Dienstag, 24. März 2009

Shortlist: Medea

Irgendwie habe ich es geschafft, den Artikel in den Tiefen der März-Einträge verschwinden zu lassen. Zauberei! Egal, hier ist der Link dazu. Ist natürlich bedenklich, dass man jetzt erst klicken muss, statt einfach zu lesen. Das mag dem ein oder anderen mobilen Endgerätenutzer zu viel Aufwand sein.

Dann bleibt mir wohl nichts übrig, als dieses Risiko einzugehen *wichtig guckt*

Meine Güte, was für ein Blabla!

Donnerstag, 19. März 2009

Leseprobe: Die entführte Prinzessin

Mann, das hätte mir mal früher einfallen sollen!

Hier noch ne Leseprobe von Karen Duves entführter Prinzessin.

Have fun.

Leseprobe: Niemalsland

Feine Sache (eigentlich wollte ich "geiler Scheiß" schreiben): Ich hab ne Leseprobe des unten besprochenen Romans "Niemalsland" von Neil Gaiman ausgegraben. 

Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, nicht in das Buch reinzuschauen. Ich muss mich schon wieder stark zusammenreißen, um es nicht wild gestikulierend und mit überschlagender Stimme lautstark anzupreisen.

Hier, bitteschön: Klick!

Mittwoch, 18. März 2009

Lesen fesselt? Auch mich?


Dies ist, ich zitiere "Ein Werbespot zur Leseförderung. Entstanden im Rahmen eines studentischen Projekts an der Hochschule der Medien Stuttgart." 

Also, mal abgesehen davon, dass das einfach zu bekannte Gesichter sind, die man ja quasi in sämtlichen denkbaren Charakterrollen schon gesehen hat, gibt's für Soundtrack, Regie und Kostüm ne glatte Eins! Ein anderer Fan betont: "David Lynch hätte es nicht besser machen können." Halleluja!






Also wenn das jetzt die Lesebereitschaft in der Bevölkerung nicht ungemein fördert, dann weiß ich auch nicht.


Neil Gaiman: Niemalsland

Ach, Neil Gaiman, was wäre ich ohne Dich. Mit Deinen Büchern kann man Weltflucht betreiben und genau das ist es, was ich von Dir will (obwohl ich einem Heiratsantrag immer noch nicht abgeneigt wäre). Mr Gaiman, Du verfügst anscheinend über einen unerschöpflichen Tank an Phantasie, und sofern Du keine Halluzinogene frühstückst, kann ich nicht umhin, Deinen Geist auch heute wieder zu würdigen. Unzählige Bücher haben um mein Herz gebuhlt, doch keinem davon ist es so leicht erlegen wie den deinen, zumal Du Dein schriftstellerisches Können mit einer respektablen Frisur garnierst. Und so weiter. Blablabla.

Und bevor sich jetzt jemand angewidert abwendet, komme ich lieber zum Thema und spreche – wie üblich mit kühler Ratio und überwältigendem Sachverstand – über Neil Gaimans (Überraschung!) Buch „Niemalsland“, das sich auf meiner Top-Ten-Liste festgesetzt hat wie ein Schimmelpilz. So, und darum geht es:

Auf den Straßen Londons: Richard Mayhew und seine herrschsüchtige, karrieregeile Ische namens Jessica sind auf dem Weg zu einem Abendessen mit Jessicas schleimigem Boss, als ihnen auf der Straße ein blutüberströmtes Mädchen in die Arme läuft, das panisch um Hilfe fleht. Während Jessica sich voller Verachtung abwendet, kann der gutmütige Richard nicht anders, als das Mädchen mit dem komischen Namen Door mit zu sich nach Hause zu nehmen und sich um es zu kümmern.

Schon bald stellt sich heraus, dass dieses seltsame Findelkind gar nicht so schwer verletzt ist, wie es den Anschein hatte, und zu Richards großer Verwirrung spricht Door auch noch mit Ratten und Tauben, bevor sie wieder aus seinem wohl geordneten Leben verschwindet. Als wenig später zwei furchteinflößende Männer mit schrägen Umgangsformen an der Tür klopfen und nach Door fragen, beginnt Richard zu ahnen, dass hier irgendetwas Großes läuft, von dem er lieber nichts wissen sollte.

