Freitag, 27. Februar 2009

Mark Haddon: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Mann Mann Mann, das wird jetzt schwierig. Zum einen ist das vorzustellende Buch ein internationaler Bestseller. Da bin ich zwiespältig, denn am liebsten möchte ich Bücher selber entdecken und das Gefühl haben, ich hätte ganz alleine einen Schatz gehoben. Wenn man Bücher der Bestsellerliste liest, nachdem sie auf ebendieser standen, fühlt man sich so verdammt mainstream. Und zum anderen habe ich etwa 12 Liter Kaffee intus. Ich trinke sonst keinen Kaffee.

Aber da ich "Supergute Tage" innerhalb der letzten 24 Stunden komplett von vorne bis hinten gelesen habe und das ja nicht passiert wäre, wenn mich das Buch nicht außerordentlich gefesselt hätte, gebe ich alles und lege Euch das Mark Haddons Werk inbrünstig und mit flammendem Blick ans Herz. Ich habe zur Vorbereitung mal in einige andere Rezensionen reingeschaut und gleich wieder weggeklickt, denn die klangen alle so schlau und einschüchternd.

Hier meine subjektive und amateurhafte Meinung (aber immerhin: ich bin studierte Literaturwissenschaftlerin, oh ja! *blasiert guckt*). "Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone" ist eigentlich gar kein Roman. Denn der 15-jährige Christopher Boone höchstselbst schreibt das Buch, und da er an einer leichten Form von Autismus leidet, hat er keinen Sinn für Intuition oder die Gefühle anderer Menschen: Romane und ihre seltsamen Gefühlsverwicklungen findet er ziemlich verwirrend. Ihm geht es vielmehr darum, einen Ermittlungsbericht zu verfassen – der Nachbarshund Wellington wurde mit einer Mistgabel erstochen und Christopher macht es sich zur Aufgabe, den Tiermörder ausfindig zu machen.

Das ist eine ganz schön große Aufgabe, denn Christopher ist, sagen wir mal, mit diversen nicht gerade alltagskompatiblen Eigenheiten ausgestattet. Er hasst die Farben Braun und Gelb, isst kein Essen, dass sich auf dem Teller berührt, möchte auf keinen Fall mit Fremden reden und erst recht nicht von irgendwem angefasst werden. Dafür liebt er Primzahlen, kennt alle Länder der Welt mit ihren Hauptstädten und besitzt eindrucksvolle mathematische Fähigkeiten.

Seine Ermittlungen führen Christopher von der englischen Kleinstadt Swindon hinaus in die Welt – und das, obwohl er normalerweise schon den Weg die Straße hinunter als Abenteuer empfindet. Und ganz nebenbei lüftet der autistische Meisterdetektiv auch noch das Geheimnis um den Tod seiner Mutter...

Mark Haddon hat ein einzigartiges, warmes und sehr kluges Buch geschrieben. Es behandelt Christophers Eigenheiten mit Respekt und einer guten Portion trockenen Humors und ist darüber hinaus im besten Sinne verspielt, denn Christopher neigt dazu, seine Gedanken mit Skizzen zu erklären, die ziemlich lustig und dabei zuweilen ganz schön interessant sind. Diese Details (wie auch zum Beispiel die Idee, sämtliche Kapitel in Primzahlen zu nummerieren) machen das Lesen zur reinen Freude.

Aber ganz klar, darauf muss man sich einlassen. Ich habe neulich einige Beschwerden von Autisten gelesen, die besagten, das Buch sei nicht authentisch und würde die Störung (nennt man das so?) in einem falschen Licht darstellen. Andere Betroffene hingegen fühlen sich sehr gut wiedergegeben. Ich finde: "Supergute Tage" ist ein Roman und kein Sachbuch, deshalb muss es auch keinen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen sondern genießt gewisse schriftstellerische Freiheiten. Da muss sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Ich empfehle, das Buch an einem warmen Frühlingstag im Park zu lesen, während man Eistee trinkt und De La Soul hört.




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