Montag, 9. März 2009

Muschibücher

Passend zum gestrigen Weltfrauentag hier einige schlecht gelaunte und grob zusammen gezimmerte Worte zum Wochenanfang:

Heute hasse ich mal wieder etwas. Und zwar die so genannte „Frauenliteratur“. Während ich gerade bei Hamburg auf einem Deich sitze und warte, bis meine Kollegin nach mir verlangt, mache ich mir also einige womöglich überflüssige Gedanken um Hera Lind, Ildiko von Kürthy (oder so ähnlich) und Konsorten. 

Zusammenhang: Ich las mal vor einigen Jahren eine Kolumne, in der die Autorin sich über das „Freche Frauen“-Regal in ihrer Buchhandlung echauffierte. Ich zweifelte damals daran, dass es dieses Regal im realen Leben gibt. Ich meine... „Freche Frauen,“ wer macht denn so was (googelt mal den Begriff mit Bild und Text. Unglaubliche Ergebnisse. Da schämt man sich glatt seines Frauseins). Bis ich heute Morgen am Bahnhof, als ich mir gerade ein Reisebuch kaufen wollte, feststellen musste: Ja! Es existiert!

Schön, nun heißt das Regal nicht überall explizit „Freche Frauen“ (was mich unwillkürlich an rosige Damen über 40 mit frechen roten Strähnchen in der stachligen Kurzhaarfrisur erinnert, die bunte Brillengestelle und ¾-Cargohosen tragen und von sich behaupten, sie seien ein bisschen verrückt). Manchmal heißt das Regal auch „Die moderne Frau“ oder eben „Literatur für Frauen.“ Das Etikett wechselt, der Inhalt bleibt. In der Bahnhofsbuchhandlung inspizierte ich es also auf seinen Inhalt und fand einen gut abgehangenen Mix aus Diätbüchern, Psychologie-Ratgebern und den Werken oben genannter und anderer Damen. 

Und das ist jetzt intellektuelles Futter für die freche Frau oder was. Weil die freche Frau ja auch im Jahr 2009 immer noch nichts besseres zu tun hat, als auf die Anrufe irgendeines Typen zu warten oder sich für ebendiesen mit Abführpillen zu kasteien. Zudem sollte sich die freche Frau offenbar keinesfalls mental belasten. Nein, nein, nein. Nicht, dass sie am Ende noch Simone de Beauvoir liest, oder sogar Jane Austen. Im Grunde hat ja die freche Frau auch gar keine Lust auf Beauvoir oder sogar Austen. Stattdessen wiegt sie sich lieber zwölf Mal am Tag und suhlt sich in einer viel versprechenden Assistentenstelle mit schönem Chef. Wegen dem sie dann schließlich Liebeskummer hat, eine ganz neue Hollywood-Diät macht und Psychologie-Ratgeber konsultiert. Gut, dass die im Frauenregal schon bereit stehen! Am Ende wird dann doch alles feini, denn dass der schöne Chef mit der noch frecheren Freundin der frechen Frau geschlafen hat, war nur ein grobes Missverständnis, oh ja!

Nein, natürlich lese ich nicht permanent schwer verdauliches Zeug in ranzigen Cafes, während ich einen schwarzen Rolli trage und ununterbrochen rauche und über den französischen Film diskutiere. Alles was ich will ist, dass wir Weiber nicht von Muschibüchern gehirngewaschen und weichgespült werden. 


*gibt das Mikro ab und verlässt die Bühne mit erhobener Faust*

Kommentare:

Michi hat gesagt…

Du sprichst mir so aus der Seele!!!!!!Ich lese auch nicht immer super anspruchsvolle Literatur, aber sowas geht wirklich gar nicht. Diese Bücher bedienen jegliche Klischees und stellen die Frauen alle in eine Ecke. Leider verkauft sich so was wohl ganz gut.

P.S. übrigens ein ganz toller Blog, den du hier hast. Habe den erst vor kurzem für mich entdeckt und bin begeistert!

Michi

lizzz hat gesagt…

Hi Du,
vielen Dank für die Blumen :)

Ich hab schon zwei weitere Mails von ebenfalls erbosten Leserinnen bekommen. Wir sind also nicht allein mit unserer Abneigung, gut zu wissen.