Und dann geht alles ganz schnell: Richards Leben scheint von irgendjemandem einfach ausgelöscht zu werden. Niemand erkennt ihn mehr, weder Boss noch Freundin noch Kumpel. Seine Wohnung wird vermietet, während er in der Badewanne sitzt, unsichtbar für die Menschen um ihn herum. Verzweifelt und aussichtslos packt er seine Sachen und macht sich auf die Suche nach dem Mädchen Door – dem einzigen Menschen, der über die Geschehnisse Bescheid zu wissen scheint.

Der unfreiwillige Odysseus landet flugs in einer Welt unter der Stadt, einer sprichwörtlichen Unter-Welt, deren bloße Existenz Richard an seinem Verstand zweifeln lässt. Hier müsste ich eigentlich ganz mysteriös drei Punkte setzen, um die Geheimnisse anzudeuten, die gelüftet werden, und die schillernden Charaktere, denen der Held begegnen wird.

Stattdessen weise ich wiederholt darauf hin, dass Neil Gaimans ungewöhnlicher Stil seinesgleichen sucht und „Niemalsland“ ein vor Ideen brutzelndes Filetstück ist: immer präzise formuliert, temporeich, spannend und konsequent zu Ende gedacht.


Und Obacht, jetzt bemühe ich ein beliebtes Klischee: Das einzig blöde an diesem Buch ist, dass es nicht dicker ist. Nein, ohne Witz, ich war wirklich traurig, als ich die letzte Seite aufschlug. Fast schon deprimiert. Aber dieser Liebeskummer hat sich gelohnt, ich schwör's.


Ach ja: Gaimans Bücher sind eigentlich durch die Bank sehr gefällig übersetzt – man kann sie also getrost auf Deutsch lesen, ohne sich über fehlende Zusammenhänge oder lustlos hingerotzte Sätze grämen zu müssen.

Freitag, 13. März 2009

Karen Duve: Die entführte Prinzessin

Halt! Moment! Nicht gleich weglaufen vor Schreck über einen Buchtitel, der Die entführte Prinzessin lautet. Es geht zwar um eine solche, und überhaupt kann man mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Buch in der viel geschmähten und böse unterschätzten Ecke "Phantastische Literatur" anzutreffen ist. Meinetwegen kann man es auch als Märchen kategorisieren. Aber was es definitiv nicht ist: ein Kinderbuch.

Karen Duves herrliches, wildes und unfassbar lustiges Werk ist mitnichten nur eine Geschichte über die titelgebende Prinzessin, oh nein. Dies ist eine Story über unerwiderte und erzwungene Liebe, Erwachsenwerden, Kindheitstraumata, Drachen, Gefahr und Seeungeheuer. Ich kann nur immer wieder verblüfft sein über die Präzision von Karen Duves Sprache. Menschen, die Nuancen lieben, werden vor Freude Schaum vor dem Mund haben, wenn sie dieses Buch verschlingen.

Zum Inhalt: Prinzessin Lisvana lebt im im Königreich Snögglingduralthorma, aufgrund seines rauen und trostlosen Ambientes der Einfachheit halber nur "Nordreich" genannt. Eines Tages steht eine Delegation aus dem beeindruckend reichen Baskarien vor der Tür, denn deren Thronfolger Diego hegt den Wunsch, Lisvana zu ehelichen (und zwar, um seine oberflächliche Mutter zu quälen, aber das ist erstmal egal). Blöderweise geraten sich Lisvanas und Diegos Landsleute zügig in die Haare, woraufhin aus der beabsichtigten Brautwerbung eine handfeste Entführung wird – denn Lisvana verweigert die Heirat, wird aber vom verknallten Prinz Diego kurzerhand geklaut. Natürlich lassen sich das die übermäßig stolzen Nordländer nicht gefallen und sinnen auf blutige Rache. Und Lisvana tut in der Zwischenzeit alles, um dem liebeskranken Prinzen das Leben zur Hölle zu machen.

