Dienstag, 29. September 2009

Literatur im Netz

Kurze Zwischenmeldung:

Auf Spiegel Online findet sich heute ein Artikel über Literaturwebsites: Klick !

Wobei da eher so die bekannten Gesichter genannt werden, und nicht unbedingt kleine Projekte wie dieses hier oder auch LeseLustFrust . Den angesprochenen Websites ist gemein, dass sie über eine große Datenbank und entsprechend viele Rezensionen verfügen, wer also nach weiterführenden Tipps sucht, ist dort sicher gut bedient.

Samstag, 26. September 2009

Haruki Murakami: Wilde Schafsjagd





Auf meiner persönlichen Mitleidliste gibt es seit kurzem einen neuen Posten: Diejenigen armen Tropfe, oder Tröpfe, die Klappentexte für Romane verfassen. Vermutlich erkennt man diese gebeutelten Individuen auf der Straße an ihrem unheilbar zerrauftem Haar sowie einem flackernden, verwirrt hin und her eilenden Blick, abgerundet von alten Kaffeeflecken am Revers. Denn wie ich seit einiger Zeit am eigenen Kopf erfahren darf, ist es eine nicht geringe Herausforderung, die mehr oder weniger komplexe Handlung, die Atmosphäre und den Charakter eines geliebten Buches auf wenige verführerische Zeilen zu verdichten. Eine Übung, die mir in schöner Regelmäßigkeit misslingt.

Entsprechend zähneknirschend sehe ich der Aufgabe entgegen, Haruki Murakamis Roman Wilde Schafsjagd gebührend zu würdigen. Murakami und ich, das ist wohl das, was man eine späte Liebe nennt – womöglich stehe ich zeitgeistmäßig ab und zu auf dem Schlauch, aber hey, auch die Axt liest nicht mehrgleisig. So, jetzt aber husch husch, zum Thema:

Unser Protagonist, der 29-jährige gelangweilte Inhaber einer Tokioter Werbeagentur, erhält einen merkwürdigen Brief von einem lang verschollenen Freund mit der Bitte, das beigelegte Foto (das lediglich eine belanglose Landschaft mit Schafsherde zeigt) irgendwie zu veröffentlichen. Als das Bild schließlich in einer Zeitschrift erscheint, tritt ein unheimlicher Mann auf die Bildfläche, der die Fotografie wiederum auf gar keinen Fall veröffentlicht sehen möchte. Mehr noch, er verlangt von unserem Ich-Erzähler, ein geheimnisvolles Schaf ausfindig zu machen, weil von dem Tier die Zukunft der Menschheit abzuhängen scheint. Dieser dubiose Besucher ist die rechte Hand eines japanischen Machthabers und verfügt natürlich über sämtliche Mittel, dem perplexen Werber Feuer unterm Arsch zu machen. Zusammen mit seiner Freundin, einem Teilzeit-Callgirl mit wahrhaft besonderen Ohren, macht der Held sich auf die aussichtslose Suche nach dem mysteriösen Schaf.

Haruki Murakami versteht es wie kaum ein anderer, wunderbar verwunschene Geschichten und eigenwillige Charaktere zu entwickeln. Dabei ist das Universum des Autors in meinen Augen ein solches, das man weniger hinterfragen als sich vielmehr einfach darauf einlassen sollte. Dann fördert man beim Lesen immer wieder einen gedanklichen Diamanten zutage: einen Satz, der nachhallt; einen Gedankengang, der für eine kleine Weile mit der Welt versöhnt.

Ein geschätzter ZEIT-Rezensent drückt es so aus: „Murakami zu lesen wirkt selbst tröstlich auf Leute, die noch gar nicht traurig sind, vielleicht ist das Murakamis Geheimnis.“

Besser hätte ich es auch nicht sagen können ;-)

Mittwoch, 23. September 2009

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Viele Medienschaffende, das ist kein Geheimnis, wollen im Grunde selbst Künstler sein. Was dem Art Director sein Fotografentraum, ist des Journalisten Autorenwunsch. Und auch der Lokomotivführer ist im Herzen ein Bildhauer. Soweit.

