Freitag, 13. März 2009

Karen Duve: Die entführte Prinzessin

Halt! Moment! Nicht gleich weglaufen vor Schreck über einen Buchtitel, der Die entführte Prinzessin lautet. Es geht zwar um eine solche, und überhaupt kann man mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Buch in der viel geschmähten und böse unterschätzten Ecke "Phantastische Literatur" anzutreffen ist. Meinetwegen kann man es auch als Märchen kategorisieren. Aber was es definitiv nicht ist: ein Kinderbuch.

Karen Duves herrliches, wildes und unfassbar lustiges Werk ist mitnichten nur eine Geschichte über die titelgebende Prinzessin, oh nein. Dies ist eine Story über unerwiderte und erzwungene Liebe, Erwachsenwerden, Kindheitstraumata, Drachen, Gefahr und Seeungeheuer. Ich kann nur immer wieder verblüfft sein über die Präzision von Karen Duves Sprache. Menschen, die Nuancen lieben, werden vor Freude Schaum vor dem Mund haben, wenn sie dieses Buch verschlingen.

Zum Inhalt: Prinzessin Lisvana lebt im im Königreich Snögglingduralthorma, aufgrund seines rauen und trostlosen Ambientes der Einfachheit halber nur "Nordreich" genannt. Eines Tages steht eine Delegation aus dem beeindruckend reichen Baskarien vor der Tür, denn deren Thronfolger Diego hegt den Wunsch, Lisvana zu ehelichen (und zwar, um seine oberflächliche Mutter zu quälen, aber das ist erstmal egal). Blöderweise geraten sich Lisvanas und Diegos Landsleute zügig in die Haare, woraufhin aus der beabsichtigten Brautwerbung eine handfeste Entführung wird – denn Lisvana verweigert die Heirat, wird aber vom verknallten Prinz Diego kurzerhand geklaut. Natürlich lassen sich das die übermäßig stolzen Nordländer nicht gefallen und sinnen auf blutige Rache. Und Lisvana tut in der Zwischenzeit alles, um dem liebeskranken Prinzen das Leben zur Hölle zu machen.

Das allerbeste an diesem Buch sind die eigensinnigen, schrägen Charaktere. Denn die kommunizieren nicht etwa in mittelalterlicher Formulierungswut miteinander, sondern auch gerne mal patzig und politisch unkorrekt. Und überhaupt landen sie mit schöner Regelmäßigkeit in den herrlichsten und aberwitzigsten Situationen, zumal Karen Duve ihren Figuren nichts erspart, aber für ihre Verhältnisse trotzdem recht liebevoll mit ihnen umspringt (verglichen mit dem "Regenroman" leben die quasi im emotionalen Schlaraffenland). Dramaturgisch gesehen hat die Geschichte permanent ein ziemliches Tempo drauf, weshalb wirklich auf keiner einzigen Seite Langweile zu befürchten ist.

Die entführte Prinzessin ist ein wildes, lärmendes Durcheinander mit grandiosen Einfällen und einer, wie ein Kritiker schieb "souveränen Heiterkeit", die unter aller Handlung liegt. A propos Kritiker, offenbar schlug man sich in diversen Tageszeitungen mit der Frage herum, ob dies denn nun "richtige Literatur" sei. Mein Gott, wenn das mal nicht scheißegal ist! Dieses Buch macht einen Heidenspaß und das, meine Lieben, sollte doch nun reichen.

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