Dienstag, 14. Juli 2009

Charlie Huston: Stadt aus Blut.






Ja, geil. So wird’s gemacht. Wer schnelle, harte Krimis liebt und eine gewisse Brutalität dabei in Kauf nimmt, wenn nicht sogar wünscht, der wird Charlie Hustons bisher dreiteilige Reihe um den wunderbar abgeranzten New Yorker Joe Pitt lieben. Ein Old-School-Held allerbester Manier ist er, der hartschalige Joe, und deshalb darf er auch „ficken“ sagen, irrsinnig viel rauchen und in Bars rumhängen. 

Großartig überzeichnet mit einem Sinn für den schmalen Grad sind Figuren und Ambiente: Das Manhattan des Joe Pitt ist düsterer und korrupter, die Büros der Privatdetektive gammeliger, die Schurken schurkiger als in Wirklichkeit – und das macht Spaß, denn die Dialoge sind schön lakonisch, größtenteils kitschbefreit und die Handlung hat richtig Tempo.

Jawohl, Dan Brown, da kannst Du Dich jetzt aber warm anziehen mit Deinen weichgespülten Softie-Charakteren, gell? Joe Pitt würde Deinem öden Kunstgeschichtsprofessor Robert Langdon mit links die Glatze polieren. 

Was die Reihe dann aber doch vom klassischen Gangsterkrimi unterscheidet ist die Tatsache, dass sowohl Joe Pitt als auch die Typen, mit denen er sich herumschlagen muss, allesamt Vampyre sind. Befallen von einem fremdartigen Vyrus, das den Betroffenen einen heftigen Durst nach Blut beschert und außerdem eine tödliche Allergie gegen Sonnenlicht, haben sich die Vampyre New Yorks zu diversen Clans zusammen geschlossen, die Manhattan unter sich aufteilen und entsprechend miteinander konkurrieren. Pitt selbst gehört keinem Clan an, was ihn natürlich zum Spielball der Strippenzieher macht: Böser Ärger ist da unvermeidlich, das versteht sich.

Ja gut, der Heyne Verlag setzt halt gerne auf dramatische Cover und theatralische Titel. Das ignorieren wir in diesem Fall einfach, weil das Buch einfach zu gut ist, um sich mit Kleinigkeiten aufzuhalten. Wer bis jetzt noch nicht raucht, der sollte für die Dauer des Romans vielleicht damit anfangen. Gleiches gilt fürs Trinken und für Barschlägereien. Einfach aus Stilgründen. Alternativ hört man sich beim Lesen die Lordz of Brooklyn an.

Kommentare:

Anonymous hat gesagt…

wenn das buch auch nur annähernd so gut sein sollte wie die musikalische untermalung wird es sich wohl demnächst in meinem bücherschrank wieder finden. vielen dank für den tipp, liebe axt.

lizzz hat gesagt…

vielen dank zurück für deinen netten kommentar, lieber leider anonymer kommentator!