Das allerbeste an diesem Buch sind die eigensinnigen, schrägen Charaktere. Denn die kommunizieren nicht etwa in mittelalterlicher Formulierungswut miteinander, sondern auch gerne mal patzig und politisch unkorrekt. Und überhaupt landen sie mit schöner Regelmäßigkeit in den herrlichsten und aberwitzigsten Situationen, zumal Karen Duve ihren Figuren nichts erspart, aber für ihre Verhältnisse trotzdem recht liebevoll mit ihnen umspringt (verglichen mit dem "Regenroman" leben die quasi im emotionalen Schlaraffenland). Dramaturgisch gesehen hat die Geschichte permanent ein ziemliches Tempo drauf, weshalb wirklich auf keiner einzigen Seite Langweile zu befürchten ist.

Die entführte Prinzessin ist ein wildes, lärmendes Durcheinander mit grandiosen Einfällen und einer, wie ein Kritiker schieb "souveränen Heiterkeit", die unter aller Handlung liegt. A propos Kritiker, offenbar schlug man sich in diversen Tageszeitungen mit der Frage herum, ob dies denn nun "richtige Literatur" sei. Mein Gott, wenn das mal nicht scheißegal ist! Dieses Buch macht einen Heidenspaß und das, meine Lieben, sollte doch nun reichen.

Donnerstag, 12. März 2009

Stewart O'Nan: Die Speed Queen

Was für eine Idee: Insassin eines Todestrakts verkauft die Rechte ihrer Geschichte an Stephen King und beantwortet in ihren letzten Stunden vor der Hinrichtung dessen Fragebogen per Tonband.

Heraus kommt: ein atemloses Mosaik von Sex, Gewalt, Drogen und Schuld. Marjorie ist zum Tode verurteilt, weil sie mit ihrem Freund scheinbar sinn- und ziellos Menschen ermordet hat und auf der Flucht eine Blutspur quer durch die USA zieht. Den Titel Speed Queen verdankt sie den Medien, die über das Massaker berichten, denn die gute Marge steht auf den automobilen wie den chemischen Geschwindigkeitsrausch.



Aber wie wäre es, wenn ich ne kurze Pause nehme und den Autor ausnahmsweise mal selbst zu Wort kommen lasse (Auszug aus einem Interview): 
"Die Geschichte handelt davon, daß Stephen King die Rechte an der Lebensgeschichte der Erzählerin Margie gekauft hat. Er hat ihr einen Fragebogen geschickt, den sie in den Stunden vor ihrer Exekution durch eine Todesspritze ausfüllen soll. Hingerichtet wird sie für ihre Beteiligung an einer Reihe von Morden außerhalb von Oklahoma City während einer Spritztour auf der Route 66.

Margie erzählt ihre Geschichte Stephen King und erklärt ihm dabei auch, wie er sie so umschreiben soll, daß sie sich besser verkauft. Es ist ein wildes Buch, gefüllt mit dem Klassiker: Amerikas Unschuld gegen amerikanische Gewalttätigkeit. Die Kapitel sind manchmal nur ein oder zwei Sätze lang, es gibt 114 Kapitel, alles nur Antworten auf Kings Fragen und es geht unglaublich rasch voran, der Zeitablauf ist völlig chaotisch und der dramatische Endspurt furios. Das Buch ist angstmachend und gewalttätig und witzig."


Immerhin weiß er, was er kann, der Mister O’Nan. So hätte ich das jetzt nicht formuliert (auch wenn ich im Grunde eigentlich das gleiche gesagt habe), aber Die Speed Queen ist unbedingt ein must-read Buch. Es ist ganz zart, gleichzeitig unerträglich brutal, es erzählt von dem Drama, mit seinen eigenen Gefühlen heillos überfordert zu sein. Ich habe mehrmals gelesen, dass O’Nan sich schrittweise und extrem systematisch das Schreiben beigebracht hat. Das merkt man seinen Werken auch an, denn bald jeder Satz ist präzise, auf seine Wirkung bedacht, schnörkellos im besten Sinn. Wie der Kerl formuliert, das hat in seinen besten Momenten fast mit Bildhauerei zu tun.


