein. Alle anderen fangen nach kürzester Zeit an, Seiten zu überblättern, weil sie sich in Antoines Denkprozess langweilen. Ich persönlich kam mir vor, als würde mich mal wieder ein aufgeblasener Kollege an der Kaffeemaschine vollquatschen, während ich immer nur gequält nicken darf.

Nun ist nicht alles kacke, was nicht glänzt, und deshalb darf ein Aspekt nicht unerwähnt bleiben: meiner unmaßgeblichen Meinung nach setzt sich Fargues intensiv und sensibel mit dem Thema Rassismus auseinander (Antoine stammt aus einer Einwandererfamilie und ist in keiner Welt wirklich zuhause). Kompliment hierfür. Und ein weiteres Kompliment an den Rowohlt Verlag, der offensichtlich gerade kapiert, dass die Gestaltung eines Buches für die meisten Käufer schon die halbe Miete ist. Soweit ich weiß, haben die seit einer Weile einen Art Director am Start, der sich erfolgreich um schöne Cover bemüht. Finde ich super, Rowohlt.

Alles in allem ist ein Roman, in dem relativ junge Leute auch mal Sex haben oder Drogen nehmen und gleichzeitig im Medienbetrieb arbeiten, nicht automatisch bahnbrechend und schonungslos. Vom „Lebensgefühl einer Generation“ ganz zu schweigen. Ich verstehe nicht, warum manche Kritiker immer gleich mit solchen abgelutschten Etiketten um sich werfen müssen, wenn sie Stichworte wie Narzissmus, Kokain, Paris, Schauspieler lesen. Aber ich verstehe ja vieles nicht.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher.




Walter Moers – das ist doch das kleine Arschloch! Verzeihung, ich meinte: VON DEM ist doch das Kleine Arschloch. So ungefähr habe ich reagiert (ohne das „Verzeihung,“ ich geb’s zu), als mir ein eifriger Angestellter der Bahnhofsbuchhandlung Die Stadt der träumenden Bücher ans Hirn legte. Mehr Skepsis ging nicht. Und ja, ich lande regelmäßig in Bahnhofsbuchhandlungen; ist das nicht wunderbar halbseiden?

Jedenfalls hatte ich die üblichen Vorbehalte. Megabestseller, oh mein Gott. Und: Jugendbuch, ach nee. Aber vor allem – Walter Moers, mal ehrlich. Kann der etwa Bücher schreiben? Die Zeitknappheit war es schließlich, die mich zur Kasse eilen ließ, und die Tatsache, dass Die Stadt der träumenden Bücher charmante Illustrationen enthält. Mein Einkauf wurde vom Gatten nach einem Blick auf das Cover mit hochgezogenen Brauen kommentiert.

Aber kommen wir endlich zur Sache: Die Stadt der träumenden Bücher ist ein toller, wahnsinnig unterhaltsamer und lustiger Roman, der sich innerhalb von zwei faulen Tagen bequem einatmen lässt und Langweile wie schlechtes Wetter zuverlässig vertreibt. Die junge Echse (!) Hildegunst von Mythenmetz stammt von der Lindwurmfeste, einem Ort, an dem sich jeder mit Leib und Seele der Literatur verschrieben hat und danach strebt, selbst ein weltberühmter Schriftsteller zu werden. Zu diesem Zweck wird ein Lindwurm schon im Kindesalter von seinen Eltern mit einem „Dichtpaten“ ausgestattet, der dem Schützling dabei helfen soll, seine schriftstellerischen Fähigkeiten zu entwickeln.

Hildegunstens Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler segnet leider gleich zu Beginn das Zeitliche, hinterlässt ihm aber ein spektakuläres Manuskript eines jungen Dichters, das beim Leser die tollsten Empfindungen auslöst. Den Namen des Autors kannte Danzelot allerdings nicht, und so macht sich Hildegunst auf nach Buchhaim, der legendären Stadt der Bücher, um den geheimnisvollen Künstler ausfindig zu machen.

Wer sich die Bücherstadt Buchhaim nun vorstellt wie das öde Kellermagazin der Staatsbibliothek, liegt voll daneben. Denn in Buchhaim wimmelt es von zwielichtigen Gestalten, gefährlichen Bücherjägern, tödlichen Büchern und dunklen Verschwörungen. Natürlich schafft es der naiv-trottelige Hildegunst nicht, sich von denen fern zu halten, und so geht es für ihn schon bald um Leben und Tod.

Kompliment, Herr Moers. Ihrem Roman mangelt es nun wirklich nicht an hervorragenden Ideen und schrulligen Charakteren, und erst recht nicht an Spannung. Außerdem zeichnen Sie wirklich ansprechend! Ihre komischen Arschloch-und-Hitler-Sachen kann ich so überhaupt nicht leiden, aber mit Die Stadt der träumenden Bücher haben Sie mein Herz gewonnen. Und das sage ich jetzt allen weiter.



Das ist übrigens der junge Hildegunst.

Dienstag, 5. Januar 2010

Margaret Atwood: Die Räuberbraut.