Deshalb wundert sich keiner, dass alle Welt im Zweitberuf fotografiert und schriftstellert und mit Muddi Privatpornos dreht. Irgendwo muss die Kreativität ja schließlich hin, die der Berufsalltag so oft ausbremst.

Nun haben aber einige deutlich bessere Ausgangspositionen als andere: Wie sonst darf ich Dich, SPIEGEL ONLINE, verstehen, der Du mir in Deiner Literatur-Ecke ganz ungeniert Romane anpreist, die Deine eigenen Redakteure verfasst haben?

Fühle nur ich mich davon verarscht? Ist das nicht blödes Holzhammer-Marketing? Wird jemals ein von Deinen Redakteuren verfasstes Buch eine negative Kritik, die wiederum von Deinen Redakteuren verfasst wird, erhalten? (Das Bild vom sich selbst auffressenden Fuchs in "Antichrist" drängt sich mir auf)

Ach Mensch. Kann ja sein, dass ich zickig bin, weil ich mir unabhängige Literaturtipps wünsche. Aber was Du da treibst, Spiegel Online, ist doch auch bloß Vetternwirtschaft. Und jetzt erzähl mir bitte nicht, die genannten Bücher seien offizielle hauseigene Spiegel Online Produkte und dürften damit moralisch rechtens dort beworben werden. Das ist nämlich Quatsch.

Lebt im idealistisch-naiven Marshmellow-Land:
Deine Axt






Am nächsten Morgen in gelassenerer Stimmung: Ich stelle fest, dass ich in diesem Eintrag Spiegel Online Redakteure als Möchtegern-Kreative verunglimpft habe, die ohne das Trottelmarketing des Konzerns und dessen Beziehungen zu einschlägigen Verlagen keine Kohle mit ihrer Schriftstellerei einstreichen würden. Mit mir selbst hart ins Gericht gehend, eruiere ich, dass ich keinerlei Bedürfnis habe, diese Aussagen zu revidieren.

Arto Paasilinna: Der Sommer der lachenden Kühe.





Bevor er denn nun endgültig den Löffel abgibt, der dahinsiechende Sommer, möchte ich ihm noch dringend ein besonders sonniges Buch ans Herz legen – vielleicht ist er ja dann nächstes Jahr besser gelaunt. (Ich glaube, es ist altersbedingt, den jeweils aktuellen Sommer scheiße zu finden. Und in heiß-trockenen Kindheitserinnerungen zu schwelgen, mit Auf-der-Straße-spielen und staubigen Füßen und Wassereis.)

Und augenscheinlich gelingt es ausgerechnet den sonnenarmen Finnen, besonders leichtfüßig durchs Leben zu springen und selbst Themen wie Suizid und Demenz mit guter Laune zu verbrämen. Ich spreche natürlich vom wunderbaren Arto Paasilinna, der mit Der Sommer der lachenden Kühe einen ganz respektablen Erfolg gelandet hat, völlig zu Recht. Denn Paasilinnas tollen skurrilen Charakteren kann man sich nicht entziehen, und will es auch gar nicht, zumal Romanfiguren oft manchmal interessanter sind als richtige Menschen.

Seppo Sorjonen, Taxifahrer in Helsinki, überfährt um ein Haar einen verwirrten alten Typen, der außer seinem Namen nichts mehr weiß: Taavetti Rytkønen. Weil der gutherzige Seppo den armen Greis nicht einfach seinem Schicksal überlassen kann, rekrutiert er ihn eben als Fahrgast. Dumm nur, dass Taavetti gar kein Ziel hat: "Immer gradeaus!" ist die Ansage.

Also brausen der Taxifahrer und sein Kunde quer durch Südfinnland, den blitzartig auftauchenden Eingebungen Rytkønens folgend, der sich mosaikhaft an kuriose Details seines Leben erinnert. Unterwegs wird ein Bauernhof systematisch dem Erdboden gleichgemacht und eine feministische vegetarische Wandergruppe vor dem Verhungern gerettet. Die Alzheimerkrankheit des selbstvergessenen Fahrgastes gibt nun mal die Richtung vor, und Seppo muss sich fügen.

