Freitag, 26. Juni 2009

A.J. Jacobs: Britannica & ich




Mein Leben lang habe ich scheinbar überflüssige Informationen gesammelt. Ich weiß, was ein consonant cluster ist, schwärme für die bestechende Logik der Heisenberg’schen Unschärferelation und bin verblüfft darüber, dass Casanova nicht nur hauptberuflicher Muschiflüsterer, sondern auch Bibliothekar war.

Dabei gehe ich grundsätzlich absolut willkürlich vor, was die Wertigkeit der gesammelten Fakten betrifft. Ich teile nicht ein in Kategorien wie „wissenschaftlich wertvoll“ oder „trivial“, ich habe keine Schubladen im Hirn. Die Geschichte des Senfes (ARTE ist das Mutterschiff skurriler Dokumentationen) interessiert mich ebenso wie die der Maya. Falls unter uns jemand weilen sollte, der versehentlich ein religiöses Tabu der Inuit verletzt hat, dann könnte ich dieses Unrecht in einem fachgerechten schamanischen Ritual bereinigen. Zumindest theoretisch. Soviel zu dem Flickenteppich, der sich mein Gehirn nennt – ich gebe dabei gerne zu, dass ich alles ein bisschen und nichts richtig weiß. Gefährliches Halbwissen.

Ihr fragt Euch mittlerweile, was die langatmige Einleitung soll. Die soll meine Freude darüber ausdrücken, dass ich meinen persönlichen heiligen Gral des gefährlichen Halbwissens entdeckt habe! Und zwar das herrliche Buch Britannica und ich von A.J. Jacobs. Der New Yorker Redakteur – schockiert über seine fortschreitende Verdummung im Unterhaltungsbusiness – nimmt sich nichts Geringeres vor, als der klügste Mensch der Welt zu werden, indem er nämlich die komplette ehrwürdige Encyclopaedia Britannica liest. Alle 33.000 Seiten und 44.000.000 Wörter.

Jacobs erzählt seinen Aufstieg zum Everest des Wissens in Britannica und ich dann auch streng alphabetisch geordnet. Dabei darf der Leser nicht erwarten, dass ihm die Britannica in Kurzform serviert wird. Nein, dafür ist die Auswahl der Artikel viel zu subjektiv, und zuweilen schreibt Jacobs gnadenlos am Thema vorbei. Aber das macht nichts, denn das Buch soll schließlich auch keine Zusammenfassung des Weltwissens darstellen, sondern ist ein Bericht über den Selbstversuch Britannica und dessen Auswirkungen auf das Leben, das Denken und die Familie des Autors. Diverse Freunde und Verwandte Jacobs’, allen voran seine leidgeprüfte Ehefrau Julie, spielen entsprechend illustre Nebenrollen. Und natürlich ist das Buch ein Hort an kuriosen Fakten, die ich aufsauge wie ein Schwamm. Wusste hier einer, dass Hollywood von einem Prohibitionisten (!) gegründet wurde? Eben.

Werfen wir an dieser Stelle einen Blick auf gewisse grundsätzlich verkniffene Amazon-Rezensenten, deren Kritik zuweilen schrecklich humorlos ausfällt und in der Britannica unter dem Stichwort Schwarz/Weiß-Denken aufgenommen werden sollte (Nein, so schlimm ist es auch wieder nicht). Es wird zu Recht angemerkt, dass Jacobs eine sehr „amerikanische“ Schreibweise zu Eigen sei (ein schlimmes Schimpfwort unter Amazonianern) und darüber hinaus das Buch arg populärwissenschaftliche Züge trüge. Ja, sicher tut es das! Wie gesagt, hier geht es nicht um knallharte Wissenschaft, hier wird ein Experiment mehr oder weniger lustig und originell erzählt. Mehr will das Buch doch gar nicht sein, mehr kann es gar nicht sein. Britannica und ich ist UNTERHALTUNG, Freunde.

Zum Schluss spreche ich dem List Verlag noch ein verdientes Lob aus: Das Cover ist über die Maßen erfreulich und für ein Paperback recht edel mit Prägedruck und Sonderfarbe ausgestattet. Feini, geht doch.

Vielen Dank für den Tipp, liebe Sandra! Love it.

Montag, 22. Juni 2009

Lyrik zum Anfassen, Teil whatever



Wo sind wir denn gerade? Teil vier? Na egal.

Da ein Montagmorgen grundsätzlich eher nüchtern veranlagt ist und für die meisten von uns nicht gerade übermäßig viel Grund zur Freude bietet, kann ein kleines bisschen Poesie nicht schaden, um den grauenhaften Pragmatismus einer neuen Woche zu lindern.

