Donnerstag, 10. Dezember 2009

Banana Yoshimoto: Tsugumi









Heute komme ich mal sofort zum Punkt: Dies ist die Geschichte vom letzten gemeinsamen Sommer zweier japanischer Mädchen auf der Halbinsel Izu. Die Ich-Erzählerin Maria ist ein höfliches, empathisches, fleißiges Wesen, ihre Freundin Tsugumi das teuflische Gegenteil. Zusammen aufgewachsen in einem kleinen Gasthof, der nach dem Sommer dem Bau einer Hotelanlage zum Opfer fallen wird, verbringen die beiden einen allerletzten Sommer am Ort ihrer Kindheit.

Das ist keine Handlung, die einen auf den ersten Blick vom Hocker reißt. Tatsächlich klingen die bloßen Fakten langweilig. Ist das Buch aber mitnichten. Yoshimoto versteht es nämlich sehr gut, ihre Figuren mit hochinteressanten Eigenschaften auszustatten. Tsugumi zum Beispiel ist todkrank und hat aus nicht näher geklärten Gründen keine allzu hohe Lebenserwartung. Diesem gebrechlichen Körper steht ein unbändiger, wütender und lebenshungriger Geist gegenüber – eine Diskrepanz, die viel Raum für Überraschungen lässt.

Im Kern ist Tsugumi ein Buch über den Abschied von der Kindheit. Darüber, dass man erwachsen wird, obwohl man sich noch gar nicht bereit dafür fühlt und über die Seelenschmerzen, die diesen Prozess begleiten. Es ist ein Buch vom Erinnern und der Melancholie, vom Loslassen und vom Wiederfinden.

Ich bin mir sicher, dass es unter uns nicht wenige gibt, die noch sehr genau wissen, wie das eigentlich war mit der elenden Pubertät und den ständigen Kämpfen mit sich selbst und der Welt. Ich weiß es jedenfalls noch: nie wusste man, wohin man denn nun gehören soll und sicher war man sich, dass man keinesfalls älter als 30 werden kann. Eher sterben als Spießertum! Eltern wissen gar nichts! Und niemand im Universum hat jemals solchen Weltschmerz empfunden oder wird ihn je empfinden! Hach ja. Für’s Protokoll: ich bin 31. Mein 16-jähriges Ich fände mich hoffentlich nicht völlig scheiße. Ist aber vermutlich bloß ein frommer Wunsch.


Kommentare:

Ronald hat gesagt…

16- jährige Ichs finden ales Scheiße, was nicht ebenfalls 16 nicht. Mach Dir keine Hoffnungen.

lizzz hat gesagt…

Es funktioniert ja auch nicht, sich als coole Tante aus der Großstadt zu positionieren. Damit macht man sich im Zweifel nur lächerlich. Selbst erlebt.

Anonym hat gesagt…

...irgendwie macht mir das jetzt angst...