„Der Mensch ist des Menschen Wolf“ – und das gilt besonders für Frauen. Diesen Schluss zieht Margaret Atwoods großer böser Roman Die Räuberbraut. Als „zentrale Höllengestalt“ wird die Figur Zenia im Klappentext beschrieben, und so wenig ich für Klappentexte übrig habe, so treffend ist diese Charakterisierung.

Zenia ist das gemeinsame Trauma der Freundinnen Roz, Charis und Tony. Jeder einzelnen der drei Frauen wird Zenia zum Verhängnis, und jedes Mal könnte ihre Attacke bösartiger und perfider nicht sein, denn sie greift zielsicher genau dort an, wo es meisten weh tut. Dabei beweist Zenia ein spektakuläres Talent für psychologische Kriegsführung, Lügnerei und das Herumpulen in den tiefsten Wunden ihrer Opfer. Und alles bei maximaler Angstfreiheit und maximaler Risikobereitschaft. DAS ist wirklich mal eine Figur, der man im wahren Leben auf gar keinen Fall begegnen, geschweige denn im Zentrum ihrer zweifelhaften Aufmerksamkeit stehen möchte (ungefähr so wenig wie im Blickfeld von Saurons Auge , um mal wieder Tolkien zu bemühen).

Zenias Opfer zu sein, überbrückt die gesellschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen Roz, Charis und Tony und schweißt sie als Mini-Selbsthilfegruppe umso fester zusammen. Atwood erzählt die Kriegsgeschichte jeder Einzelnen und immer sieht der Leser das Unglück weit vor der Protagonistin kommen. Umso quälender ist es, dass man Romanfiguren nun einmal nicht warnen kann, sondern dabei zusehen muss, wie Zenia ihnen Männer, Geld und Selbstbewusstsein entreißt (wenn die Frau wenigstens ein hässlicher Besen wäre, aber nein, diese Genugtuung gönnt die Autorin uns natürlich nicht, denn Zenia ist eine stilisierte, überhöhte Kunstfigur, die all das verkörpert, was manch eine sich in ihren düstersten Träumen wünscht. Ihr fehlt eine Eigenschaft, die insbesondere Frauen davon abhält, sich zu nehmen was sie möchten: Skrupel.)

Zenia wütet wie eine Seuche durch die Lebensläufe ihrer Opfer, hinterlässt verbrannte Erde und verstreute Eingeweide und denkt gar nicht daran, sich mit Schuldgefühlen zu belasten, die ja gemeinhin eher weiblich assoziiert sind. Das gnadenlos Böse macht Spaß – und nimmt thrillerhafte Züge an, als die drei Freundinnen beschließen, Zenia endlich den Garaus zu machen.

Die Stellung der Frau in der Gesellschaft und das Verhältnis von Frauen untereinander gehören zu Margaret Atwoods favorisierten Themenbereichen. Dabei zeugen ihre Beobachtungen von größter Aufmerksamkeit und Genauigkeit. Ein wunderbares Beispiel ist das leider allzu wahre Dilemma, das diese Leseprobe beschreibt (gefunden via ):

Es ist kompliziert, ein weiblicher Boss zu sein. Frauen sehen einen nicht an und denken Boss. Sie sehen einen an und denken Frau, wie in: Nur eine Frau, genau wie ich, und was bildet sie sich eigentlich ein? Ihre kleinen Sextricks funktionieren nicht bei dir, deine eigenen kleinen Tricks funktionieren nicht bei ihnen; große blaue Augen sind kein Vorteil. Wenn du ihre Geburtstage vergisst, bist du der letzte Dreck, wenn du sie kritisierst, heulen sie, und sie tun es nicht einmal auf der Toilette, wie sie es bei einem Mann machen würden, sondern vor deinen Augen, wo du sie sehen kannst, sie erzählen dir ihre unglückseligen Geschichten und erwarten Verständnis, aber versuch nur ein einziges Mal, eine Tasse Kaffee von ihnen zu bekommen. Leck deine Briefmarken gefälligst selbst, Lady. Sie bringen dir den Kaffee, das schon, aber er ist kalt, und dazu hassen sie dich auf immer und ewig. 




Nun ja. Praktischerweise hat die Axt nur männliche Mitarbeiter. {sarkasmus off}


Montag, 4. Januar 2010

Ich danke Gott und meiner Mutter

...und wem man sonst noch so dankt, wenn man für irgendwas nominiert wird.

Doch vor allem danke ich dem oder den Mensch/en, die mich via Mädchenmannschaft für den schönen und zumindest virtuell verjüngenden Titel "Bloggermädchen des Jahres" vorgeschlagen haben.

Und das auch noch, obwohl ich im Dezember UND November nur jeweils 5 Beiträge geschafft habe (die Mailadresse meiner Chefin gibt's auf Anfrage, die ist nämlich Schuld daran).

Jedenfalls, wenn Ihr die Axt gut findet und wollt, dass auch andere Leute die gut finden, dann könnt ihr bei der Mädchenmannschaft in der linken Sidebar Euer Kreuzchen machen. Ich rechne mir da absolut keine Chancen aus, vor allem wenn ich die Konkurrenz betrachte, aber mehr als eine Stimme hätte ich aus Eitelkeit sehr gerne...