Sonntag, 24. Mai 2009

Lyrik zum Anfassen, Teil 2.





So Freunde, es ist Sonntagabend und damit höchste Eisenbahn, in Bild und Ton sentimental zu werden. Deshalb gibt's heute den zweiten Teil der Lyriksache, aus der ich übrigens eine Serie zu stricken gedenke. 

Dieser Song ist für alle, die genau jetzt ganz furchtbar unter dem Sonntagsblues leiden. (Sonntagsblues, pl.: Sonntagsblusen = Gemütsstimmung, die Dich jeden Sonntag pünktlich zwischen 16 und 18 Uhr zu befallen pflegt und Dich am Sinn des montäglichen Bürogehens im Konkreten und am Sinn Deiner gesamten Existenz im Allgemeinen zweifeln lässt.)



Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.



Ach ja, Fakten: Joseph von Eichendorff. Entstanden um 1835. Romantik. Sehnsucht als zentrales Motiv. Vorherrschender Kreuzreim.

Aber wer will das denn jetzt wissen. Es geht darum, den Sonntagabendschmerz stilgerecht mit Lyrik zu verbrämen. Bei mir funktioniert das. Bin jetzt noch melancholischer als vorher. Und Ihr?


1 Kommentar:

anoi hat gesagt…

Oh das ist Wind in meine hängenden Segel. Sonntag abends ist immer emotionale Waschlappenzeit. Danke fürs auswringen und in die Sonne hängen.