Mittwoch, 25. Februar 2009

Jeff Long: The Descent

Es gibt viele zornige Menschen da draußen, die dem Verlag und dem Lektor und dem Übersetzer der deutschen Ausgabe von "The Descent" gerne mal die Meinung tuten würden. Die germanisierte Version des Buchs heißt "Im Abgrund" –  glaubt man jedoch den recht zahlreichen aufgebrachten Lesern, sollte man es unbedingt im englischen Original konsumieren, denn der deutsche Verlag hat es sich nicht nehmen lassen, sinnvolle Textpassagen rabiat zusammenzustreichen, um der Geschichte möglichst viel Kitt zu rauben. Womöglich hatte der Lektor oder der Übersetzer oder beide einfach gar keine Lust und nebenher im Internet geshoppt oder am Telefon Beziehungsprobleme gewälzt (oder der Lektor und der Übersetzer sind ein Paar und haben sich zu einem gemeinsamen diabolischen Plan zusammengetan. Oder sie sind eine einzige, lustlose Person). Wie auch immer, das Buch ist trotz allem ohne Frage sehr, sehr gut.

Und wer mit den epischen Bildern einer Donna Tartt so gar nichts anfangen kann, mag hier vielleicht seinen heiligen Gral finden, denn "The Descent" geizt wahrlich nicht mit haarsträubenden Spannungsmomenten. Hier wird fabuliert, was das Zeug hält – zuweilen knapp an der Grenze zur Glaubwürdigkeit, aber das macht gar nichts, denn der Unterhaltsamkeit der Geschichte tut es keinen Abbruch.

Zur Handlung (endlich!): Der Himalaya-Bergführer Ike Crocket sucht bei einem Unwetter mit seiner Gruppe Schutz in einer Höhle, deren Eingang kurz darauf vom Schnee verschüttet wird. In ihrem ungastlichen Bergdomizil finden die Abenteuerlustigen einen leblosen, offenbar sehr alten Körper, der mit rätselhaften Tätowierungen verziert ist. Weil es erstmal nichts anderes zu tun gibt, bemühen sich einige Gruppenmitglieder mit mäßigem Erfolg, die Tätowierungen zu dechiffrieren. Auf der Suche nach einem Ausgang aus der Höhle stoßen Ike und seine Schäflein auf ein weitverzweigtes Tunnelsystem, das immer tiefer in die Erde hineinzuführen scheint. Ike wird von der Gruppe getrennt und stößt weit in die Tunnel vor. Um wenig später fast die ganze Bande ermordet vorzufinden. 

Ich würde jetzt zu gerne mehr verraten, aber ich muss leider inständig hoffen, dass dieser Teaser ausreicht, um neugierig auf "The Descent" zu werden. Ich will hier natürlich (wenn auch zähneknirschend) keine Spannung vorwegnehmen, deshalb fasse ich mich ausnahmsweise mal kompakt und sage nur: Liebe Güte, ist das unheimlich! Diese Phantasie, diese Charaktere, diese Cliffhanger...ein ganz großartiges Buch zum nächtlichen Unter-der-Decke lesen, am besten noch mit Taschenlampe, während draußen der Wind um die Häuser pfeift. Soundtrack: irgendwelche Trommeln. Und schon traut man sich nicht mehr alleine in den Keller.

Na gut, eine kleine Info kriegt Ihr noch: Fans von Frank Schätzings "Der Schwarm" werden von Jeff Long ganz bestimmt nicht enttäuscht sein.


Kommentare:

chris keller hat gesagt…

Hi,

hört sich super spannend an. Werde ich mir wohl besorgen. Ein lob von Jon Krakauer zält bei mir viel. Hast du seine Bücher gelesen?

In eisige Höhen ist toll und into the wild is ja letzes Jahr verfilmt worden...

lizzz hat gesagt…

Der gute Jon Krakauer, den mag ich auch!

Ich hab Jeff Long grad nochmal auf Deutsch überflogen und bleibe dabei, am besten liest man das Buch im Original. Da fehlen wirklich ganze Passagen in der deutschen Ausgabe.

Viel Spaß beim Lesen!

chris keller hat gesagt…

Habs mir auf deinen Tipp in Englisch besorgt und genossen, ich kam am Anfang nicht so rein, weil der Autor sehr zwischen den Protagonisten zapped, dann aber hat es gefunkt und mich in den Leserausch gezogen, habe ein paar Termine verbaselt wegen dem Buch :) Englisch ist gut weil man dann nicht so schnell lesen kann.
Danke für die Empfehlung.