Montag, 23. Februar 2009

Shortlist

Es gibt Bücher, über die wurde schon so viel geschrieben, hergezogen und daran herum analysiert, dass ich hier nicht auch noch den letzten Fitzel von ihnen sezieren möchte. Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen, Ihr wisst schon. Aber trotzdem sind sie gut und verdienen noch mehr Leser.

Und es gibt Bücher, die ich unbedingt unters Volk bringen möchte, aber nicht die Zeit habe, Euch ausführlich und penetrant damit zu beackern.

Kurz gesagt, Klassiker oder solche, die es sein sollten.

Deshalb gibt es ab heute die "Shortlist". Hier könnt Ihr Euch auf die Schnelle ein paar Vorschläge abholen – so ähnlich wie Fast Food (wetten, dass gleich einer um die Ecke kommt und mich mit erhobener Braue darauf hinweist, dass Fast Food als solches einen verachtenswerten Verfall der Esskultur darstelle und überhaupt die jüngere Generation keinen Sinn für das Schöne mehr habe).




1. John Irving: Das Hotel New Hampshire
Überaus wilde Familiengeschichte, in der folgende Dinge eine tragende Rolle spielen: Hotels, Inzest, Huren, Bären und Anarchisten, Kummer und Fenster, Träume und Vergewaltigungen. Ein Kritiker sagte, das Buch läse sich, als hätten die Gebrüder Grimm und die Marx Brothers zusammen einen draufgemacht. Stimmt. 







2. Karen Duve: Regenroman
Grandioses Debüt für alle, die sich mal so richtig ekeln wollen. Ein essgestörtes Model und ein widerlicher Schriftsteller ziehen in ein Haus auf dem Land, das ein Feuchtigkeitsproblem hat. Überhaupt hat alles ein Feuchtigkeitsproblem. Dauernd regnet es, alles ist schmierig, und dann tauchen auch noch bedrohliche, testosteronschwangere Kiezgrößen auf, die ebenfalls an Widerlichkeit nicht sparen. Ganz, ganz krasse und brachial-deutliche Sprache, heftige Charaktere. Dieses Buch geht tief. Wow.





3. Alan Bennett: Die souveräne Leserin
Oh, wie schön, möchte man rufen. Absolut reizender Roman über die Queen, und wie diese ihre Liebe zur Literatur entdeckt (Die königlichen Hunde sind schuld! Die büxen nämlich aus und kläffen ganz unerzogen einen Bibliotheks-Bücherbus an, in dem sich die Queen dann aus Höflichkeit ein Buch ausleiht). Mit der Literatur findet die Monarchin auch einen liebenswerten und bald unverzichtbaren Lesegenossen, was aber ihrem Beraterstab so überhaupt nicht gefällt und darüber hinaus das Volk verwirrt. Wunderbar amüsant, liebevoll und mitten in die Seele eines jeden obsessiven Lesers.






Entschuldigung für das grässliche Layout. Leider ist Geduld gerade nicht auf Lager.


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