Jemand beschwerte sich online darüber, dass das Buch irgendwie naiv geschrieben sei und ihm an Tiefe mangele und außerdem Leser mit hoher textlicher Erwartung enttäusche. Antwort: Da ist offenbar jemand ein phantasieloses Emotions-Kastenbrot ohne Ahnung nicht ganz so überzeugt von Paasilinnas federleichtem Schreibstil. Unverständlich auch, dass eine hohe Komplexität in der Syntax von manchen Leuten mit hohem Niveau verwechselt wird: wenn ich diesen Satz jetzt einfach nicht enden lasse, obwohl ich mein Pulver schon verschossen habe und eigentlich in die Küche gehen müsste, um mir einen Kaffee zu kochen – fairer Handel ist übrigens eine feine Sache – weil mich gerade mein übliches 14-Uhr-Tief ereilt und ich dringend gegensteuern sollte, also wenn dieser Satz länger als fünf Zeilen ist, sollte ich dann nicht auf der Stelle den Literaturnobelpreis kriegen?

Jetzt habe ich mich wieder in langatmiger Kratzbürstigkeit verloren. Und noch gar nicht gesagt, was ich längst sagen wollte: Der Sommer der lachenden Kühe ist ein wunderbares Buch. Sollte man die ersten Anflüge einer Herbstdepression herannahen spüren, dann kauft man sich am besten dieses sehr erschwingliche Sommermethadon (oder gewinnt es, indem man dieses Gedicht öffentlich interpretiert).

Dienstag, 22. September 2009

Trautes Heim



Sind alle gut angekommen? Hoffentlich ging uns keiner verloren zwischen Feeds und Bookmarks.

Bastelstunde bei der Axt, Teil 3




Wenn das mal kein unschlagbarer Service seitens meiner prima Leser ist: Die liebe Susan war so gut, mir aus meiner T.C. Boyle-Pleite herauszuhelfen. Endlich kann ich das Buch reinen Gewissens aus der "Warteliste" in der Sidebar entfernen. Bitteschön:

Dreier Handlungsstränge bedient sich T.C. Boyle, um den Leser auf eine haarsträubende Tour de force mitzunehmen, die einen bis zur letzten Seite in Atem hält. Zeitlich angesiedelt gegen Ende des 18. Jahrhunderts, begleiten wir drei Protagonisten auf ihrer Suche nach dem Glück:

Mungo Park, den jungen schottischen Entdecker, der eine Afrika-Expedition anführt mit dem Ziel, den Niger zu finden. Boyle malt Afrika als Kontinent, dessen Gefährlichkeit in seiner Fremdheit begründet liegt – eine Gefahr, der sich Mungo Park nie wirklich bewusst ist und die er nur durch die beherzte Hilfe des Ex-Sklaven Johnson überlebt (was er jedoch niemals begreifen wird). So stolpert Mungo mit tragischer Ungeschicklichkeit durch den unverständlichen Kontinent, immer nah an der Grenze zum tödlichen Zwischenfall.

Dann ist da Ned Rise, ein Londoner Kleinkrimineller, der sich mit Witz und Bauerschläue durch die Gossen der Großstadt laviert. Die Straßen Londons stehen in Wassermusik der Gefährlichkeit Afrikas in nichts nach, und so muss der arme Ned durch allerlei Unbill, bevor sich schließlich sein Schicksal mit dem des Entdeckungsreisenden verflicht. Eine besondere Würdigung verdient hier die Sprache Boyles, der den Gossenslang großartig und mit Liebe zum Detail eingefangen hat.

Ailie, die Verlobte des Entdeckungsreisenden, wartet unterdessen in den schottischen Highlands auf dessen Rückkehr, hartnäckig bedrängt vom Liebeswerben eines weiteren seltsamen Verehrers. Eindringlich schildert der Autor die Seelenqualen der jungen Frau.

Nach unzähligen tollkühnen Wendungen des Schicksals vereinen sich die drei Handlungsstränge zu einem furiosen Finale, und natürlich ist Afrika der Schauplatz, an dem diverse Protagonisten schließlich aufeinander treffen – an dieser Stelle darf mehr nicht verraten werden.

