Freitag, 13. November 2009

Außer Haus.





Besucher der "Axt" heute bitte bei der Astronautenbar klingeln.

Dort sitzt sie mürrisch am Tresen und lamentiert.

Donnerstag, 12. November 2009

Podcast Literatur






Das wollte ich schon längst mal erwähnt haben, aber da ich zur Zeit bis zum Hals in Arbeit stecke, vergesse ich glatt alles. O Gott, was ein langweiliger Satz.

Jedenfalls: nebenan in der Astronautenbar gibt es ja regelmäßig den 5x2= Podcast von Benno und Kobi zu hören, und der beschäftigt sich jetzt schon zum zweiten Mal mit dem Thema Literatur. Lieblingsbücher und so.

Könnt Ihr Euch hier anhören!

Zum Thema Lieblingsbücher bereite ich derzeit ebenfalls was vor. Voll interaktiv und so. Außerdem schwebt die Option "Video-Axt" sachte im Raum und ich bin zu Gast in der Astronautenbar. Nicht, dass Ihr denkt: Boah, diese Axt macht ja so GAR NICHTS mehr, das faule Stück, schrecklich. Wer das glaubt, ist ein konsumwütiges passiv-aggressives Brot mit zu viel Zeit irrt. Ich mach nämlich, oh ja. *Rechtfertigungsmodus aus*

Jedenfalls, viel Spaß beim Hören.

Freitag, 6. November 2009

Lyrik zum Anfassen, Teil 8






Nicht unbedingt leichte Kost zum Wochenende: Die Todesfuge von Paul Celan.

Bin gestern beim Zeitverplempern Aufräumen in meinem Archiv drüber gestolpert und finde, abseits des Deutschunterrichts lohnt eine Auseinandersetzung mit dem Werk Celans unbedingt. Eine "multimediale Annäherung" versucht das Celan Projekt  auf der gleichnamigen Website – ich kann nur empfehlen, bei Interesse mal vorbeizuschauen. Wow, ich bin heute wahnsinnig seriös. Was soll's...die Literaturwissenschaftlerin in mir ist halt nicht totzukriegen.



Die Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Mittwoch, 4. November 2009

Und Lesen ist doch cool.






Wer sich gerade zu faul fühlt zum Selberlesen, oder sich komisch vorkommt, wenn er während der Arbeitszeit mit einem Buch erwischt wird, und darüber hinaus medienaffin veranlagt ist, dem möchte ich das folgende Projekt ans Herz legen.

Auf Liebestänze lesen allerlei Menschen jeweils eine Seite des gleichnamigen Romans von Rainer Schmidt. Dabei kann man ihnen nicht nur zuhören, sondern auch zugucken. Paul van Dyk bis Benjamin von Stuckrad-Barre : die Liste der Vorleser ist lang und bunt.

Hübsch, das.

Über den Roman als solches kann ich nichts sagen. Es ist natürlich möglich, dass das ganze Projekt eine schöne Seifenblase mit entsprechendem Inhalt ist, aber ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen (übrigens meine Lieblingsphrase aller Zeiten).

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Schlechten Appetit.





Ich bin mir sehr wohl darüber bewusst, dass meine Hasszyklen stetig kürzer werden. Aber das machen die Tage derzeit ja auch, und keiner wirft es ihnen vor. Also fühle ich mich ganz im Recht, wenn ich verkünde: ich habe einen neuen Aufreger gefunden!

Es gibt immer einen Grund, sich zu echauffieren – das sollte nicht als Pessimismus verstanden werden! Sondern eher als therapeutisch sinnvolle Kanalisierung diffuser negativer Gefühle. Das hätten wir geklärt, ich fühle mich frei.

Heute bin ich vielleicht sogar interdisziplinär unterwegs, denn meine Hassobjekte gibt es nicht nur in Buch- sondern auch in Fernsehform (die allerdings die Buchform erst ermöglicht, will ich anmerken): Kochsendungen und alle daran teilnehmenden Köche sowie die scheußlich jovialen Kochbücher, die damit einhergehen.

Es ist schlimm genug, dass Kochmarathons die neuen Gerichtssendungen sind. Überall wird pochiert, sautiert, werden Zucchinibetten liebevoll aufgeschüttelt. A-l-l-e-s muss selbst gemacht werden, gell Schatzi, weil doch in den Fertigprodukten Chemie drin is’. Und wie der Lichter das immer so drollisch präsentiert, härrlisch! Wenn’s den Lichter net gäb, das Fännsehn müsste den erfinden! Des is noch ein Original!

