Donnerstag, 20. August 2009

T.C. Boyle und ich




Dies ist kein Text über T.C. Boyles Roman Wassermusik.

In einer idealen Welt hätte es einer werden sollen, aber Herr Boyle und ich liegen seit Wochen im Clinch miteinander, und es sieht nicht so aus, als würden wir uns in absehbarer Zeit in der Mitte treffen. Ich will jetzt nicht sagen, dies sei ein literarischer Nahost-Konflikt (wenn ich das sagte, dann würde ich gleich so viel betroffene Empörung auf mich ziehen), aber das Buch und ich stehen uns feindlich gegenüber.

Das Schlimmste ist: ich weiß nicht mal warum. T.C. Boyle ist ein wunderbarer Stilist und seine Formulierungen haben mich gleich angemacht. Daran liegt es also nicht. Auch das Thema interessiert – schottischer Entdeckungsreisender des 18. Jahrhunderts auf Niger-Expedition erlebt Afrika als feindlichen Kontinent, dessen Regeln er nicht begreift. Parallel verfolgen wir den Aufstieg (und Fall) eine Londoner Kleinganoven. Am Ende verflechten sich die Handlungsstränge. Skurril, eindringlich erzählt, sehr bildgewaltig. So weit, so gut.

Ich WEISS, dass Wassermusik ein großartiges Buch ist. Und trotzdem habe ich vier Versuche gebraucht, um bis zur Hälfte zu gelangen. Wo ich seitdem feststecke. Auf irgendeine mysteriöse Weise kriegt mich Wassermusik nicht rum, seiner augenscheinlichen Qualität zum Trotz. Sowas ist mir noch nie passiert (ein Gedanke, den der ein oder andere Mann vielleicht kennen dürfte. Blöder Witz. Haha. Das heiße Wetter produziert bescheuerte Zweideutigkeiten in diesem Artikel.)

Was stört mich denn nun? Ich glaube, ich empfinde Boyles Umgang mit seinen Protagonisten als gefühllos. Keiner von denen berührt mich – es ist ein distanziertes Erzählen, das durch die sprachliche Härte befördert wird (denn Boyle spart nicht an Rohheit). Vielleicht ist es ja so: Wassermusik ist wie Brad Pitt. Eine unmißverständlich heiße Schnitte, voll auf die Zwölf, sympathischer Typ und manierlicher Schauspieler. Gegen Brad Pitt lässt sich nichts einwenden – er interessiert sich für Kunst, ist offenbar ein toller Vater und erträgt die Jolie mit Fassung. Aber er ist einfach nicht mein Typ.


Darüber hinaus bin ich ratlos.
Völlig.
Kann irgendjemand erste Hilfe leisten?
Gibt es ein Happy End für die Axt?


Exkurs: vor etwa zwei Wochen habe ich das Buch bei meinen Eltern vergessen, die mehr als 700 Kilometer von mir entfernt wohnen. Bisher habe ich noch keinen Versuch unternommen, es zurück zu holen.

Kommentare:

Anonymous hat gesagt…

Liebe Axt,

ich habe bis jetzt jedes Buch von T.C. Boyle verschlungen, aber mit der Wassermusik gings mir wie dir. Es ist seit Jahren eines der wenigen Bücher geblieben, die halb gelesen in mein Regal zurückgewandert sind. Erschreckend, vor allem wenn Dir alle immer predigen was für ein tolles Buch das ist... vielleicht bin ich der falsche Leser dafür ;-)

Liebe Grüße
Panacea

lizzz hat gesagt…

Liebe Panacea,
das tröstet mich auf Anhieb! Und es predigen wirklich ALLE, dass es ein tolles Buch sei. Ich bin mir sicher, dass es auch ein tolles Buch ist. Aber irgendein Mysterium hält mich davon ab...