Donnerstag, 12. März 2009

Stewart O'Nan: Die Speed Queen

Was für eine Idee: Insassin eines Todestrakts verkauft die Rechte ihrer Geschichte an Stephen King und beantwortet in ihren letzten Stunden vor der Hinrichtung dessen Fragebogen per Tonband.

Heraus kommt: ein atemloses Mosaik von Sex, Gewalt, Drogen und Schuld. Marjorie ist zum Tode verurteilt, weil sie mit ihrem Freund scheinbar sinn- und ziellos Menschen ermordet hat und auf der Flucht eine Blutspur quer durch die USA zieht. Den Titel Speed Queen verdankt sie den Medien, die über das Massaker berichten, denn die gute Marge steht auf den automobilen wie den chemischen Geschwindigkeitsrausch.



Aber wie wäre es, wenn ich ne kurze Pause nehme und den Autor ausnahmsweise mal selbst zu Wort kommen lasse (Auszug aus einem Interview): 
"Die Geschichte handelt davon, daß Stephen King die Rechte an der Lebensgeschichte der Erzählerin Margie gekauft hat. Er hat ihr einen Fragebogen geschickt, den sie in den Stunden vor ihrer Exekution durch eine Todesspritze ausfüllen soll. Hingerichtet wird sie für ihre Beteiligung an einer Reihe von Morden außerhalb von Oklahoma City während einer Spritztour auf der Route 66.

Margie erzählt ihre Geschichte Stephen King und erklärt ihm dabei auch, wie er sie so umschreiben soll, daß sie sich besser verkauft. Es ist ein wildes Buch, gefüllt mit dem Klassiker: Amerikas Unschuld gegen amerikanische Gewalttätigkeit. Die Kapitel sind manchmal nur ein oder zwei Sätze lang, es gibt 114 Kapitel, alles nur Antworten auf Kings Fragen und es geht unglaublich rasch voran, der Zeitablauf ist völlig chaotisch und der dramatische Endspurt furios. Das Buch ist angstmachend und gewalttätig und witzig."


Immerhin weiß er, was er kann, der Mister O’Nan. So hätte ich das jetzt nicht formuliert (auch wenn ich im Grunde eigentlich das gleiche gesagt habe), aber Die Speed Queen ist unbedingt ein must-read Buch. Es ist ganz zart, gleichzeitig unerträglich brutal, es erzählt von dem Drama, mit seinen eigenen Gefühlen heillos überfordert zu sein. Ich habe mehrmals gelesen, dass O’Nan sich schrittweise und extrem systematisch das Schreiben beigebracht hat. Das merkt man seinen Werken auch an, denn bald jeder Satz ist präzise, auf seine Wirkung bedacht, schnörkellos im besten Sinn. Wie der Kerl formuliert, das hat in seinen besten Momenten fast mit Bildhauerei zu tun.


Fehlt nur noch ein passender Soundtrack. Überflüssig zu sagen, dass sich irgendwelche klassische Roadmovie-Musik anbietet (irgendwas freiheitsvermittelndes) oder der Soundtrack von Natural Born Killers. Und – Ihr ahnt es – mindestens ein kaltes Bier. 

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