Dienstag, 28. April 2009

Ildiko von Kürthy: Mondscheintarif

Eines vorweg: Frau von Kürthy ist eine sehr gute Redakteurin. Ihre Beiträge in diversen Magazinen lese ich eigentlich gerne.

Deshalb kann ich gar nicht verstehen, wieso sie denn dieses blöde Buch geschrieben hat. Es gibt ja bekanntermaßen bereits eine Bibel für die moderne Singelin: Bridget Jones nämlich. Und damit ist zu dem Thema auch schon alles gesagt, warum also verfassen hunderte ambitionierte Autorinnen immergleiche Werke, angefüllt mit pralinensüßen Klischees? Das ist, als würdest Du "Thelma & Louise" immer wieder verfilmen. Mit wechselnden Schauspielern und Regisseuren, aber einem einzigen Drehbuch. Bis in alle Ewigkeit. Amen.

Mondscheintarif kreiselt um die moderne, emanzipierte und sexuell befreite Cora Hübsch: Die verknallt sich in einen Typen, hat Sex mit dem und wartet fürderhin auf seinen Anruf. Der Auserwählte ist selbstverständlich Arzt, und Cora reflektiert während der Anrufwartezeit diverse Ereignisse und Peinlichkeiten, die sich um das Kennenlernen der beiden im Konkreten und das Leben der Cora im Allgemeinen drehen. All das ironisch aufgeladen, denn frau kann ja heutzutage über ihre kleinen Frauenmacken herzhaft lachen. Ihr seht es natürlich nicht, aber ich mache gerade die international bekannte Kotz-Geste.

Und das ist jetzt Frauenliteratur oder wie? Ich wette eine Million Euro, dass Mondscheintarif in jeder Buchhandlung dieser Welt im Freche Frauen-Regal steht. Klar, die Cora ist voll emanzipiert, deshalb ruft sie auch den Typen nicht an, sondern schmachtet vor dem Telefon herum und zerquält sich mit Eventualitäten (Die Nebenbuhlerin! Die gilt es ja auch noch zu bedenken! Ein Glück, dass die sich am Ende als Lesbe entpuppt!). 

Fragen wir mal das Volk, was es davon so hält. Subjektiv ausgewählte Meinungen via Amazon

Ich kann mich nicht damit identifizieren, daß "frau von heute" Kiwis einkaufen geht, weil sie sich nicht traut, als Alleinstehende nach Bananen zu fragen und von gut gebauten Karotten Abstand nimmt, weil die Leute dumm schauen könnten. Vielleicht sollte ich mir aber nur mehr Gedanken machen?

Ich habe innerhalb der letzten zwei Stunden mit Sicherheit die seichteste Story meines Lebens "runtergelesen". Die versprochenen Lacher sind dabei irgendwie spurlos an mir vorbeigegangen.Da hätte der verwendete Humor schon etwas bissiger bzw. sarkastischer sein müssen.
Es kommt mir so vor, als hätte die Autorin sämtliche billige Klischees über Männer/Frauen gesammelt,und sie wahllos in eine innerhalb von 5 Minuten erfundene Geschichte eingebaut. 

Dieses Buch soll witzig, geistreich und amüsant sein? Die Begriffe 'langweilig, oberflächlich und ermüdend' treffen es wohl schon eher.

Die 33-jährige Cora Hübsch hat einen Mann kennenelernt .. darum dreht sich der ganze Roman, oder so ungefähr. (...) Aber was mich am meisten stört - wenn DAS das Bild einer modernen Frau sein soll : dann entwickeln wir uns langsam aber sicher zurück zum Affen.

Der Klappentext sagt "Wer Hera Lind hasst, wird dieses Buch lieben!". Ich sage "Wer Hera Lind hasst, der wird diese Autorin noch mehr verfluchen." 




Any Questions?



Kommentare:

sweirich hat gesagt…

Naja, ich bin kein Frauenliteraturleser, kenne Hera Lind und Co. auch nur vom Namen her. Aber vielleicht ist es so, daß man die guten Sachen dort findet, wo man sie nicht erwartet, bzw. gar nicht danach sucht. Und daß man "das Bild einer modernen Frau" eher in Büchern von vor zwanzig Jahren sieht. Ein Beispiel, was ich kenne: "Franziska Linkerhand", leider unvollendet, spielt noch in der DDR, hat mich aber sehr beeindruckt. Vielleicht eher melancholisch als witzig und nicht ohne mühsam zu lesende Passagen. Aber es ging mir zu Herzen, und die Hauptfigur ist wirklich mal jemand, auf den die Bezeichnung "Titelheldin" paßt. Beim Lesen wäre ich auf das Etikett "Frauenliteratur" nie gekommen, aber vielleicht ist es ja gerade deshalb die eigentliche und schönere...

Sergeant W.

lizzz hat gesagt…

Hallo mein Lieber,
da hast Du mal wieder was Wahres gesagt...das Etikett "Frauenliteratur", wie es von den Buchhandlungen und Medien benutzt wird, ist mir deshalb so zuwider, weil sich dahinter meist die Hera-Lind-Fraktion verbirgt. (Ihr erinnert Euch an meinen Ausflug in die Bahnhofsbuchhandlung?)

Eigentlich finde ich den Begriff an sich gar nicht übel, nur ist er mittlerweile eben mit dieser schrecklichen pseudo-emanzipierten Freche-Frauen-Liga verknüpft.

Und Du hast recht, es gibt sicherlich Literatur für und von Frauen im allerbesten Sinne, mit richtigen Heldinnen und guten Gedanken. Und da passt dann das abgelutschte "Frauenliteratur"-Label eh nicht drauf.

Ich bin einfach so dermaßen allergisch gegen diese Bücher wie das obige, weil sie in meinen Augen kleinmacherisch und anti-emanzipatorisch sind *Fäuste hoch*

Ich meine, wie man auf dieser Seite hier sieht, hab ich auch ein Faible für Äußerlichkeiten und Mädchenkram, aber ich möchte mich doch bitteschön nicht darauf reduzieren lassen. Habe auch schon seit über zehn Jahren auf keinen männlichen Anruf mehr gewartet und traue mich sogar, ganz ungeniert Bananen, Zucchini und Gurken zu kaufen!

Die herzlichsten Grüße
Lizzz

lizzz hat gesagt…

P.S.: Habe gerade mal neugierig in "Franziska Linkerhand" reingeschnuppert. Werde ich lesen. Danke.

Ronald hat gesagt…

"Franziska Linkerhand" fand ich wiederum eher schwierig. Diese ständigen Monologe an Ihren Ex, puuh...

Julius hat gesagt…

oh toll, Kommentatoren-Migration!

lizzz hat gesagt…

Hihi,ja jules, lass uns kommentatoren tauschen! Also meine sind toll *lach*

@ ronald: staendige monologe an den ex? Jetzt muss ich es wohl wirklich selbst lesen, um mir ne meinung bilden zu koennen...

@ alle: schoene feiertage!

Siska hat gesagt…

sehr tolles buch, eines meiner lieblinge!

lizzz hat gesagt…

Echt jetzt? Naja, auch ne Meinung.