Fehlt nur noch ein passender Soundtrack. Überflüssig zu sagen, dass sich irgendwelche klassische Roadmovie-Musik anbietet (irgendwas freiheitsvermittelndes) oder der Soundtrack von Natural Born Killers. Und – Ihr ahnt es – mindestens ein kaltes Bier. 

Mittwoch, 11. März 2009

Heinz Strunk: Fleisch ist mein Gemüse

Erstmal muss ich kurz ausholen. Also: Wenn Leute, die ich nicht mag, von einem bestimmten Buch begeistert sind (sofern sie überhaupt von Büchern begeistert sind), dann mag ich das Buch automatisch auch nicht. Das liegt daran, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass blöde, zickige, unfreundliche oder bösartige Menschen einen guten Buchgeschmack haben. Und wenn es sich dann auch noch um einen Super-Bestseller mit obligatorischer Verfilmung handelt, ist der Ofen gleich aus, denn diese Kombination ist einfach over the top.

Natürlich kann das betreffende arme Buch überhaupt nichts für meine engstirnige und intolerante Haltung, dennoch bin ich meinem Grundsatz „Blöde Leute = Blödes Buch“ bislang verbissen treu geblieben. Denn der Gedanke, dass jemand Bescheuertes etwas Tolles entdeckt hat, bevor ich es entdeckt habe, gefällt mir nun mal nicht (ja, mit Bands und Modetrends geht es mir ähnlich).

Weiter im Text. Als ich also letztens vor meinem Ausflug auf den Deich in der Bahnhofsbuchhandlung herumstreunte und die Feministin in mir entdeckte, vergaß ich über meinen gerechten Zorn die Zeit. Und auf einmal war ebendiese knapp und ich musste innerhalb von Minuten ein Buch adoptieren. Panik! Ich weiß nicht, was dann passiert ist, aber als ich aus meinem Tremor erwachte, saß ich mit „Fleisch ist mein Gemüse“ im Zug.

Und lachte vor mich hin. Richtig, ich habe in Gegenwart verdutzter Mitreisender zwei Stunden lang irre vor mich hin gekichert, obwohl ich mir vorgenommen hatte, dieses Buch niemals zu mögen. Weil es von so vielen blöden mir bekannten Leuten gemocht wird. Damit hätte ich um ein Haar einige der sensationellsten und lustigsten Sätze verpasst, die ich je gelesen habe.

Denn „Fleisch ist mein Gemüse“ ist ein fast konkurrenzlos komisches Buch. Diese großartige Art von Komik, die aus Tristesse oder Tragik erwächst. Heinz Strunks Formulierungen sind zuweilen dermaßen auf den Punkt, dass es weh tut, und den Protagonisten (allen voran dem Ich-Erzähler Heinz Strunk himself) bleibt nichts, aber auch wirklich gar nichts erspart.

Handlungsmäßig passiert nicht viel. Eine Landjugend mit Musik eben, wie der Untertitel verrät: Gnadenlos unehrgeiziger Erzähler kämpft sich durch die Wirren des Erwachsenwerdens als Saxophonist einer Tanzband, die auf Dorffesten und Silberhochzeiten spielt. Trotzdem liest sich das Buch ganz glatt am Stück weg, ohne jemals langweilig zu werden. Zu skurril sind sämtliche Charaktere, die darüber hinaus wunderbar detailreich ausgearbeitet sind. Klar, die ganz große Literatur ist das nicht gerade, aber darum geht es hier ja auch nicht. 

Na schön: Bücher, Bands und Schuhe können nichts dafür, wenn sie von jemandem geliebt werden, den man hasst. Die können sich das nun mal nicht aussuchen, die armen Dinger. Also haben auch Bestseller und Keilabsatz eine reelle Chance verdient. Aber wehe, es kommt jetzt einer mit Tokio Hotel...

