Mittwoch, 11. März 2009

Heinz Strunk: Fleisch ist mein Gemüse

Erstmal muss ich kurz ausholen. Also: Wenn Leute, die ich nicht mag, von einem bestimmten Buch begeistert sind (sofern sie überhaupt von Büchern begeistert sind), dann mag ich das Buch automatisch auch nicht. Das liegt daran, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass blöde, zickige, unfreundliche oder bösartige Menschen einen guten Buchgeschmack haben. Und wenn es sich dann auch noch um einen Super-Bestseller mit obligatorischer Verfilmung handelt, ist der Ofen gleich aus, denn diese Kombination ist einfach over the top.

Natürlich kann das betreffende arme Buch überhaupt nichts für meine engstirnige und intolerante Haltung, dennoch bin ich meinem Grundsatz „Blöde Leute = Blödes Buch“ bislang verbissen treu geblieben. Denn der Gedanke, dass jemand Bescheuertes etwas Tolles entdeckt hat, bevor ich es entdeckt habe, gefällt mir nun mal nicht (ja, mit Bands und Modetrends geht es mir ähnlich).

Weiter im Text. Als ich also letztens vor meinem Ausflug auf den Deich in der Bahnhofsbuchhandlung herumstreunte und die Feministin in mir entdeckte, vergaß ich über meinen gerechten Zorn die Zeit. Und auf einmal war ebendiese knapp und ich musste innerhalb von Minuten ein Buch adoptieren. Panik! Ich weiß nicht, was dann passiert ist, aber als ich aus meinem Tremor erwachte, saß ich mit „Fleisch ist mein Gemüse“ im Zug.

Und lachte vor mich hin. Richtig, ich habe in Gegenwart verdutzter Mitreisender zwei Stunden lang irre vor mich hin gekichert, obwohl ich mir vorgenommen hatte, dieses Buch niemals zu mögen. Weil es von so vielen blöden mir bekannten Leuten gemocht wird. Damit hätte ich um ein Haar einige der sensationellsten und lustigsten Sätze verpasst, die ich je gelesen habe.

Denn „Fleisch ist mein Gemüse“ ist ein fast konkurrenzlos komisches Buch. Diese großartige Art von Komik, die aus Tristesse oder Tragik erwächst. Heinz Strunks Formulierungen sind zuweilen dermaßen auf den Punkt, dass es weh tut, und den Protagonisten (allen voran dem Ich-Erzähler Heinz Strunk himself) bleibt nichts, aber auch wirklich gar nichts erspart.

Handlungsmäßig passiert nicht viel. Eine Landjugend mit Musik eben, wie der Untertitel verrät: Gnadenlos unehrgeiziger Erzähler kämpft sich durch die Wirren des Erwachsenwerdens als Saxophonist einer Tanzband, die auf Dorffesten und Silberhochzeiten spielt. Trotzdem liest sich das Buch ganz glatt am Stück weg, ohne jemals langweilig zu werden. Zu skurril sind sämtliche Charaktere, die darüber hinaus wunderbar detailreich ausgearbeitet sind. Klar, die ganz große Literatur ist das nicht gerade, aber darum geht es hier ja auch nicht. 

Na schön: Bücher, Bands und Schuhe können nichts dafür, wenn sie von jemandem geliebt werden, den man hasst. Die können sich das nun mal nicht aussuchen, die armen Dinger. Also haben auch Bestseller und Keilabsatz eine reelle Chance verdient. Aber wehe, es kommt jetzt einer mit Tokio Hotel...

Kommentare:

chris keller hat gesagt…

Ich fand das Buch auch sehr unterhaltsam. Den Film wollte ich nicht sehen, weil sich die Charakter vorzustellen manchmal lustiger sein kann als dann die Umsetzung im Film zu sehen...

lizzz hat gesagt…

Da hast Du absolut recht. Ich hab den Film auch verweigert. Ich hatte schon so viele Details zu den Figuren im Kopf, dass der Film mich zwangsläufig desillusioniert hätte.