Freitag, 28. August 2009

Gefrierbrand am Nachmittag: Hera Lind's Champagner-Diät





Ich weiß nicht, welche Persönlichkeitsstruktur man sein Eigen nennen muss, um arglosen Mitmenschen solcherlei Fallen zu stellen: ein offenbar antisozial gestörter Kollege oder - geben wir's zu - eine Kollegin ließ heute das Buch Die Champagner-Diät von Hera Lind in der Büroküche liegen, wo ich es mir beim Kaffee kochen in die Hände fiel.

Und da ich (muss ein Gendefekt sein) wirklich ALLES lese, was bedruckt ist, konnte ich nicht umhin, mir den Roman auf der Stelle mit Elan zu Gemüte zu führen.

Oh. Mein. Gott.

Nach einer halben Stunde paralysierten Seitenumblätterns schleppte ich mich mit viel Weiß in den Augen zurück an meinen Schreibtisch, um mit zitternden Fingern eine Warnung vor dem dumpfesten Machwerk zu verfassen, das ich in meinem ganzen Leben jemals halb gelesen habe:

Eva ist fett und übererfüllt jedes, aber auch jedes Klischee aller Fetten dieser Welt. Natürlich leidet sie unter einem jupitergroßen Minderwertigkeitskomplex. Natürlich spannt das dünne blonde Schweden-Aupair ihr den Mann aus. Natürlich liegt das nur am Fettsein der armen Eva. Natürlich nimmt sie dann circa eine Tonne ab. Und verliebt sich per Mail in einen Schiffskoch, wobei sie sich als Modedesignerin ausgibt (und natürlich als schlank, denn wie wir alle wissen, sind schlanke Frauen das Salz der Erde und alle anderen mögen bitte im Staube kriechen). Natürlich hält der Koch ebenfalls nicht, was er verspricht. Natürlich mögen sie sich gerade deshalb und werden glücklich für immer und ewig. Fertig.

Die Champagner-Diät bezirzt mit allerlei HÖCHST überraschenden Wendungen und Kochrezepten (!) und infantilen Mails, die sich die unfassbar bescheuerten Protagonisten schreiben sowie irrsinnigen Blödsinns-Dialogen zwischen Eva und ihrem inneren Schweinehund.*



Lieber verzweifelter Diana Verlag, wenn Du denn unbedingt aus der Welt scheiden willst, dann musst Du uns andere doch nicht gleich mitreißen in die ewige Verdammnis! Du könntest Ruf und Portokasse viel lustiger und menschenfreundlicher ruinieren als mit dem Verlegen der Champagner-Diät.

seufzt resigniert,
Deine Axt



* wie ich soeben investigativ und unter großen Gefahren recherchiert habe, treibt der genannte Schweinehund auch in anderen Lind-Romanen sein Unwesen. Offenbar soll das arme Ding gnadenlos ausgequetscht werden wie ein saftiger Pickel. Lauf, Schweinehund, lauf um Dein Leben!

Kommentare:

Almut hat gesagt…

Oh Lizzz, ich liebe Verrisse dieser Art – in wenigen Sätzen umfassend aufgeklärt und gewarnt, das nenne ich effizient. Und unterhaltsam ist es auch. Heißen Dank!

elbenno hat gesagt…

Cooles Begleitbild! ;-) Die Hera Lind Bücher verkaufen sich doch ganz prima. Wäre der Untergang der Kultur nicht schon seit Jahrhunderten prognostiziert...

lizzz hat gesagt…

Hallo Ihr,
keine Ahnung, warum diese Bücher sich verkaufen. Das heißt, schon eine gewisse Ahnung, aber kein Verständnis dafür.

Und ich kann nicht genug davon kriegen, solcherart Verrisse zu texten, irgendwie erfüllt mich das mit Genugtuung (auch wenn ich weiß, dass keine Hera Lind sich jemals von diesen Worten brüskiert fühlen wird).

inFemme hat gesagt…

oh, was wäre das für ein grandioser klappentext! vielen dank dafür!!

lizzz hat gesagt…

herzlichsten herzensdank!

Paleica hat gesagt…

hahaha, danke, das musste mal gesagt werden. ich werde wohl NICHT zu diesem buch greifen (=