Montag, 9. März 2009

Muschibücher

Passend zum gestrigen Weltfrauentag hier einige schlecht gelaunte und grob zusammen gezimmerte Worte zum Wochenanfang:

Heute hasse ich mal wieder etwas. Und zwar die so genannte „Frauenliteratur“. Während ich gerade bei Hamburg auf einem Deich sitze und warte, bis meine Kollegin nach mir verlangt, mache ich mir also einige womöglich überflüssige Gedanken um Hera Lind, Ildiko von Kürthy (oder so ähnlich) und Konsorten. 

Zusammenhang: Ich las mal vor einigen Jahren eine Kolumne, in der die Autorin sich über das „Freche Frauen“-Regal in ihrer Buchhandlung echauffierte. Ich zweifelte damals daran, dass es dieses Regal im realen Leben gibt. Ich meine... „Freche Frauen,“ wer macht denn so was (googelt mal den Begriff mit Bild und Text. Unglaubliche Ergebnisse. Da schämt man sich glatt seines Frauseins). Bis ich heute Morgen am Bahnhof, als ich mir gerade ein Reisebuch kaufen wollte, feststellen musste: Ja! Es existiert!

Schön, nun heißt das Regal nicht überall explizit „Freche Frauen“ (was mich unwillkürlich an rosige Damen über 40 mit frechen roten Strähnchen in der stachligen Kurzhaarfrisur erinnert, die bunte Brillengestelle und ¾-Cargohosen tragen und von sich behaupten, sie seien ein bisschen verrückt). Manchmal heißt das Regal auch „Die moderne Frau“ oder eben „Literatur für Frauen.“ Das Etikett wechselt, der Inhalt bleibt. In der Bahnhofsbuchhandlung inspizierte ich es also auf seinen Inhalt und fand einen gut abgehangenen Mix aus Diätbüchern, Psychologie-Ratgebern und den Werken oben genannter und anderer Damen. 

Und das ist jetzt intellektuelles Futter für die freche Frau oder was. Weil die freche Frau ja auch im Jahr 2009 immer noch nichts besseres zu tun hat, als auf die Anrufe irgendeines Typen zu warten oder sich für ebendiesen mit Abführpillen zu kasteien. Zudem sollte sich die freche Frau offenbar keinesfalls mental belasten. Nein, nein, nein. Nicht, dass sie am Ende noch Simone de Beauvoir liest, oder sogar Jane Austen. Im Grunde hat ja die freche Frau auch gar keine Lust auf Beauvoir oder sogar Austen. Stattdessen wiegt sie sich lieber zwölf Mal am Tag und suhlt sich in einer viel versprechenden Assistentenstelle mit schönem Chef. Wegen dem sie dann schließlich Liebeskummer hat, eine ganz neue Hollywood-Diät macht und Psychologie-Ratgeber konsultiert. Gut, dass die im Frauenregal schon bereit stehen! Am Ende wird dann doch alles feini, denn dass der schöne Chef mit der noch frecheren Freundin der frechen Frau geschlafen hat, war nur ein grobes Missverständnis, oh ja!

Nein, natürlich lese ich nicht permanent schwer verdauliches Zeug in ranzigen Cafes, während ich einen schwarzen Rolli trage und ununterbrochen rauche und über den französischen Film diskutiere. Alles was ich will ist, dass wir Weiber nicht von Muschibüchern gehirngewaschen und weichgespült werden. 


*gibt das Mikro ab und verlässt die Bühne mit erhobener Faust*

Donnerstag, 5. März 2009

Shortlist: Medea





So, dies ist ein Tag, der etwas mehr Tiefe vertragen kann. Deshalb darf sich die heutige Shortlist auch mit einem einzigen Sujet beschäftigen. Drei Werke möchte ich Euch kurz hinterherschmeißen, deren Autoren sich des Mythos Medea angenommen haben. Ich will jetzt kein Gejammer hören, weil zwei Reclam-Hefte darunter sind und Euch das an den öden Deutsch-Grundkurs erinnert. Es lohnt sich, das Trauma der gelben Heftchen zu überwinden und dem Inhalt eine Chance zu geben. Ich verkneife mir auch sämtliche überflüssige Intellektualität, versprochen.