Und weil gerade offiziell und unglaubwürdigerweise der Sommer angefangen hat und Balkonbesitzer spätestens jetzt eifrig ans Werk schreiten sollten, gibt es heute etwas thematisch passendes. Zumindest für mich, denn Freunde wissen, was mit Pflanzen passiert, die man meiner Obhut überantwortet. (Ja, ich bin mir im Klaren darüber, dass es hier nicht wirklich um Blumen geht. Großer Seufzer.)

Bitteschön, hoch geschätzte und verehrte Frau Annette von Droste-Hülshoff, Sie haben das Wort:


Blumentod

Wie sind meine Finger so grün,
Blumen hab' ich zerrissen;
Sie wollten für mich blühn
Und haben sterben müssen.
Wie neigten sie um mein Angesicht
Wie fromme schüchterne Lider,
Ich war in Gedanken, ich achtet's nicht
Und bog sie zu mir nieder,
Zerriß die lieben Glieder
In sorgenlosem Mut.
Da floß ihr grünes Blut
Um meine Finger nieder;
Sie weinten nicht, sie klagten nicht,
Sie starben sonder Laut,
Nur dunkel ward ihr Angesicht,
Wie wenn der Himmel graut.

Sie konnten mir's nicht ersparen,
Sonst hätten sie's wohl getan;
Wohin bin ich gefahren
In trüben Sinnens Wahn?

O töricht Kinderspiel,
O schuldlos Blutvergießen!
Und gleicht's dem Leben viel,
Laßt mich die Augen schließen,
Denn was geschehn ist, ist geschehn,
Und wer kann für die Zukunft stehn?

Dienstag, 16. Juni 2009

Mark Rowlands: The Philosopher and the Wolf.





(Für so nen Typen.)


Das ist eines dieser Bücher, bei denen ich gleich am Anfang mit Ratschlägen wichtigtue. Aber – in diesem Fall ist es nötig, um dem einen oder anderen Zeit und Geld zu sparen. Denn wer die mittelalterliche Ansicht vertritt, dass das Thier ein dumpfes Wesen ohne Sprache, Gefühl und Bewusstsein sey, der kann sich gleich jetzt verpissen.

(Jaaa, jetzt wird’s persönlich. Das ist ja das Schöne hier: Ich kann machen was ich will und keiner droht mit Suspendierung, Folter, Geldstrafe oder Fernsehverbot. Allmachtsphantasien ... ich krieg Gänsehaut.)

Aber ich schweife ab. Wie immer, wenn mir etwas wirklich nahe gegangen ist, fehlen die passenden Worte. Fatal, wenn man ein Buchblog betreibt.

Was ich eigentlich sagen wollte: The Philosopher and the Wolf, das ist ein wahrhaftiges Juwel für denkwütige Leute wie unsere erlauchte Gemeinschaft hier. Und es ist kein Roman. Ist es dann ein Sachbuch? Ich weiß nicht. Es ist eine Geschichte darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.

Mark Rowlands, der Titel gebende Philosoph und Autor, kann sich einer lebenslangen und zeitweise äußerst bizarren Beziehung zur Gattung Hund rühmen. Offenbar hatte der Mann auch keine Wahl, denn Rowlands’ ganze Familie zeichnet sich durch eine furcht- und kompromisslose Liebe zum canis lupus aus. Seinem persönlichen Kismet begegnet der Autor folgerichtig in Gestalt einer Kleinanzeige, in der es heißt „Wolf cubs for sale“. Keine zwei Stunden später ist Rowlands um 500 Dollar ärmer und den Wolfswelpen Brenin reicher.

Elf Jahre lang lebt Brenin mit dem Philosophieprofessor. Und wenn ich leben sage, dann meine ich das auch genau so: Brenin begleitet Rowlands zu dessen Vorlesungen, auf Studentenpartys, reist mit ihm durch Kontinente, sieht Beziehungen kommen und gehen. Der Wolf wird zum engsten Gefährten des Mannes und bewegt ihn dazu, die fundamentalen Fragen menschlicher Existenz zu ergründen.

Große Themen wie Verantwortung, Liebe, Freundschaft, Tod erfahren durch das Zusammenleben mit Brenin für Rowlands eine neue Grundlage. Was macht den Mensch zum Menschen? Diese uralte Frage sucht Rowlands in seinem Buch zu beantworten. Dabei ist ein oberflächliches philosophisches Grundwissen für den Leser von Nutzen, denn in The Philosopher and the Wolf werden die Theorien einschlägig bekannter Hirne von Sartre bis Schopenhauer aufgegriffen und weiterentwickelt.

