Mittwoch, 1. April 2009

Barbara Vine: Schwefelhochzeit

So Männer, Ihr könnt Euch gleich mal gar nicht erst angesprochen fühlen, denn heute gibt's was zum Lesen für die Mädels. Das ist keine Diskriminierung, sondern zielgruppenorientiert. Denn Schwefelhochzeit würde ich, so sehr ich das Buch auch liebe, eher als Frauenschmöker verunglimpfen. Aber Ihr könnt mich da jederzeit eines Besseren belehren.

Barbara Vine heißt auch gar nicht wirklich so, sondern Ruth Rendell, die wiederum eine ziemlich bekannte Krimiautorin ist. Wieso Ruth einige ihrer Bücher unter einem Pseudonym verfasst hat, weiß ich nicht (aber ich hab auch nicht versucht, es herauszufinden). Stimmen behaupten, Vine sei eher für die perfiden Psychothriller zuständig, Rendell für die klassische Kriminalgeschichte. Auch Schwefelhochzeit ist ein Krimi, ein sehr atmosphärischer, schlau gestrickter Krimi mit viel Sinn für menschliche Emotionen. Ein psychologischer Spannungsroman, könnte man auch sagen.

Die junge Altenpflegerin Jenny arbeitet in einem "Ruhesitz" für betuchte ältere Semester. Besonders zugetan ist sie ihrer Patientin Stella, die sich in vielerlei Hinsicht von den anderen Heiminsassen abhebt. Was Stella vielleicht am merkwürdigsten macht: Sie redet nie über ihre Vergangenheit, und dafür sind alte Leute nunmal nicht bekannt. Aber da die vornehme Lady an Lungenkrebs im Endstadium leidet, beginnt sie nach und nach, Jenny ihre Geschichte anzuvertrauen – denn da gibt es ein Geheimnis, das Stella nicht mit ins Grab nehmen will. Auch Jenny hütet ein Geheimnis... und langsam aber sicher steuert die Story auf ihren schrecklichen Höhepunkt zu.

Die Ich-Erzählerin Jenny Warner lebt in einem kleinen englischen Dorf, hat ihren Schulfreund geheiratet und nicht übermäßig viel (Aus-)Bildung genossen, während Stella Newland eine Dame aus den sprichwörtlichen besseren Verhältnissen ist. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen fängt Vine/Rendell sehr treffend mit ihrer Sprache ein: Wenn Jenny spricht, dann klingt die Unterschicht aus ihren Sätzen – wobei das nie eine Frage fehlender Intelligenz, sondern mangelnder Bildung ist. Die beiden Frauen könnten also unterschiedlicher kaum sein, und doch verbindet sie das Schicksal.

Grundsätzlich ist das eine Geschichte über hoffnungslose Liebe, über Verfall, über Schmerz und Zerstörung. Aber sie erzählt auch von Freundschaft, Vertrauen und eigener Stärke, und genau deshalb ist der Roman keinesfalls deprimierend, sondern anrührend im besten Sinne (ich habe ihn fünfmal gelesen. Echt. Ich konnte der Melancholie nicht widerstehen).


Wer die Möglichkeit hat, sollte das Buch nachts in einem alten englischen Landhaus lesen, während es draußen stürmt, der Kamin gemütlich flackert und der Jagdhund auf dem Teppich döst. Dazu noch eine große tickende Uhr im Hintergrund, ab und zu mal ein undefinierbares Geräusch aus dem ersten Stock, ansonsten Stille – perfekt!

Liebend gerne hätte ich Euch hierzu eine Leseprobe organisiert, es war aber keine aufzutreiben. Immerhin gibt's ne kurze Verlagsinfo von Diogenes.



1 Kommentar:

Anonymous hat gesagt…

hallo lisa, wusste nicht, wo ich meinen gruss ablegen sollte, deshalb an dieser stelle: RESPEKT, KLASSE GEMACHT,
papa