Euripides: Medea (431 v. Chr.)
Zuerst einmal hätten wir da den Ursprung, die Medea des guten alten Euripides. Es ist unglaublich, wie aktuell das Werk – in Relation zu seinem Alter gesehen – ist: Gekränkte Frau rächt sich an untreuem Ehemann und dessen neuer Freundin, indem sie die Neue, deren Vater und schließlich auch die beiden gemeinsamen Söhne töten lässt. Gut, nun ist es heutzutage unter betrogenen Ehefrauen nicht üblich, Leute umzubringen. Aber die Dynamik "Mann schnappt sich eine jüngere mit reichem Vater, Frau kann gucken, wo sie mit den Kindern bleibt", die hat Euripides fesselnd eingefangen.



Hans Henny Jahnn: Medea (1926)
Spulen wir ein paar Jahrhunderte vor und landen bei Hans Henny Jahnn im Jahr 1926. Seine Medea ist ganz bestimmt nichts für zarte Gemüter. Hier wird gemordet, intrigiert und gelogen, dass die Balken krachen. Ein nicht unwesentliches Detail: Medea ist bei Jahnn eine Schwarze, um ihr Fremdsein auch nach außen auszudrücken, denn sie ist ihrem Ehemann zuliebe überhaupt erst in dessen Heimat gekommen. 

Während Medea ganz normal altert und verzweifelt mit ihrer Hässlichkeit hadert, verfügt Jason über das Privileg der ewigen Jugend. Darüber hinaus ist der Mann schwul, oder besser gesagt, er ist bisexuell, inzestuös veranlagt und ganz enorm triebhaft, was in der derben Sprache des Stückes sein Echo findet. Kein Wunder, dass Jahnn in der nationalsozialistischen Presse als Kommunist und Pornograph verschrien war (Homosexualität! Inzest! Verstümmelung!). 

Eigentlich muss man diese Medea auf der Bühne sehen, um ihre Kraft zu begreifen. Darüber hinaus macht es unheimlich Spaß, spontan ein paar Passagen in der Öffentlichkeit laut zu zitieren. Sorgt immer wieder für unnachahmliche Gesichtsausdrücke.



Christa Wolf: Medea. Stimmen (1996)
Wo eine betrogene Ehefrau ist, da ist die feministische Literatur nicht weit. Ich muss ehrlich sagen, ich mag Christa Wolfs Medea von den dreien am liebsten. Hier ist Medea keine Täterin, die ist das Opfer der sie umgebenden Intrigen. Und außerdem eine wahnsinnig starke und kluge Frau. Ihre Geschichte wird aus dem Blickwinkel sechs verschiedener Protagonisten erzählt. Ein Mosaik, aus dem sich der rote Faden entspinnt. 

Außerdem kommt Medea einen politischen Geheimnis auf die Spur, das ihr letzten Endes zum Verhängnis wird. Ein Wort auch über Jason, denn bei Wolf ist er nun nicht zwangsläufig der Böse, sondern vielmehr ein emotional verwirrter, schwacher und deshalb nutzloser Mann, der keine Eier in der Hose hat (also im übertragenen Sinn). Ob Medea am Ende die Kinder umgebracht hat oder nicht? Darauf wird hier eine ganz neue Antwort gefunden.

Montag, 2. März 2009

Das Literarische Quartett und die Lust

Guten Abend, liebe Freunde.

Der erste Eintrag im meteorologischen Frühjahr und schon habe ich keine Zeit für Euch. Deshalb muss an meiner statt die illustre und berüchtigte Runde des literarischen Quartetts für Lesetipps sorgen.

Ausgesucht habe ich eine nunmehr zwanzig Jahre alte Folge, damit Ihr Euch (wenn Ihr wie ich oberflächlich seid) nebenbei über Frisuren und Gewänder amüsieren könnt, während Ihr aufmerksam der wirklich interessanten Debatte lauscht. Gegenstand der Diskussion ist Elfriede Jelineks "Lust" – das intellektuell anspruchsvolle Werk sei der würdige Gegenpart zur Leichtgewichtigkeit dieses Beitrags. Ich selbst sage über das Buch an dieser Stelle einmal gar nichts; ich wette fast, dass die Altmeister das diesmal fesselnder gestalten.