Freitag, 13. Februar 2009

Adam Davies: Froschkönig


Eines vorweg: Der Klappentext bezeichnet dieses Buch als "Sex and the city für Männer". Das tut mir prompt in der Seele weh, denn nur weil die Geschichte in New York spielt und darin zynisch geliebt wird, tragen die Protagonisten noch lange keine Blahniks.

"Froschkönig" handelt von Stadt, Suff, Sex. Und eben von (der einzigen? großen?) Liebe, die sich der Ich-Erzähler Harry Driscoll, seines Zeichens unterbezahlter Verlagsassistent, ums Verrecken nicht eingestehen will. Dabei liebt er, und zwar seine Freundin Evie, seine Kollegin und großartige Freundin.

Das Dumme ist halt: Harry hasst Klischees, besonders das, das sich Liebe nennt. Statt dessen ergeht er sich in belanglosen Affären, hemmungslosem Saufen und kompromissloser Unfähigkeit in seinem gehassten Job. Bis Evie geht. Und zwar mit dem größten anzunehmenden Klischee.

"Froschkönig" ist einerseits eine zarte Geschichte mit großer Liebe zur Sprache und subtilen Zwischentönen. Andererseits ist sie hart wie Beton, häßlich wie die Realität und traurig wie das Leben. Adam Davies hält eine wunderbare Balance zwischen beiden Polen, ohne jemals selbst ins Klischee abzurutschen. Die Figuren sind nicht immer sympathisch – weil Menschen eben auch mal Arschlöcher sein können – aber Davies bleibt so nahe an seine  Protagonisten dran, dass Du einfach nicht anders kannst, als zutiefst mit ihnen zu fühlen.

Dieses Buch ist skurril, lustig und unendlich traurig. Um selbst ein Klischee zu bemühen: Es ist eine Liebeserklärung an New York, an die Literatur, an die Liebe.

Sobald man über die ersten Seiten hinweg ist, möchte man "Froschkönig" nicht mehr aus der Hand legen, und überhaupt habe ich selbst das Buch in einer Nacht durchgelesen. Es ging einfach nicht anders, denn ich musste wissen, wie es mit den Harald und Evie weitergeht. Ich sag Euch eines, wenn Ihr dieses Buch mit Liebeskummer lest, dann wird es Euch glatt noch mal das Herz brechen. Und wer vergessen hat, wie das eigentlich geht, das mit dem Fühlen, der findet beim Lesen vielleicht dieses Etwas wieder, das er verloren geglaubt hatte.

Um mal "High Fidelity" zu bemühen: Ich kann mir nicht vorstellen, mit jemandem befreundet zu sein, der dieses Buch nicht mag.


Soundtrack gefällig?



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