Doch auch wer in Geistesfragen so unbewandert ist wie ich, dürfte keine größeren Verständnisprobleme haben; genaues Lesen reicht aus. Keine Angst, es handelt sich hier nicht um ein trockenes philosophisches Lehrbuch. Und obwohl das tierische bzw. wölfische Verhalten Brenins den Ausgangspunkt für viele von Rowlands’ Gedanken bietet, ist sein Buch auch keine Anleitung zur Hundeerziehung.

Statt dessen ist The Philosopher and the Wolf eine Schatzkiste voller wunderbarer, interessanter, kritischer Gedanken, ein Sammelsurium großer Lebensfragen und ein Kniefall vor der Würde der tierischen Natur. Tiefgang und Schönheit ohne überflüssige Theatralik, dafür aber mit feinem Witz.

Die Beziehung zwischen dem Wolf und dem Philosophen erfährt auf 300 Seiten eine Hommage, die intelligenter und liebevoller nicht ausfallen könnte. Ich glaube nicht, dass irgendwer seinem Haustier (obwohl Brenin sehr viel mehr ist als das) jemals ein derartiges Denkmal gesetzt hat.

Eine deutsche Übersetzung gibt es zwar, aber die habe ich nicht gelesen und kann deshalb wenig dazu sagen. Ich würde vermuten, dass die Originalfassung zwar um einiges schwerer verständlich ist, aber gerade die Feinheiten und Rowlands’ Humor lassen sich im Englischen wahrscheinlich besser erfassen.

Ich empfehle zu diesem Buch einen See oder ein Flussufer, einen trockenen Sommertag und eine Abenddämmerung, dazu eine gut gekühlte Flasche Sauvignon Blanc und diesen Soundtrack:




Montag, 15. Juni 2009

Los, gebt's mir.





Soooo. Heute lehne ich mich mal zurück und überlasse Euch die ganze Chose hier.

Wobei ich hoffe, dass Ihr mich jetzt nicht mit einem einzigen lausigen Kommentar abspeist, sondern Euch rege beteiligt, um mir das Gefühl zu geben, das hier läse jemand.

Was ich von Euch will? Eure Lieblingsbücher, meinetwegen auch Eure Hassbücher. Sagt mir, was ich unbedingt lesen muss, worüber ich mich unbedingt aufregen muss, wovon ich unbedingt wissen muss.

Denn in Bälde wird wieder ein Schwung Literatur angeschafft, und Ihr habt nun die einmalige und unglaubliche Chance, meine Einkaufsliste zu manipulieren. Ich bring Euch ganz groß raus! Versprochen!


Also, her mit den Tipps, Meinungen, Anregungen. Na gut, ich sage es auch noch mal in unterwürfig: bitteeee seid mir gnädig, hochgeschätzte Leser! 

Zur Belohnung gibt's hier auch demnächst was zu gewinnen, oh ja.


Dienstag, 9. Juni 2009

Galerie des Grauens.






Anlässlich meiner heftigen Abneigung gegen das kürzlich veröffentlichte Kushiel-Cover bin ich investigativ tätig geworden und habe einige weitere Augenkrebs verursachende Juwelen zusammengetragen.

Denn es ist doch wirklich ärgerlich, dass Liebhaber phantastischer Literatur (Überraschung! Das bin ja ich!) sich mit Büchern abfinden müssen, die gestaltet sind wie billigste Groschenromane. Nun kann einem ja die verächtlich hochgezogene Augenbraue des Rollkragen-Intellektuellen in der U-Bahn am derrière vorbei gehen. Aber: wer will sich denn so was zuhause ins Bücherregal stellen! Das sieht doch scheiße aus. So überhaupt nicht hochwertig – und dabei ist ein Buch an sich doch ein ästhetischer und wertvoller Gegenstand, zumindest sollte es das sein.

Bücher dürfen nicht aussehen wie Ramsch. Nein, nein, nein. Die oben abgebildeten Werke sind durchgehend lesenswert: Das kann ich aufrichtig behaupten, weil ich sie alle selbst gelesen habe. Aber als unbedarfter Käufer wäre ich garantiert von ihrer grauenhaften Gestaltung abgeschreckt worden. Und hätte damit viele schöne Geschichten verpasst.


