Donnerstag, 19. Februar 2009

Tu's nicht, J.R. Ward!


Ein unerschrockener Leser stößt zuweilen auch mal auf ein Buch, das heftige Abneigung in ihm hervorruft. Das ist jetzt ziemlich höflich formuliert. Nein, ich mache mir lieber ein paar Feinde und bekenne unmißverständlich: Ich kann diese Serie nicht leiden!

J.R. Ward hat eine Vampir-Serie entworfen, von der es mittlerweile mindestens 9 überflüssige Bände gibt. Alles dreht sich um die Bruderschaft der Black Dagger. Das ist eine Art Kriegerkaste, die die verbliebenen Vampire vor der Ausrottung durch die Geheimgesellschaft der "Lesser" bewahren soll (die früher einmal bösartige Menschen waren, und deren Leben jetzt in der Vernichtung der Vampire besteht). Und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt.

Ich will zwar nicht fair sein, muss aber trotzdem zugeben, dass die Welt, die J.R. Ward da aufbaut, in ihren Grundstrukturen durchaus Potential hat. Das leider komplett zunichte gemacht wird durch die unsäglichen Charaktere, die eindimensionaler und berechenbarer kaum sein könnten.


Die Gleichung funktioniert immer folgendermaßen (und ich habe mich durch die ersten vier Bände geackert, um mir ein Urteil bilden zu können):

- Der Vampir-Krieger trägt grundsätzlich Lederklamotten und irre viele Waffen, ist mindestens zwei Meter groß und hat einen riesigen Penis. Anfänglich muss er unbedingt knallhart und absolut unnahbar auftreten

- Dann trifft er eine Frau, die zufällig in einer ausweglosen Situation ist (todkrank, depressiv, pleite), aus der sie prima gerettet werden kann. Der Vampir-Krieger verliebt sich in diese Frau, was ihm nicht passt, denn er gestattet sich natürlich keine Gefühle. Aber die sexuelle Anziehungskraft der Frau ist unglaublich, und sie landen miteinander im Bett

- Anschließend finden viele sensationelle Liebesnächte mit unzähligen Orgasmen statt. Bester Sex ever. Feuerwerk und Fanfaren.

- Die anderen Krieger sind erst gegen die Frau (klar, die sind ein Männerverein und hören außerdem ständig ohrenbetäubenden Gangsta-Rap), akzeptieren sie aber später doch

- Zwischenszenen: große Gefahr, blutige Kämpfe, Entführungen, Intrigen, es stirbt auch mal einer, es muss ordentlich gelitten und gefightet werden

- Schluss: die Hauptpersonen überleben, man hat wieder dramatischen Sex und ist für immer glücklich


Jetzt mal ehrlich, wie sieht denn bitte die Zielgruppe für diese Schmonzetten aus! Valiumsüchtige Hausfrauen mit unerfüllten Bedürfnissen? Wer liest denn Namen wie "Rhage" oder "Tehrror" (das soll kriegerisch und bedrohlich klingen) und macht sich dabei nicht vor Lachen in die Hose? 

Nein, das will ich nicht verstehen. Und Du, amerikanische Autorin Lara Adrian, kopierst den Kram auch noch. Wobei man Dir nicht vorwerfen kann, dass Deine Kopie schlechter wäre als das Original. Denn das Original ist schon schlimm genug.


* Flüsterstimme an* 
Ja, ich gebe es zu, ich habe eine Vorliebe für phantastische Literatur. Aber das ist eine persönliche Schwäche und soll auf die angestrebte Vielfalt hier keinen Einfluss haben.
*Flüsterstimme aus*

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