Mittwoch, 21. Oktober 2009

Diarrhea autobiographica




Der Bestsellerautor bei einer Lesung an der Schniedelheimer Bratzenuniversität.



Eigentlich habe ich diesen Eintrag einst sehr viel freundlicher und toleranter begonnen. Doch dann merkte ich, dass ich richtig miese Laune habe. Also:

Wieso glaubt eigentlich jeder narzisstische, profilneurotische, verbalinkontinente „Promi“ (hier bitte verächtlich auf den Boden spucken), dass er unbescholtene Leser mit seiner Autobiographie belästigen darf? Ach, stimmt ja: weil sich damit eine Menge Kohle verdienen lässt.

Also noch mal: Was ist eigentlich los mit diesen stumpfhirnigen Trotteln, die Stefan Effenbergs oder Daniel Küblböcks Bücher kaufen? Oder Bushidos selbst gelesenen (!) Hördurchfall? Es ist schon in der Theorie widerlich, Naddels erste sexuelle Erfahrungen en detail zu konsumieren. Ich will auch nicht wissen, ob Dieter Bohlen als Kind die Unterwäsche seiner Großmutter als Kopfschmuck getragen hat oder dass David Beckham den Tod seines Hamsters nie wirklich überwand.

Und ja, Verlage und Autoren gehen sich grundsätzlich gegenseitig an die Wäsche – beide Parteien machen ein gutes Geschäft, der Verlag vergießt Freudentropfentränen im Angesicht der Verkaufszahlen und der „Promi“ darf sich per schriftstellernder Psychowichserei noch mal bestätigen, dass er es ja doch zu was gebracht hat im Leben. 


Bevor er dann im Dschungelcamp sein Gnadenbrot erhält.




Kommentare:

donpozuelo hat gesagt…

Ja, ja, schlimm diese ganzen "Biographien" angeblicher sozial wichtiger Menschen.

Schön fand ich ein Beispiel aus England: Dort hatte Boxenluder und Silikon-Wunder Katie Price bereits ihre vierte (ich wiederhole: vierte) Biographie im Druck, als sich die Buchhändler zu einem Boykott des Buches entschieden.

So etwas sollten wir hier bei uns auch mal einführen.

lizzz hat gesagt…

Ich träume schon lange von einem Boykott der Buchhändler. Die sollten Schrottbücher viel öfter boykottieren.

Ach, schöne Utopie *seufz*

Dr. Borstel hat gesagt…

Am Schlimmsten sind doch immer diese Wühltische bei Herti, Kaufhof oder vergleichbaren Läden. Da liegen Effenberg, Bohlen und co. zuhauf rum, alle drei Bücher die detaillierte Lebensbeichte irgendeines Promis, den ich nicht mal in der Öffentlichkeit leiden kann, ganz zu Schweigen von seinem Privatleben.

Ich fänd's ja wunderbar, wenn irgndjemand mal auf die Idee käme, ein Gesetz einzuführen, das besagt: Biographien dürfen erst ab dem 80. Lebensjahr geschrieben werden. Wenn wir Glück haben, wären diese Möchtegern-Berühmtheiten bis dahin alle dermaßen senil, dass sie ihr gesamtes Leben schon wieder vergessen hätten ...

lizzz hat gesagt…

Genau, erst ab 80. Das fände ich auch gut. Vielleicht ist dann der ein oder andere auch schon tot und verschont uns dadurch mit seinem Quatsch.

elbenno hat gesagt…

Dieter Bohlen hat als Kind die Unterwäsche seiner Großmutter als Kopfschmuck getragen? Naja, manchen reicht das als Unterhaltungswert. ;-)

inFemme hat gesagt…

und demnächst bekommt jeder, ich zitiere "narzisstische, profilneurotische, verbalinkontinente" Promi zusammen mit seiner Biografie gleich Platz am Promi-Dinner-Tisch. oh mann!

lizzz hat gesagt…

Ja, genau. Das wollte ich eigentlich auch schreiben. Habe mich dann aber für das Dschungelcamp entschieden. Weils entwürdigender ist. Obwohl...

bangbangbarracuda hat gesagt…

Ich hab Tränen gelacht.. klasse geschrieben...

lizzz hat gesagt…

Oh, vielen Dank!

Dann wirst Du vermutlich auch Deine Freude an "Schlechten Appetit" gehabt haben :)