Liebe Verlage! 
Das kann doch nicht in Eurem Sinne sein! Denkt doch mal an die Käuferzahlen. Und das Ansehen des Autors. Und den Ruf des Genres. Und das ästhetische Empfinden des Lesers. Was gemerkt? Richtig, von einem schöneren Design hätten wir alle was! Und wenn Ihr nett fragt, vermittele ich Euch sogar ein paar klasse Art Directoren. Versprochen.

In Freundschaft,
Eure AXT


Freitag, 5. Juni 2009

Lyrik zum Anfassen, Teil 3



Ich bin schon die ganze Woche über schlecht gelaunt. Seit Montag durchgehend missgünstig und misantrophisch (schreibt man das so?). Deshalb kriegt Ihr heute kein Gedicht über Blumenwiesen und Mondnächte, sondern das da. Und das ist noch ein Kompromiss, denn eigentlich wollte ich ja ein anderes aus dem "Morgue"-Zyklus nehmen: "Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke". Schien mir dann aber doch eine Nummer zu hart als Einstieg in ein freies Wochenende. Schließlich kann hier ja keiner was für meine Mistlaune.

Gottfried Benn, einer meiner ewigen Top-Five-Dichter. Radikalster Expressionist ever. Mit einem ausgeprägten Sinn für den Skandal. Wenn man sich so richtig scheiße fühlt, kann ein Morgue-Gedicht von Benn helfen, glaube ich. Irgendwie relativiert sich das eigene Unglück in den Abgründen der Pathologie.



Schöne Jugend

Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte,
sah so angeknabbert aus.
Als man die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löcherig.
Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell,
fand man ein Nest von jungen Ratten.
Ein kleines Schwesterchen lag tot.
Die anderen lebten von Leber und Niere,
tranken das kalte Blut und hatten
hier eine schöne Jugend verlebt.
Und schön und schnell kam auch ihr Tod:
Man warf sie allesamt ins Wasser.
Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschten!




Donnerstag, 4. Juni 2009

Missy Magazine





So sieht's doch aus: Der Akt des Lesens an sich erstreckt sich letztendlich nicht nur auf das konventionelle Buch, sondern auch auf Gebrauchsanweisungen, Shampooflaschen, Konzertplakate oder eben auch die ein oder andere Illustrierte.

Und ja, auch ein gutes Magazin kann eine Axt sein – vor allem wenn es sich dabei um das knackfrische, erst drei Ausgaben junge MISSY MAGAZINE handelt. "Popkultur für Frauen" lautet der Untertitel, aber das stimmt nicht ganz: frau kriegt noch viel mehr geboten.

MISSY ist eine sensationell gelungene Themencollage für die interessierte Feministin jüngeren Jahrgangs. Keine Diäten, kein Problemzonengelaber, keine detaillierten und lebensgefährlichen Anweisungen, wie der Göttergatte professionell zu befriedigen sei ("Nehmen Sie eine Handvoll ungekochten Reis in den Mund, bevor Sie ihn oral befriedigen, das beschert ihm den ultimativen Kick!" – Den die willige Frau leider nicht mehr miterleben wird, weil sie vorher am Reis erstickt ist. Stand wirklich mal so in der Cosmopolitan, dieser "Tipp". Ganz ehrlich.)

Nein, glücklicherweise erspart uns MISSY solche Sülze. Und weil es ein ungeheurer Aufwand ist, so ein fabelhaftes Independent-Frauenmagazin zu verwirklichen, rufe ich nicht nur die Mädels unter uns dazu auf, MISSY zu unterstützen. Ich gehe mit gutem Beispiel voran und abonniere.


Mittwoch, 3. Juni 2009

Jaqueline Carey: Die Kushiel-Trilogie





Kushiel ist:
- eine opulente Praline für den geneigten Liebhaber anspruchsvoller phantastischer Literatur
- ein intelligenter historischer und religiöser Entwurf
- ironische Erotik der härteren Gangart


Kushiel ist NICHT:
- geeignet für Menschen, die Kostümfilme oder Kitsch hassen
- das Richtige für sprachliche Puristen
- Porno


So steige ich also ein in eine Rezension eines unrezensierbaren Buches. Genauer gesagt, es handelt sich hier um drei Bände mit je 1000 Seiten (Das Zeichen/ Der Verrat/ Die Erlösung. Alle als Taschenbuch erhältlich bei LYX). Sämtliche Besprechungen, die ich bisher lesen durfte, versuchten sich an einer verständlichen Zusammenfassung der hochkomplexen Handlung – in keinem Fall war das spannend, deshalb verzichte ich um Euretwillen darauf.

