Montag, 16. Februar 2009

Neil Gaiman: Coraline



Zum wiederholten Mal fällt mir auf, dass ich Neil Gaiman heiraten muss. Gut, der ist fast zwanzig Jahre älter als ich, aber in dem Fall würd ich eine Ausnahme machen, denn der Mann verfügt über ein komplettes Paralleluniversum in seinem Kopf (und ist für sein Alter ne verdammt heiße Schnitte). Es ist überhaupt nicht zu fassen, wie komplex und mitreißend das Gehirn dieses Kerl funktioniert: Jedes Mal, wenn ich ein Buch von ihm lese, verknalle ich mich unwiderruflich. Tja, das bleibt dann wohl ne einseitige Liebe, denn man darf davon ausgehen, dass Neil Gaiman mehr als einen Fan hat, natürlich zu Recht. Soweit der Pegelstand meiner Hormone, jetzt aber zum Thema.

"Coraline is the real thing!" jauchzt ein Kritiker, und wieder landet ein schöner Leckerbissen der ehrwürdigen New York Times-Bestsellerliste auf meinem Tisch und möchte Euch ans Herz gelegt werden. Was besonders schwierig ist, da sich die Magie dieses Buches fast unmöglich in Worten beschreiben lässt (jaja, zu viel Überschwang, nicht professionell blablabla). 

Aber da es gerade ganz reizend verfilmt wurde ("Desperate Housewive" Teri Hatcher spricht die other mother. Geil.) und ich damit eine gewisse Aktualität nicht leugnen kann, versuche ich es trotzdem.

Erstmal zum Inhalt: Coraline ist ein kleines Mädchen, das mit seinen Eltern in den Sommerferien in eine neue Wohnung zieht. Sie ist eines dieser Kinder, die sich ratzfatz langweilen und ihren arbeitenden Eltern auf die Nerven gehen. Die wiederum empfehlen ihr ständig, doch lieber mal das neue Haus und den Garten zu erkunden – und das tut Coraline dann auch. Doch das Spannendste, was sie außer diversen schrägen Nachbarn findet, ist diese Tür im Salon der Wohnung, die nirgends hinführt, nur auf eine Steinmauer. Damit scheinen alle Geheimnisse des neuen Zuhauses gelüftet.

Aber (jetzt kommt's, das ABER): Einige Tage später kommt Coraline wieder an dieser ominösen Tür vorbei, und diesmal steht sie einen Spalt offen. Klar geht Coraline hindurch. Und kommt durch einen dunklen Flur in eine exakte Kopie der eigenen Wohnung. Mit dem Unterschied, dass hier alles ein bißchen aufregender und toller und spannender ist als Zuhause, und auch die Paralleleltern sind übercool. Natürlich würde die abenteuerlustige Coraline am liebsten für immer in der Parallelwohnung bleiben. Bis sie merkt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht – oder besser gesagt, wahnsinnig unheimlich ist – und die Flucht zurück nach Hause ergreift.

Nur um festzustellen, dass in der anderen Wohnung ihre Eltern verschwunden und nirgends mehr aufzufinden sind. Coraline muss zurück ins Parallelhaus, um die beiden zu retten. Und begegnet dort beängstigenden Gestalten und ihren schlimmsten Albträumen...


Jetzt wisst Ihr in etwa, was in "Coraline" drin steht. Was Ihr aber nicht wisst ist, WIE es drin steht. Neil Gaiman, sowieso bekannt für seine unglaublich überbordende Fantasie, hat sich eine Art bizarre, beängstigende, magische Alice im Wunderland-Story ausgedacht. Dieses Buch ist so atmosphärisch, dass man schon auf den ersten Seiten vergisst, dass es sich eigentlich um ein Kinderbuch handelt (dieses Kind möchte ich sehen, das nicht nach der Lektüre von "Coraline" höllische Schlafstörungen entwickelt). Spooky.

Ich kann wirklich nur empfehlen, das Ding im Original zu lesen. Das klappt auch bei Englisch-Grundkenntnissen fast ohne Wörterbuch. Ich kenne die Übersetzung nicht, kann mir aber schwer vorstellen, dass sie Neil Gaimans Sprache in diesem speziellen Fall einzufangen vermag.

Aber egal, Hauptsache, Ihr lest dieses Buch. Auf jeeeeden Fall vor dem Film konsumieren. Ich kann zwar jetzt hier viel behaupten, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man dieses Werk nicht mögen kann.


P.S. Nach der Lektüre werden Knopfaugen nie mehr nur Knopfaugen sein.






1 Kommentar:

Anonymous hat gesagt…

"20 Jahre älter? That´s the way it might work", ratschlagt your beloved neuro-sis.