Dienstag, 5. Mai 2009

How to become a writer.

Gestern auf dem Heimweg vom geliebten Büro passierte etwas sehr Schönes. 

Neben mir in der U-Bahn saß ein Junge, schätzungsweise acht Jahre alt (wer mich kennt weiß, dass ich im Kinderschätzen miserabel bin, vielleicht war er also jünger). However, dieser Junge schrieb emsig Dinge auf ein Blatt Papier. Zwischendurch ließ er seinen Blick aufmerksam wie ein Erdmännchen durch das Abteil schweifen, dann schrieb er wieder etwas auf.

Neugierig wie ich bin (was, glaubt man meiner Oma, noch mein Verderben sein wird), schielte ich unauffällig auf das Blatt Papier und las folgendes: 

Leute mit Hunden: 3. 
Einer im Rollstuhl mit lila Pulli. Gleiches Lila wie Milka.
Junge mit einem Ball kommt rein, der Ball ist aber kaputt.
Ein Mann und eine Frau streiten sich, aber sie wollen nicht dass es einer merkt.

Und während ich mir diese Notizen so anschaute, kam eine weitere Zeile dazu:

Eine Frau linst auf mein Blatt.

Mal abgesehen davon, dass ich mich heftig ertappt fühlte und  mein Teint ins knallrot changierte, fand ich das fantastisch. Der Junge hatte einen Mikrokosmos festgehalten. Als ich aussteigen musste, sagte ich ihm, dass es eine tolle Idee sei, was er da macht. Und dass er vielleicht mal ne Geschichte draus machen würde, aus den Notizen. Vielleicht mach ich das, sagte er. Und grinste. 

Als ich ausgestiegen war, schaute ich mich noch mal um. Der Junge kniete auf dem Sitz, schaute mir nach und winkte. Ich winkte zurück, bis die Bahn weiterfuhr.

Warum kann ich nicht jeden Tag solche Begegnungen haben?


Kommentare:

spontanextase hat gesagt…

wow, dieses ungewöhnliche alltagsschnipsel hat mich wirklich beeindruckt..!
annette spontanextase

Anonymous hat gesagt…

Jaja, diese ganz kleinen Dinge.. sehr schön!