Donnerstag, 30. Juli 2009

Bastelstunde, Teil 1: Donpozuelo





Vorhang auf, und so weiter. Groupies bitte vortreten.


Donpozuelo hat das Wort:


Romandebüts können mal so und mal so sein. Das wohl bekannteste Beispiel unserer „modernen“ Zeit für einen nicht so guten Debütroman liefert der irgendwann mal heiß diskutierte Dan Brown, dessen Erstlingswerk erst veröffentlicht wurde, nachdem alle anderen Bücher ein so großer Erfolg wurden.

Um Dan Brown soll es aber nicht gehen, sondern um den englischen Schriftsteller David Mitchell und dessen herausragendem Erstling „Ghostwritten“ (dt.: „Chaos“). Und um es gleich vorweg zunehmen, beide Titel – englisch als auch deutsch – verraten nicht wirklich viel über einen der vielschichtigsten Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Mitchell schreibt sein Buch in mehreren Episoden: in jeder davon begleiten wir andere Person (oder auch ein Wesen) an einem anderen Ort dieser Welt. Es geht von Japan über China nach Russland über England und irgendwann wieder zurück nach Japan. Jede Episode steht für sich und bildet dennoch ein kleines Stück zum großen Puzzle. In jeder neuen Episode taucht ein Element aus vorherigen Kapiteln auf, die deutlich machen, dass hier alles globale doch irgendwie miteinander zusammenhängt – halt frei nach dem Motto: „Die Welt ist ein Dorf und jeder beeinflusst jeden auf eine bestimmte Art und Weise.“

Was sich hier vielleicht ein wenig wirr anhört, ist ein spannender Roman, der zahlreiche Genres – Sci-Fi, Krimi, Romanze, Drama – vermischt und es schafft, den aufmerksamen Leser vollkommen zu fesseln. (Spätestens ab dem zweiten Kapitel ergründet man die Verbundenheit der einzelnen Episoden und wird so zum Detektiv, um möglichst alle Stücke miteinander zu verbinden).

Man kann bei solch einem grandiosen Erstling nur hoffen, dass es nicht die einzige originelle Idee im Kopf von David Mitchell gewesen ist.



Meine Dankbarkeit ist übrigens unermesslich. Macht verdammt viel Spaß, Eure Beiträge zu lesen. Respekt.

Freitag, 24. Juli 2009

Bastelstunde bei der Axt





Geschätzte Leser,
kürzlich bat ich Euch, mir Eure Lieblingsbücher zu verraten und bin auf diese Weise zu toller neuer Lektüre gekommen. Wie Ihr rechts in der Leiste seht, lese ich fleißig und arbeite mich langsam durch meinen Einkaufszettel (immer wieder unterbrochen durch unverhoffte Buchgeschenke außer der Reihe oder meinen lästigen Geldverdien-Seelenverkaufs-Job).

Mir hat es sehr gefallen, wie viele von Euch über "ihre" Bücher gesprochen haben. Und da dachte ich mir so: Es wäre doch großartig, wenn hier mal ein oder zwei oder drei Gastautoren den Stift in die Hand nehmen und einen Text über ein Werk schreiben, dass sie sehr lieben oder auch sehr hassen. Frisches Blut und so.

Der Text kann lustig sein oder böse oder emotional, objektiv oder subjektiv, kurz oder lang. Ihr wisst ja, wie das hier so läuft. 

Wer will, schickt also einfach per Email seinen Artikel ein und wir laden den hoch. Da winken Ruhm und Ehre, und vielleicht ein paar schicke Groupies. Wenn das kein Argument ist!

(Ich bin mir übrigens im Klaren, dass dies hier vermutlich so läuft wie ein Referat an der Uni: Du redest und redest und eröffnest dann irgendwann die Diskussion, aber keiner will was sagen. Alle sitzen da und schweigen und schauen Dich an wie Zombies, und Du fängst langsam an zu schwitzen und wünschst Dich auf den Jupiter. Aber vielleicht macht Ihr für mich ja ne Ausnahme?)

Mittwoch, 22. Juli 2009

Haruki Murakami: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt






Nicht zum ersten Mal wünsche ich mir einen gestandenen ZEIT-Kritiker hierher. Der könnte mich dann abwinkend ins Café schicken und einen Text aus dem Handgelenk schütteln, während ich Minzfrappé trinke. Der ZEIT-Kritiker fände problemlos die richtigen Worte und Gedanken, die einem, ja, einem Meisterwerk wie diesem gerecht würden, und er hätte genug Routine, um eine einschüchternde und beruhigende Professionalität auszustrahlen.

Leider kann mir so jemanden nicht leisten, und deshalb sitze ich seit zwei Wochen (okay, mit Unterbrechungen) vor diesem Bildschirm und verzweifele an der Schönheit des Buches von Haruki Murakami. Allein der Titel ist in seiner Sperrigkeit einfach fantastisch: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt. Das musste ich einfach lesen, kein Zweifel.