So, is gut jetzt.

Jedenfalls war ich kürzlich in einer gut sortierten Buchhandlung unterwegs, um mir ein ordentliches und unaufdringliches Koch-Lehrwerk zu beschaffen. Und fand mich am Ende umzingelt von Fernsehköchen. Jede popelige Küchensendung bringt ein eigenes Kochbuch raus. Jeder popelige Koch legt noch ne Biographie nach. Eine unaufhaltsame Lawine aus Pseudokultur und Bratensoße, garniert mit total lustigen Anekdoten aus dem Leben der Halbgötter Küchenchefs in weiß. Und dass Deutschland so unglaublich viele Sterneköche hat, die ihre wahre Erfüllung nur vor der Kamera finden, war mir auch nicht klar.

Für mich persönlich ist das Schlimmste daran der Schnauzbart von Horst Lichter. Wer will denn so was auf einem Kochbuchcover sehen. Das ist doch eklig. Verdirbt diese exaltierte Schenkelbürste nur mir den Geschmack? Wenn ich mir vorstelle, wie da die Reste von der Schweineschwarte drin verrotten: Horror. Aber er ist halt so witzisch.

Könnt ihr mir ein fernsehfressenfreies Kochbuch empfehlen, liebe Leser? Dann raus damit.

Mahlzeit,
Eure Axt

Shortlist, Teil 3









Eine Rubrik, die ich eigentlich regelmäßig bestücken wollte. Wenn ich nicht vergessen hätte, dass es sie gibt. Aber jetzt ist sie mir ja wieder eingefallen, und deshalb serviere ich im Anschluss diese beiden Snacks:


Haruki Murakami: Gefährliche Geliebte.

Ich lese derzeit permanent Murakami, weil ich Trost brauche. Gefährliche Geliebte allerdings fällt da ein wenig aus der Reihe. Grob gesagt, geht es darum, dass der Protagonist sich als Kind in seine beste Freundin verliebt, sie dann aus den Augen verliert, aber nicht vergessen kann. 25 Jahre später taucht die Frau urplötzlich wieder in seinem geordneten Leben auf und wirbelt es gehörig durcheinander. Der Held hat inzwischen Frau und Kinder und gerät in ein herzhaftes Gefühlschaos. Murakami entwirft hier ein meines Erachtens recht teeniehaftes Bild von der perfekten Seelenverwandschaft, das in seiner unreflektierten Naivität nie wirklich berührt. Es gibt ein paar gelungene Sexszenen. "Gefährlich" ist aber was anderes.


Jeffrey Eugenides: Middlesex.

Ein Bestseller, der es verdient. Tatsächlich wünscht man diesem Buch, dass es von vielen Menschen gelesen und geliebt wird. Ich persönlich mag solche Mehr-Generationen-Familienporträt Romane gar nicht, aber Middlesex ist ein Juwel. Eugenides erzählt so warmherzig, humorvoll und präzise, dass es eine reine Freude ist. Handlungsfäden werden sorgfältig verwoben und verknüpft, an Bizarrem wird nicht gespart, und auch nicht an sauberer Recherche und großer Liebe zu den Figuren. Ach ja, der Plot: Calliope leidet unter einem seltenen Gendefekt – sie wird als Mädchen geboren und erzogen, aber ihr Hormonhaushalt ist der eines Mannes. Bis außer ihr selbst jemand merkt, dass da etwas nicht stimmt, vergehen Jahre der Ungewissheit und Identitätsdiffusion. Eugenides erzählt Calliopes Schicksal sehr feinfühlig von der Wurzel an, und das auch noch richtig spannend.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Diarrhea autobiographica




Der Bestsellerautor bei einer Lesung an der Schniedelheimer Bratzenuniversität.



Eigentlich habe ich diesen Eintrag einst sehr viel freundlicher und toleranter begonnen. Doch dann merkte ich, dass ich richtig miese Laune habe. Also:

Wieso glaubt eigentlich jeder narzisstische, profilneurotische, verbalinkontinente „Promi“ (hier bitte verächtlich auf den Boden spucken), dass er unbescholtene Leser mit seiner Autobiographie belästigen darf? Ach, stimmt ja: weil sich damit eine Menge Kohle verdienen lässt.

