Dienstag, 24. Februar 2009

Donna Tartt: Die geheime Geschichte


Wer auf der Suche nach einem rasanten, extrem temporeichen Krimi mit irrsinniger Spannung ist, braucht hier gar nicht erst weiterzulesen. "Die geheime Geschichte" ist zwar eine Art Krimi, und ein brillant erzählter noch dazu, aber die Story kommt elegisch daher, wie ein ruhiger, unaufhaltsamer Fluss. Bevor wir uns mißverstehen: Ich liebe das. Die Geschichte entfaltet ihre Atmosphäre quasi in einem Langstreckenlauf.

Und darum geht es: Richard Papen kommt aus einfachen Verhältnissen. Geboren in einem kalifornischen Kaff, hat er keinen größeren Traum, als endlich die vertrocknete Öde zu verlassen und sich selbst neu zu erfinden. Und, oh Wunder, Richard ergattert ein Stipendium an einem College in Vermont, für ihn der Inbegriff einer anderen Welt. 

Eine unwiderstehliche Faszination übt eine Gruppe von fünf Studenten auf ihn aus, die bei dem sonderlichen Altgriechisch-Professor Julian Morrow eingeschrieben ist. Richard kann nicht anders, als unbedingt ein Teil der erlesenen Gemeinschaft werden zu wollen, was ihm schließlich auch gelingt. Aus seiner Sicht erzählt Donna Tartt das dekadent-skurrile Treiben der Studenten zwischen Homer und Alkohol, erzählt von der fieberhaften Suche nach einer wahren dionysischen Erfahrung – die in einem bestialischen Mord endet. Dieser Unfall löst eine Spannung zwischen den Freunden aus, an der die Gruppe nach und nach zerbricht und schließlich vollends die Kontrolle über die Situation verliert.

Donna Tartt brauchte sieben Jahre für ihr Erstlingswerk, darauf weisen Kritiker stets mit Signalfahnen hin (vermutlich aus Ehrfurcht über solch unfassbare Disziplin, die der Kritiker an sich meist nicht sein Eigen nennt, sonst wäre er schließlich Schriftsteller). Das wundert mich gar nicht, denn allein die Recherche muss Ewigkeiten gedauert haben. Dieser Genauigkeit und der Liebe zum Sujet ist es zu verdanken, dass der Roman seinen eigenen Kosmos erschafft, ein Universum aus saftigen Wäldern, staubigen Büchern und dem Geruch von Holzpolitur auf dunklem Dielenboden (gekonnt vermischt mit einem Hauch Kokain, Sex und einem steten Grundrauschen von Exzess).

Natürlich gibt es "Die geheime Geschichte" mittlerweile als Taschenbuch, doch ein Buch für kurzweilige Bahnfahrten ist das nicht: Perlen vor die Säue. Ich empfehle dazu Dunkelheit, Rotwein und irgendeinen Song von Massive Attack.



Kommentare:

Julius hat gesagt…

wollte mal Herzlichen Glückwunsch sagen zu deinem tollen Blog! Ich bin ja wirklich nicht jemand, der Bücher liest (eher nur anschaut), aber das ist hier wirklich kurzweilig! Und beeindruckend, wieviel du anscheinend so liest...

lizzz hat gesagt…

oh danke! das schmeichelt mir natürlich außerordentlich.

und womöglich liest du bisher keine bücher, aber irgendwann findest du hier vielleicht eines, von dem dir cover UND inhalt gefällt.

irgendwann krieg ich euch alle, har har...

Anonym hat gesagt…

Danke sehr an den Webmaster.

Gruss Daniela