Und als ich es dann gelesen hatte, da wusste ich, dass es mir auf gar keinen Fall möglich sein wird, das zu beschreiben, was ich beim Lesen gefühlt habe. Dafür fehlt mir zweifellos das Werkzeug. Trotzdem will ich versuchen, wenigstens ein kleines Stück davon weiterzugeben – denn es könnte ja durchaus sein, dass dieses Buch für jemanden da draußen ein so großes Geschenk wird wie für mich, und diese Möglichkeit darf nicht ignoriert werden.


Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt spielt in zwei parallelen Handlungssträngen, zwischen denen kapitelweise hin- und hergewechselt wird. Hard-boiled Wonderland scheint ein Tokio der (fernen?) Gegenwart zu sein: Ein Datenkrieg ist ausgebrochen. Das so genannte System versucht, diese Daten zu verschlüsseln, die so genannte Firma versucht sie zu hacken. Der namenlose Protagonist ist dafür zuständig, diese Daten in seinem eigenen Gehirn so zu „waschen“, dass sie nicht mehr gestohlen werden können – das ist sein ganz alltäglicher Job, damit verdient er sein Geld. Das Ende der Welt ist hingegen eine seltsame, zeit- und seelenlose Parallelwelt ohne Gefühle, ohne Drama, ohne Wünsche, umgeben von einer unüberwindlichen und allwissenden Mauer.

Murakami lässt die beiden Erzählstränge langsam und mit Bedacht aufeinander zu laufen, Faden für Faden wird zwischen den Welten geknüpft, bis zum gemeinsamen Finale. Ein komplexes Gewebe ist dieses Buch, ohne jemals sperrig zu sein. Eine perfekte Komposition von Form und Inhalt, herausragend klug und sensibel erzählt, lakonisch und witzig und voller wunderschöner Gedanken. Mal waren es kleine Beobachtungen, die mich berührt haben, mal waren es große Ideen – Murakami kann zweifellos beides.

Mehr gibt es nicht zu sagen.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Chiara Carrer: Das Mädchen und der Wolf





Der SPIEGEL hat eine wunderbare Sache ausgegraben, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Ich habe zwar keine Ahnung, in welcher Schublade ich Das Mädchen und der Wolf ablegen könnte, aber bemerkenswert ist das Buch, und wunderschön illustriert außerdem. Ein Kinderbuch? Ja, vielleicht, denn die ungewöhnlicheren Assoziationen offenbaren sich ohnehin erst beim zweiten Lesen und Hinsehen. Aber was soll’s, das ist mir sowieso wurst.

Und welches gestandene Mädchen hat sich nicht schon einmal gewünscht, dass das brav-doofe Rotkäppchen sich gefälligst selbst retten möge, statt auf den ollen schwitzigen Jäger zu warten? Was die Gebrüder Grimm einst an zu radikalem Gedankengut aus der Geschichte tilgten, hat Chiara Carrer wieder ausgegraben. Claudia Voigt vom SPIEGEL sieht es so:

Die italienische Kinderbuchillustratorin kennt sich aus mit den vielen Fassungen von "Rotkäppchen und der Wolf". Was die Brüder Grimm 1812 im ersten Band ihrer "Kinder- und Hausmärchen" veröffentlichten, war eine Erzählung, die sie von all den Motiven befreit hatten, die ihnen zu kannibalistisch vorkamen und zu sexuell.

Carrer mutet den Lesern mehr zu: Sie orientiert sich an früheren Versionen, die grausamer waren und emanzipierter.

Nachdem der Wolf die Großmutter verspeist hat, lässt er ein wenig von ihr übrig, um dem Mädchen diesen Rest zum Essen anzubieten. Das Mädchen lehnt ab. Es schmeckt ihr nicht. Anschließend zieht sie erst ihr Kleidchen aus, ihre Hemdchen, den Unterrock, die Strümpfe, bevor sie an das Bett des Wolfs tritt.


Klingt das gut oder klingt das gut? Nicht zu vergessen die eigenwilligen Illustrationen, die keinesfalls als nettes Beiwerk zu verstehen sind. Im Gegenteil – die düstere Bildsprache ist es, die Geschichten erzählt. Harte Kanten, harte Farben, spitze Stacheln. Ein prima Geschenk für eigenwillige große kleine Mädchen.

(Edit: Verdammt noch eins, ich sah soeben: Der Spiegel hat Charlie Huston ebenfalls besprochen. Fast zeitgleich mit mir. Bin ich jetzt Mainstream oder was? Mein Gott. Dafür verlinke ich den Artikel jetzt nicht, so.)


Das Mädchen und der Wolf in den 80ern:


Dienstag, 14. Juli 2009

Charlie Huston: Stadt aus Blut.