Nur soviel sei noch gesagt: Wassermusik ist ein schillerndes, buntes, lebendiges und unglaublich mitreißendes Buch, das Witz und Tragik auf unnachahmliche Weise vereint. Und eine böse Satire auf die westliche Überheblichkeit gegenüber den "Primitiven" ist es obendrein.


Also, fast krieg ich Lust, es noch einmal mit Wassermusik zu versuchen. 




Montag, 21. September 2009

Lyrik zum Anfassen, Teil 6




Wer mir das hier schlüssig interpretiert, ohne zu googeln, der kriegt ein Buch zur Belohnung. Ein gutes Buch, natürlich. Aus dem hauseigenen Zwinger.



Zwischenbilanz für bedauernswerte Bäume

Akazien sind ohne Zeitbezug.
Akazien sind soziologisch unerheblich.
Akazien sind keine Akazien.


(Günter Eich)




Die Axt zu Gast...

...hatte kürzlich das famose HATE-Magazin.




Was dem geneigten Besucher dieses Blogs bereits einigermaßen vertraut sein dürfte – nämlich meine Vorliebe für hochwertige Vampirliteratur und gleichzeitige Abneigung gegen gräßliche Buchcover – habe ich für HATE in komprimierter Form zusammengetragen. 

Wer möchte, kann sich den Artikel hier direkt im pdf-Heft anschauen (Seite 34), das Magazin an einem der Auslageorte mitnehmen oder jetzt einfach weiterlesen.


Dracula goes Neuzeit: Ein unvollständiger und höchst subjektiver Anriss.

Es hilft alles nichts: Der Vampir ist in der Popkultur angekommen, endgültig. Derzeit erlebt das untote Weißbrot seine größte Renaissance seit dem 17. Jahrhundert und hat auch gleich ein respektables Facelift mitgenommen. Brokatbestückte Rüschenfummel und spitze Schnallenschuhe sind so last season – der Vampir des neuen Jahrtausends setzt in Wort und Bild auf Understatement oder wenigstens einen ordentlichen Dreitagebart (man erinnere sich dagegen an Gary Oldmans Dracula-Auftritt mit fantastisch albernem Altfrauendutt!).

Heute müssen Vampirfilme und -bücher eher cool als unheimlich sein. Lässigkeit ist unverzichtbar. Rob Pattinson als sexy Teenage Vampire treibt (in der Verfilmung der ultra-gehypten „Twilight“-Romane) mit seiner Out-of-bed-Frisur und seinem spöttischen Blick Teenies auf der ganzen Welt zu hormonellen Ausrastern. Jedes Mädchen will jetzt violette Augenringe, Blässe ist schick, der Vampir ist die Stilikone du jour. Überhaupt lebt mittlerweile auch der Vampirroman längst in der Moderne und entwickelt mehr oder weniger zielgruppenorientierte Auswüchse abseits des klassischen Dracula-Stoffes. Wobei zuweilen – das wird keinen überraschen – die Qualität eher heterogen ist, diplomatisch gesprochen.

Die Amerikanerin J.R. Ward versorgt valiumsüchtige, unbefriedigte Vollzeit-Hausfrauen mit einer Garnison ledergewandeter, unnahbarer, kerniger, zwei Meter großer Vampirkrieger (wer ein Gesicht dazu braucht: Wesley Snipes in Blade). Diese sind selbstverständlich enorm gut ausgestattet und begatten eine rettenswerte und einsame Menschenfrau so gekonnt, bis der schier die Synapsen durchbrennen. Danach verliebt sich der stahlharte Krieger widerwillig in seine zerbrechliche Geliebte. Zwischendurch werden diverse Feinde um die Ecke gebracht. Und das passiert mehr oder weniger in jedem einzelnen der rund zehn Bände der Romanreihe, gnadenlos wie Bill Murrays Radiowecker in Täglich grüßt das Murmeltier. Schlüssiger Plot? Gutes Storytelling? Sauberer Schreibstil? Scheinen die Fans nicht zu vermissen, und Fans hat J.R. Ward erstaunlich viele. Eine pikante Fußnote des blutigen Kopulierens: Die ebenfalls amerikanische Autorin Lara Adrian, die das Material hemmungslos abschreibt und damit fast ebenso erfolgreich ist. Methadon bis zum nächsten Original-Ward quasi. Dabei muss man doch gar keinen Schrott kaufen! Denn kreative Umsetzungen des ausufernden Stoffes finden sich zu viele, um ihnen mit einer Handvoll Zeichen gerecht zu werden.

