Donnerstag, 19. Februar 2009

Arto Paasilinna: Der wunderbare Massenselbstmord


Wieder mal so ein Cover, dass ich dem Verlag gerne wütend vor die Füße schmeißen möchte. Was denken die sich denn dabei, ihre Bücher so reizlos zu gestalten. Na gut, das wird wohl mein ewiges Lamento bleiben.

Lieber spreche ich über den Inhalt des matschfarbenen Umschlages, der das Design auf der Stelle wieder rausreißt. Wer Arto Paasilinna, diesen überaus reizenden und unfassbar witzigen Finnen kennt, braucht an dieser Stelle gar nicht weiterzulesen, denn dann ist er ja bereits ein Fan. Paasilinna ist bekannt für seine direkte, sehr kraftvolle Sprache und seinen skurrilen, schwarzen, total unverblümten Humor.

"Der wunderbare Massenselbstmord", übrigens bereits 2002 erschienen, steht da in bester Tradition. Ausgerechnet am Johannistag, dem nordischen Fest der Freude und des Lichts, beschließt der konkursgeplagte Direktor Onni Rellonnen, sich das Leben zu nehmen. In einer alten Scheune findet er den idealen Platz zum Exitus – bevor er aber zur Tat schreiten kann, vernimmt er seltsame Geräusche aus dem Inneren. Vorsichtshalber schaut Rellonnen mal nach, und es gelingt ihm gerade noch, Oberst Kemppainen vom Strick zu nehmen, der sich just in derselben Scheune aus dem Leben verabschieden wollte.

Die gegenseitige Rettung in letzter Sekunde lässt die beiden Todessuchenden Freunde werden, und man beschließt, den Selbstmord noch ein Weilchen zu verschieben, das könne ja nicht schaden. Kemppainen und Rellonen stellen die These auf, dass es doch in Finnland viele weitere Suizidkandidaten geben müssen, mit denen man sich doch zu einer Interessengruppe zusammschließen könnte. Um nämlich gemeinschaftlich dem furchtbaren Leben zu entfliehen.

Und da beginnt er, der unerschrockene Roadtrip. Denn wenig später saust ein gemieteter Bus mit Dutzenden todessehnsüchtiger Finnen darin durch halb Europa, um ein würdiges Setting zum Ableben zu finden.


Man könnte ja nun meinen, ein Buch mit dem zentralen Thema Selbstmord wäre nicht gerade für Wintertage geeignet. Ist aber nicht so. Denn ganz ohne Kitsch, aus diesem Werk scheint die Sonne. Ich möchte mit Worten wie herzerwärmend, rührend, ultralustig um mich werfen. Diese Finnen, sie scheinen ein ganz spezielles Völkchen mit ausgeprägtem Hang zur Melancholie zu sein. Lernt man sie durch Arto Paasilinnas Romane kennen, möchte man sie glatt ganz feste umarmen (ich kenne selbst nur einen Finnen, aber der passt ganz prima in mein schubladenhaftes Denken).



Wer jetzt angefixt ist und noch mehr von Paasilinna lesen möchte (und das ist überaus wahrscheinlich), dem empfehle ich ganz besonders:

- Der Sommer der lachenden Kühe.

- Die Giftköchin.


Der Winter dauert einfach schon viel zu lange, und dies hier ist Schokolade zum Lesen.




1 Kommentar:

elin hat gesagt…

hört sich toll an. kommt dann also gleich mal auf die wunschliste.