Ja, geil. So wird’s gemacht. Wer schnelle, harte Krimis liebt und eine gewisse Brutalität dabei in Kauf nimmt, wenn nicht sogar wünscht, der wird Charlie Hustons bisher dreiteilige Reihe um den wunderbar abgeranzten New Yorker Joe Pitt lieben. Ein Old-School-Held allerbester Manier ist er, der hartschalige Joe, und deshalb darf er auch „ficken“ sagen, irrsinnig viel rauchen und in Bars rumhängen. 

Großartig überzeichnet mit einem Sinn für den schmalen Grad sind Figuren und Ambiente: Das Manhattan des Joe Pitt ist düsterer und korrupter, die Büros der Privatdetektive gammeliger, die Schurken schurkiger als in Wirklichkeit – und das macht Spaß, denn die Dialoge sind schön lakonisch, größtenteils kitschbefreit und die Handlung hat richtig Tempo.

Jawohl, Dan Brown, da kannst Du Dich jetzt aber warm anziehen mit Deinen weichgespülten Softie-Charakteren, gell? Joe Pitt würde Deinem öden Kunstgeschichtsprofessor Robert Langdon mit links die Glatze polieren. 

Was die Reihe dann aber doch vom klassischen Gangsterkrimi unterscheidet ist die Tatsache, dass sowohl Joe Pitt als auch die Typen, mit denen er sich herumschlagen muss, allesamt Vampyre sind. Befallen von einem fremdartigen Vyrus, das den Betroffenen einen heftigen Durst nach Blut beschert und außerdem eine tödliche Allergie gegen Sonnenlicht, haben sich die Vampyre New Yorks zu diversen Clans zusammen geschlossen, die Manhattan unter sich aufteilen und entsprechend miteinander konkurrieren. Pitt selbst gehört keinem Clan an, was ihn natürlich zum Spielball der Strippenzieher macht: Böser Ärger ist da unvermeidlich, das versteht sich.

Ja gut, der Heyne Verlag setzt halt gerne auf dramatische Cover und theatralische Titel. Das ignorieren wir in diesem Fall einfach, weil das Buch einfach zu gut ist, um sich mit Kleinigkeiten aufzuhalten. Wer bis jetzt noch nicht raucht, der sollte für die Dauer des Romans vielleicht damit anfangen. Gleiches gilt fürs Trinken und für Barschlägereien. Einfach aus Stilgründen. Alternativ hört man sich beim Lesen die Lordz of Brooklyn an.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Magazine: FHM.





Liebes FHM Magazin,

ich hasse Dich.

Du kennst mich nicht, aber das macht nichts. Dafür kenne ich Dich. Und je mehr ich von Dir sehe und höre, umso weniger kann ich Dich leiden. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich weiblich bin, und für die Weiblichkeit scheinst Du keinen übermäßigen Respekt zu hegen. Ich gehöre also nicht zu Deiner Zielgruppe, das stimmt – aber ich gehöre zu denen, auf die Du Deine Zielgruppe loszulassen gedenkst. Und das gibt mir das Recht, Dich als fortdauerndes Ärgernis in mein Herz zu schließen.

Denn ich habe ein gegen Null tendierendes Interesse, dass Deine Zielgruppe sich meiner annimmt, und auch nicht meiner attraktiven Freundinnen. Deine Zielgruppe glaubt nämlich, dass „die Frauen“ sich mittels eines von Dir zu Verfügung gestellten Bums-Atlas die Beine spreizen lassen. Außerdem ist sie der Ansicht, dass es unheimlich erstrebenswert, wenn nicht sogar lebensnotwendig sei, mit 300 Frauen zu schlafen wie das Rapperkuriosum Fler (der als role model sowieso eine einigermaßen bizarre Wahl ist). Und nicht zuletzt rätst Du Deiner Zielgruppe zu diesem scheußlich unlockeren, aufgesetzt wirkenden Kleidungsstil, der alberne Anleihen bei diversen Subkulturen tätigt. Igitt.

Und so könnte ich in alle Ewigkeit weiter lamentieren. Ich würde Dir die Humorlosigkeit Deines irrsinnigen Miezenfoto-Bewertungssystems aufs Brot schmieren, Du würdest garantiert einwerfen, dass Feministinnen voll hässlich seien, ich würde Dich eines lausigen Mutterkomplexes bezichtigen und Du mich als spaßbefreite Emanze beschimpfen.

Sparen wir uns die Zeit und verbleiben stattdessen in herzlicher Feindschaft.

Immer,
Deine Axt

Donnerstag, 2. Juli 2009

Go for the fame: Open Mike in Berlin





Statt immer nur zu lesen, kann man ja auch mal was schreiben. Wer sich in dieser Hinsicht besonders gesegnet fühlt, der schicke doch sein Manuskript ein, zum 17. Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin.

Hier könnt Ihr Euch über die Teilnahmebedingungen informieren.

Macht mich stolz, Jungs und Mädels!


(Edit: Weiß einer was über das Video? Ich fühle mich deshalb schlecht und emotional verroht, konnte aber nicht widerstehen, es hochzuladen. Ich spüre, wie mein Karma unter den Meeresboden rutscht.)