Montag, 22. Juni 2009

Lyrik zum Anfassen, Teil whatever



Wo sind wir denn gerade? Teil vier? Na egal.

Da ein Montagmorgen grundsätzlich eher nüchtern veranlagt ist und für die meisten von uns nicht gerade übermäßig viel Grund zur Freude bietet, kann ein kleines bisschen Poesie nicht schaden, um den grauenhaften Pragmatismus einer neuen Woche zu lindern.

Und weil gerade offiziell und unglaubwürdigerweise der Sommer angefangen hat und Balkonbesitzer spätestens jetzt eifrig ans Werk schreiten sollten, gibt es heute etwas thematisch passendes. Zumindest für mich, denn Freunde wissen, was mit Pflanzen passiert, die man meiner Obhut überantwortet. (Ja, ich bin mir im Klaren darüber, dass es hier nicht wirklich um Blumen geht. Großer Seufzer.)

Bitteschön, hoch geschätzte und verehrte Frau Annette von Droste-Hülshoff, Sie haben das Wort:


Blumentod

Wie sind meine Finger so grün,
Blumen hab' ich zerrissen;
Sie wollten für mich blühn
Und haben sterben müssen.
Wie neigten sie um mein Angesicht
Wie fromme schüchterne Lider,
Ich war in Gedanken, ich achtet's nicht
Und bog sie zu mir nieder,
Zerriß die lieben Glieder
In sorgenlosem Mut.
Da floß ihr grünes Blut
Um meine Finger nieder;
Sie weinten nicht, sie klagten nicht,
Sie starben sonder Laut,
Nur dunkel ward ihr Angesicht,
Wie wenn der Himmel graut.

Sie konnten mir's nicht ersparen,
Sonst hätten sie's wohl getan;
Wohin bin ich gefahren
In trüben Sinnens Wahn?

O töricht Kinderspiel,
O schuldlos Blutvergießen!
Und gleicht's dem Leben viel,
Laßt mich die Augen schließen,
Denn was geschehn ist, ist geschehn,
Und wer kann für die Zukunft stehn?

1 Kommentar:

Anonymous hat gesagt…

ein wirklich zauberhaft trauriges gedicht. du hast recht, um blumen geht es dabei wohl in den seltensten fällen. aber sie sind die schönste metapher, die man sich vorstellen kann, gerade dann wenn einem die eigene pflanze eingegangen ist.