Zu Recht in den Beststellerlisten tummelt sich zum Beispiel Charlie Hustons bisher dreiteilige Reihe um den untoten Privatdetektiv Joe Pitt. In schöner Sin-City-Manier wütet der abgebrühte, kettenrauchende Pitt durch ein wunderbar überzeichnetes New York, datet blutjunge Kellnerinnen, wird von schurkigen Schurken verkloppt und führt lakonische Dialoge. Das Ganze ist hart und schnell erzählt, großstädtisch eben und mit selbstironischem Augenzwinkern. Der Vampirkram fügt sich natürlich und unaufdringlich in die Geschichte ein, die damit einhergehende Brutalität gehört schlichtweg in diesen Entwurf der verfeindeten Clans und dreckigen Hinterhöfe. Ein Jungsbuch, könnte man meinen, aber das scheint mir zu kurz gesprungen. Charlie Huston ist einfach ein großartiger Unterhalter. Hey, Mr David Fincher, mach doch mal nen Film draus – wie man den rotzigen Look hinkriegt, weißt Du ja.

Wenn ich hier schon über Jungs- und Mädchenbücher lamentiere, dann ist Charlaine Harris vermutlich eher eine Mädchenautorin. Ihre Hauptfigur Sookie Stackhouse, Gedanken lesende blonde Kellnerin aus Lousiana lebt in einer Welt, in der Vampire an die Öffentlichkeit gegangen sind und mitten unter braven Bürgern ihr Unleben fristen. Möglich ist das, weil die Japaner (klar, wer auch sonst) synthetisches Blut entwickelt haben – gebissen wird offiziell nur noch zum beiderseitigen Vergnügen. Und als die reizende und patente Sookie mit dem Vampir Bill eine Affäre beginnt, wird sie so geschwind wie unfreiwillig in das übernatürliche Business hineingezogen, was ihr nicht unbedingt zum Vorteil gereicht: Dort gibt’s nämlich ordentlich aufs Maul. Dass dieser Stoff mit all seinen charmanten Südstaaten-Protagonisten ein gewaltiges innovatives Potential hat, ist auch dem Fernsehsender HBO nicht verborgen geblieben: Die erste Staffel von „True Blood“ läuft in den USA außerordentlich erfolgreich. Bedanken darf man sich dafür übrigens beim kongenialen Serienbastler Alan Ball („Six feet under“).

Gar keine Frage, die Liste fähiger Autoren ist beachtlich – doch die einschlägigen Verlage tun ihr Bestes, um den Vampirinteressierten vom Buchkauf abzuhalten. Das Stichwort heißt Covergestaltung: Mit dem Großteil der zeitgenössischen Vampirliteratur möchte man nicht tot über dem Gartenzaun hängen, so geschmacklos und klischeehaft präsentieren sich die Werke. Ein Rätsel, denn inhaltlich ist man doch zum Teil ganz weit vorne. Aber da kann eine Charlaine Harris so gut erzählen wie sie will: Wenn ihre Buchcover mit komischem Glitzerlack und infantilen Illustrationen ausgestattet sind, dann vergrault das alle potentiellen Leser, die über einen Hauch ästhetisches Gefühl verfügen. Und das ist nur eins von vielen scheußlichen Beispielen, denn auch auf den armen Charlie Huston wurden offenbar blutrünstige, blinde, wahnsinnige Verlagsgrafiker angesetzt. Schade.

In dieser Hinsicht muss sich der Literaturbetrieb eine daumendicke Scheibe von der Filmindustrie abschneiden. Die vermarktet das Thema Vampir nämlich zumeist augenfreundlich. Letzten Endes bleibt einem ja nichts anders übrig (es sei denn, man entwirft sich selbst einen optisch anspruchsvollen Buchumschlag), als abfällige Blicke in der Bahn aufrecht zu ertragen. Aber was wissen die denn schon, diese Sterblichen? Eben.