Montag, 12. Oktober 2009

Sergej Lukianenko: Wächter der Nacht




Wenn ich ehrlich sein will (was ich natürlich will), dann ist die russische Kultur bisher ziemlich spurlos an mir vorbei gegangen, was nicht an den Russen, sondern an meiner selektiven Wahrnehmung liegt.

Auf den Rat des Buchhändlers meines Vertrauens habe ich mir deshalb kürzlich Sergej Lukianenkos Kultroman Wächter der Nacht zu Gemüte geführt. Dieser ist der erste Teil einer Tetralogie (doch, so heißt das) und wurde 2005 mit durchschlagendem Erfolg verfilmt. Was ebenfalls an mir vorbei gegangen ist.

Deshalb wende ich mich erst einmal dem Plot der literarischen Vorlage zu: Wir befinden uns in Moskau. Seit undenklichen Zeiten leben unter den Menschen die „Anderen,“ übernatürlich begabte Männer und Frauen, welche seit dem historischen Großen Waffenstillstand die freie Wahl zwischen dem Licht und dem Dunkel haben. Natürlich überwachen sich die verfeindeten Allianzen gegenseitig, denn das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkel muss gewahrt werden: jede gute Tat, die ein Angehöriger des Lichts ausführt, wird von einer bösen Tat vergolten und umgekehrt.

Unser Ich-Erzähler Anton ist Soldat der Nachtwache und soll auf seiner Streife zwei „unlizensiert“ jagende Vampire aufspüren, als ihm in der Bahn eine junge Frau auffällt, die einen schwarzen Wirbel (sowas wie eine Regenwolke über dem Kopf) von erstaunlicher Kraft und Größe mit sich herumträgt. Der Mahlstrom hat genug Potential, um bei seiner Entladung eine weltweite Katastrophe heraufzubeschwören. Zerstören kann Anton das Ding nicht, also meldet er den Vorfall seinem undurchsichtigen Boss Boris Ignatjewitsch, Chef der Nachtwache.

Daraufhin beginnt der viel zitierte Wettlauf mit der Zeit: Der bösartige Wirbel schwillt unablässig an, und die Nachtwache muss den Urheber des Fluchs ausfindig machen, um ihn vernichten zu können. Jedoch scheint die junge Frau keinen einzigen Feind zu haben und ist außerdem ein Ausbund an Tugend und Mitgefühl. Wer also könnte ein Interesse daran haben, ihr eine Katastrophe dieses Ausmaßes auf den Hals zu hetzen?

Großes Katz-und-Maus-Spiel, viel Action. Würde man erwarten bei so einer Story. Aber, und das fand ich ziemlich überraschend, es wird auch ausgiebig philosophiert. Die berühmte russische Schwermut drückt auch Anton auf die Bretter, weshalb er regelmäßig über den Zustand der Welt im Allgemeinen und Russlands im Besonderen sinniert. Außerdem erhält der Leser erhellende Einsichten und allerlei gute Ratschläge in punkto Alkoholkonsum und Katerbewältigung – auch das offenbar ein Stück russisches Kulturgut.

So weiß ich jetzt zum Beispiel, dass man sich nicht mit Kognak betrinken sollte, und mit Wein auch nicht:

„Betrinken kann man sich, Anton. Wenn’s sein muss. Aber dann mit Wodka. Kognak, Wein – das ist was fürs Herz“, sagte Semjon.
– „Und wofür ist Wodka?“
„Für die Seele. Wenn sie richtig schmerzt.“


Das lass ich mal so stehen.



Kommentare:

donpozuelo hat gesagt…

die tetralogie habe ich ehrlich gesagt nicht gelesen. den ersten film habe ich aber gesehen. der war an und für sich nicht schlecht - aber es war halt nur der erste teil einer reihe. da wird im buch sicherlich mehr passiert sein als bei 120 min film.

es hat mich zwar damals schon gereizt, mir die bücher mal zu holen. aber irgendwie bin ich dann doch faul gewesen und habe mir gesagt: naja, schaust du halt nur die filme :)

lizzz hat gesagt…

Ich kann Dir zumindest den ersten Teil gerne leihen, wenn nötig, den hab ich ja grad fertig.

Den Film schau ich mir am Wochenende auch mal an, habe ich beschlossen. Da interessiert es mich, was aus dem Buch gemacht wurde, zumal Lewianenko auch das Drehbuch geschrieben hat.

donpozuelo hat gesagt…

Danke, aber ich habe noch so viel im Schrank, was noch gelesen werden muss.

Und man kann jetzt schon die Mehrzahl gebrauchen. "Wächter des Tages" gibt es auch schon als Film. Da musst du dich entscheiden, erst weiterlesen oder gleich beim Film bleiben :)

lizzz hat gesagt…

Ich schätze mal, ich bleibe gleich beim Film. Aus Zeitgründen. Es ist nämlich irgendwie sehr anstrengend, ständig zu lesen, um Stoff für Artikel zu haben. Da hast Du es schlauer gemacht: 2 Stunden Filmgucken, dann kannste mit schreiben anfangen *neid*

donpozuelo hat gesagt…

:P
Ich hatte auch erst überlegt, ob ich über Bücher schreibe, denn das hält sich bei mir mit Filmen und Büchern relativ gut die Waage. Aber dann habe ich genauso gedacht wie du gerade: Filme lassen sich schneller rezensieren als Bücher

Aber trotzdem bitte keinen Neid aufkommen lassen, was du hier machst, ist genauso beneidenswert