Freitag, 6. November 2009

Lyrik zum Anfassen, Teil 8






Nicht unbedingt leichte Kost zum Wochenende: Die Todesfuge von Paul Celan.

Bin gestern beim Zeitverplempern Aufräumen in meinem Archiv drüber gestolpert und finde, abseits des Deutschunterrichts lohnt eine Auseinandersetzung mit dem Werk Celans unbedingt. Eine "multimediale Annäherung" versucht das Celan Projekt  auf der gleichnamigen Website – ich kann nur empfehlen, bei Interesse mal vorbeizuschauen. Wow, ich bin heute wahnsinnig seriös. Was soll's...die Literaturwissenschaftlerin in mir ist halt nicht totzukriegen.



Die Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Kommentare:

Ronald hat gesagt…

Ich habs ja nicht so mit Lyrik, aber das ist eines meiner Lieblingsgedichte. Auch die von Dir verlinkte Seite ist mit Ihren Interpretationsansätzen sehr spannend. Eine, wie Wikipedia es nennt, "musikalische verarbeitung" des Gedichts lieferten 1994 die von mir sehr geschätzten Slime mit diesem Lied:

http://www.lastfm.de/music/Slime/_/Der+Tod+ist+ein+Meister+aus+Deutschland

schön laut anhören!

lizzz hat gesagt…

Ja, das ist ein super Album. Mein Bruder und ich haben das früher (puh) hoch und runter gehört :)