Kushiel wird immer wieder angepriesen als erotisches Feuerwerk allererster Güte. Das stimmt nicht. Das machen die nur, um die Verkaufszahlen zu erhöhen. Sex sells, Ihr wisst schon. Dabei hat Kushiel das gar nicht nötig: Zwar ist die Hauptfigur eine Hure, die vorzugsweise auf knallharten Sex steht, aber das dient nicht zur billigen Provokation, sondern ist für die Story essentiell wichtig und sinnvoll.

Ganz kurz zur Handlung, damit Ihr wisst wovon ich rede. Erzählt wird aus der Perspektive eben jener Heldin, Phèdre genannt. Deren Vormund Anafiel Delaunay erkennt bereits in Phèdres Kindheit ihre Bestimmung – sie ist von den Göttern dazu auserkoren, Schmerz nicht nur zu ertragen, sondern herbei zu sehnen. Delaunay bildet die junge Frau sowohl in der Kunst der Spionage als auch in der des Schlafgemachs aus und macht sie so zu einem Eins-a-Instrument zur Enthüllung höfischer Intrigen, denn die bedrohen den Thron Terre D’Anges (genau, das ist das Heimatland der Protagonisten).

Phèdre erweist sich als sensationell talentiert und so kommt der Delaunay’sche Haushalt bald einem bösartigen Verrat auf die Spur, der unbedingt verhindert werden muss. Selbstverständlich ist das nicht so einfach, sonst wäre Kushiel keine Trilogie mit 3000 Seiten geworden. Der Entwurf der Weltordnung in diesem Roman ist irgendwie ein fiktives Europa, sagen wir mal, der Renaissance. Wir als Europäer finden uns darin auf Anhieb zurecht, denn Länder und Namen sind an Gewohntes angelehnt (und auch ziemlich originell ausgedacht). Alles sehr komplex und intelligent angelegt, und vermutlich werden Freunde historischer Romane Gefallen daran finden. Fast hätte ich jetzt den Fehler gemacht und einen gut gemeinten Tolkien-Vergleich angestrebt, obwohl ich doch inflationäre Tolkien-Vergleiche so sehr hasse!


Und damit schalte ich wieder um zur platzsparenden Listenform. Denn natürlich hat Kushiel auch Schwachpunkte:

- Die Sprache ist sicherlich nicht jedermanns Ding, denn die ist sehr opulent, blumig, verschlungen. Das muss man mögen, sonst kann man sich das Buch sparen.
- Es wird sich eine Spur zu oft wiederholt! Der Leser ist doch kein debiler Blinder, meine Güte.
- Phèdre ist eine ultrasexy Intelligenzbestie, die tausend Sprachen spricht, kongeniale Pläne schmieden kann und außerdem auch noch nett ist – das nervt zuweilen. Wenn das mal keine Ego-Projektion der Autorin ist.
- Die ersten 200 Seiten sind ungeheuer faktenorientiert, was abschreckend und ermüdend sein kann.
- Das Cover! Augenkrebs, sag ich nur. Peinlich.



Aber wir wollen natürlich nicht ungerecht sein, denn:

- Die Handlung zeigt sich über alle drei Bände hinweg stringent, abwechslungsreich und ohne spürbare logische Brüche. Das ist eine grandiose Leistung!
- Die Figuren sind liebevoll entworfen, vielseitig und sympathisch.
- Kushiel zeigt, dass Fantasy nicht zwangsläufig Fast Food für gehirngeschrumpfte Hauptschüler bedeutet (wie es leider oft dargestellt wird, nicht ganz ohne Grund).



Fazit: Wer ein wenig Disziplin aufbringt und sich nicht allzu sehr für das Cover schämt, der sollte dieser Reihe eine ernst gemeinte Chance geben, denn die ist erzählerisch in ihrem Genre ganz weit vorne. Ich persönlich würde sagen, Kushiel ist eher was für Frauen als für Männer, aber man hat ja schon Pferde kotzen sehen.



Hier Leseproben aus allen drei Bänden, die allerdings nicht viel verraten: Kushiel 1. Kushiel 2. Und Kushiel 3. Einige von Euch seh ich schon würgen, andere heimlich schmachten.

Die Axt hat Frühlingsgefühle...




...und fand sich im alten Layout gar nicht mehr schick. Sie hat mich deshalb überredet, mit ihr einen Einkaufsbummel zu machen. Also: Stehen ihr die Röhrenjeans? Oder sollte sie lieber über eine Burka nachdenken?