Also noch mal: Was ist eigentlich los mit diesen stumpfhirnigen Trotteln, die Stefan Effenbergs oder Daniel Küblböcks Bücher kaufen? Oder Bushidos selbst gelesenen (!) Hördurchfall? Es ist schon in der Theorie widerlich, Naddels erste sexuelle Erfahrungen en detail zu konsumieren. Ich will auch nicht wissen, ob Dieter Bohlen als Kind die Unterwäsche seiner Großmutter als Kopfschmuck getragen hat oder dass David Beckham den Tod seines Hamsters nie wirklich überwand.

Und ja, Verlage und Autoren gehen sich grundsätzlich gegenseitig an die Wäsche – beide Parteien machen ein gutes Geschäft, der Verlag vergießt Freudentropfentränen im Angesicht der Verkaufszahlen und der „Promi“ darf sich per schriftstellernder Psychowichserei noch mal bestätigen, dass er es ja doch zu was gebracht hat im Leben. 


Bevor er dann im Dschungelcamp sein Gnadenbrot erhält.




Dienstag, 20. Oktober 2009

Deutscher Buchpreis

Kathrin Schmidt hat für Ihren Roman "Du stirbst nicht" den Deutschen Buchpreis bekommen.

Hat hier jemand das Buch gelesen und mag ein paar Worte darüber verlieren?

Ich hab es natürlich wieder nicht gelesen – ich komm einfach nicht hinterher. Puh.


Donnerstag, 15. Oktober 2009

Lyrik zum Anfassen, Teil 7








Ich habe keine Ahnung, ob ich wirklich schon bei Teil 7 angelangt bin. Ist eher so eine grobe Schätzung.




Heute gebe ich Euch ein Gedicht von Ingeborg Bachmann mit in den Tag. Es passt zum Winter, zum Aufwachen in der Morgendämmerung. Ein Katalysator für Melancholie.




Dunkles zu sagen

 Wie Orpheus spiel ich
 auf den Saiten des Lebens den Tod
 und in die Schönheit der Erde
 und deiner Augen, die den Himmel verwalten,
 weiß ich nur Dunkles zu sagen.

 Vergiß nicht, daß auch du, plötzlich,
 an jenem Morgen, als dein Lager
 noch naß war von Tau und die Nelke
 an deinem Herzen schlief,
 den dunklen Fluß sahst,
 der an dir vorbeizog.

 Die Saite des Schweigens
 gespannt auf die Welle von Blut,
 griff ich dein tönendes Herz.
 Verwandelt ward deine Locke
 ins Schattenhaar der Nacht,
 der Finsternis schwarze Flocken
 beschneiten dein Antlitz.

 Und ich gehör dir nicht zu.
 Beide klagen wir nun.

 Aber wie Orpheus weiß ich
 auf der Seite des Todes das Leben
 und mir blaut
 dein für immer geschlossenes Aug.
                  




Dienstag, 13. Oktober 2009

Druckfrisch, das "junge" Büchermagazin der ARD

Ich möchte jetzt gar nicht pedantisch sein und monieren, dass "Druckfrisch" mit seinen hysterischen Schnitten* und voll krass originellen Settings seinem Moderator Denis Scheck nicht gerade einen Gefallen tut, sondern ihn sehr oft aussehen lässt wie einen verirrten schwäbischen Banker.

Immerhin bemüht sich die ARD überhaupt um ein unkonventionelles Literaturformat, auch wenn das Ergebnis zuweilen anmutet wie ein geeky Achtklässler, der sich aus Coolness- und Akzeptanzgründen Dreadlocks in die fisseligen Blondhaare hat filzen lassen. Beim Thema Jugendlichkeit muss die Sendeanstalt halt noch mal ein wenig in der Zeit vorspulen.

Aber eines muss man dem Denis Scheck wirklich lassen: Die SPIEGEL-Bestsellerliste nimmt er gründlich und überraschend lustig auseinander; es ist mir immer wieder eine Freude.






* Was nicht nur ich so sehe. Mein Co-Gucker bei "Druckfrisch", seines Zeichens Filmnerd Kameramann, teilte mir nach einigen Minuten Sendezeit mit, dass er davon Kopfschmerzen bekäme.